Plattdeutscher Abend im HuVV-Wickrath

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Der Heimatverein Wickrath hatte zum Plattdeutschen Abend eingeladen. Ca. 250 Besucher waren dieser Einladung freudig gefolgt. Um sie in den gemütlichen Abend einzustimmen, eröffnete Norbert Degen die Palette der zum Teil lustigen Vorträge mit dem Lied „wer kalle Platt“.

 

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Uli-Mones_Foto-KatzDer Vorsitzende des Heimatvereins, Uli Mones, erklärte in seiner kurzen aber humorvollen Begrüßung, natürlich auf Platt: wenn der Saal bei Frambach voll ist, dann ist Donnerstag und dann ist Plattdeutscher Abend.

 

 

004_Plattdeutscher-Abend-2012_Irmgard-Bautz_Foto-KATZIrmgard Bautz eröffnete den Reigen der einzelnen Vorträge mit „de Trobadur mött de Monneka“ der Troubadour mit der Mundharmonika). Es ging um das fussisch Johännche, der mit seiner „Monneka“ durch das Land zog. In ihrem zweiten Vortrag beschrieb sie das Leben einer alten Frau, die zwei Kirschbäume hatte und deren Enkel immer wieder diese Kirschen klauten. Diese Vorträge wurden immer wieder durch lautes Lachen der Besucher unterbrochen.

 

 

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Saal_Foto-KatzAuch Brigitte Schröders hatte die Lacher auf ihrer Seite mit ihren kurzen Erzählungen aus ihrer Jugendzeit über Liebe, Tanzen und wie sie später ihren Ehemann gefunden hatte. Ihr zweiter Vortrag handelte über ein altes Ehepaar, das nach einigen Mißverständnissen wieder zueinander findet.

 

 

Anni Kopp sprach sich in ihrem Vortrag gegen den Fortschritt in der heutigen Welt aus und daß es früher doch gemütlicher war. Bei ihrem zweiten Vortrag ging es um ein Stück Papier. Früher schrieb man Briefe auf Papier, heute gibt es Handys usw. und wenn die Technik in der heutigen Zeit nicht funktioniert, braucht man wieder ein Stück Papier.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Renate-Irmen_Foto-KatzRenate Irmen betitelte ihren ersten Vortrag mit „ronk es jesonk“ (rund ist gesund). Dieser Vortrag ging übers Abnehmen, neue Kleider und daß man immer mit den Füßen auf dem Boden bleiben sollte.

In ihrem zweiten Vortrag hieß die Überschrift „beem Aldi“. Hier wurden Anekdoten erzählt, wie es Montagsmorgens beim Aldi zugeht. Parkplatz voll, Wagen stehen quer, keine Höflichkeit in den einzelnen Gängen, es wird in die Hacken anderer Personen gefahren. Dann steht man in einer langen Schlange an der Kasse und schon sind 100 Euro weg für Sachen, die nicht gebraucht werden. Aber dann wartet man wieder auf den Donnerstag, wenn es die nächste Reklame gibt.

In ihrem dritten Vortrag ging es um „dä Möösch“ (der Müde). Wenn man ins Bett muß, ist er nett. Beim Fernsehen schleicht er sich bei der Werbung an und man sieht den Rest des Films nicht mehr. Auch dieser Vortrag wurde mit Lachen und Applaus begleitet.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Kaethi-Herbertz_Foto-KatzKäthi Herbertz erzählte vom Aufbau eines „Relexstohls“ (Relexstuhl). Zusammen mit ihrem Mann hatte sie versucht diesen Stuhl aufzubauen. Es wurde davon ausgegangen, daß der Stuhl von Ikea war. Man hat während des Aufbaus geflucht und dann war doch alles verkehrt. Alles wieder abgebaut und auf ein Neues. Nach dem zweiten Anlauf mußte man feststellen, daß der Stuhl auf dem Kopf stand und somit hätte man den Fernseher an der Decke festmachen müssen. Nach erneutem Ab- und Aufbau hatte man es dann nach einer Stunde geschafft und stellte dann fest, daß es ein Sonderangebot von Aldi war. Daß es hier zu Lachsalven kam, braucht man wohl nicht extra zu bemerken.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Uli-Mones-mit-Norbert-Degen_Foto-KatzIn ihrem nächsten Vortrag, wies noch einmal darauf hin, daß die Geschichten in ihrem eigenen Leben passiert sind, ging es um „Steckvotte fange“ (Stichlinge fangen). Sie war mit ihren beiden Enkelkinder, bewaffnet mit Nudelsieb und Marmeladenglas in die Allee von Schloß Wickrath gegangen, um dort mit ihnen Steckvotte zu fangen. Die Kinder verloren ihre Badelatschen und sie war die ganze Zeit damit beschäftigt nach den Latschen und den Steckvotte zu suchen. Am Ende hatte jedes Kind nur zwei Steckvotte gefangen, die sie dann auch wieder schwimmen ließen.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Kaethi-Herbertz-mit-Uli-Mones_Foto-KatzAuch Käthi Herbertz dritter Vortrag „immer in Eile“ wurde locker und humoristisch vorgetragen. Hierbei ging es um ein Fräulein, das morgens aus ihrer Garage fahren wollte, dies aber nicht konnte, weil ein LKW davor geparkt hatte. Der Fahrer war eingeschlafen und nach langem Hin und Her wurde er geweckt und er fuhr sein Auto etwas vor. Das Fräulein wollte dann wegfahren, aber es gab einen lauten Knall. Aus dem Hänger war ein Paket heraus gefallen, über das das Fräulein gefahren war und zerplatzte. In dem Paket waren Plumeaus (Oberbetten) und die Daunen verteilten sich auf der ganzen Straße. So kam man zu dem Ausspruch: Frau Holle kam mitten im Sommer.

Auch Herbertz nächster Vortrag „Alte Leute und Kinder sagen immer die Wahrheit“ kam bei den Besuchern gut an. Sie besuchte eine 99 Jahre alte Frau und sang mit ihr. Zum Schluß meinte die alte Dame: Ihr erinnert mich an meine liebe Großmutter. Bei der zweiten Episode zu dem vorgenannten Titel ging es um ein kleines Mädchen im 2. Schuljahr. Sie hatte eine neue Lehrerin bekommen und meinte nach einiger Zeit zu ihr: Eigentlich sind sie ja ganz nett. Sie helfen uns ja auch immer, sind immer lustig und wenn sie lachen sehen sie aus wie mein Pferd.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Jugend_Foto-KatzVor der eingeplanten kurzen Pause sagen die jüngsten Mitglieder des Heimatvereins, Charlotte Mones und Connor Degen unter Leitung und Mithilfe von Norbert Degen das Lied über das „Schwaamrüttsche (Oberlicht in der Küche).

Der Vorstand plant, nun auch Kinder und Jugendliche in den Heimatverein einzubinden. Mit Charlotte und Conner ist schon mal ein Anfang gemacht. Die Jugendlichen sollten sich für die Heimat (wie et ens woar / wie es mal war) und/oder für unser Platt interessieren.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Norbert-Degen-mit-Kaethi-Herbertz_Foto-KatzDann ging es weiter in dem hervorragenden Programm. Käthi Herbert und Norbert Degen sagen zusammen mit den Besuchern das „Liedsche van Weckre. Jeder Gast hatte den Text vor sich liegen und es wurde kräftig mitgesungen.

 

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Prof-Karl-Hans-Laermann_Irmgard-Bautz_Uli-Mones_Foto-KatzProf. Karl-Hans Laermann berichtete in seinem Vortrag über gelebte Erinnerungen und zwar wie folgt: Als im März 1945 der Krieg zu Ende war, war viel kaputt. Es gab keine Verwaltung und man versuchte das Nötigste herzurichten. Die jungen Männer waren noch in Kriegsgefangenschaft und so versuchten die alten Männer und die Frauen das Leben wieder in Gang zu bringen.

Dann kamen die Flüchtlinge zurück und auch die Leute aus Ostpreußen. Damit jeder ein Dach über dem Kopf hatte, rückte man zusammen und hat sich geholfen. Da in seinem Heimatdorf Beckrath nur Platt gesprochen wurde, hat man es den Leuten aus dem Osten auch versucht beizubringen.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Irmgard-Bautz_Uli-Mones_Foto-KatzEs war nicht so, wie es früher war. Die Lebensmittelkarten reichten nicht aus. In der Stadt tat sich dann der Schwarzmarkt auf. Die Hilfe kam aus Amerika mit Care-Paketen und in der Schule gab es für die Kinder eine Schulspeisung. Dann erfolgte die Selbstzucht von Tabak. Dieser wurde in fast allen Gärten angebaut. Die großen Blätter wurden auf einer Leine aufgehangen, getrocknet und anschließend in Kisten verpackt. Sie wurden dann zur Bäckerei von Werden gebracht und anschließend kleingeschnitten.

Der selbst gebrannte Schnaps wurde aus halbfaulen Pflaumen und Zuckerrüben hergestellt. Beim Turnerfest 46/47 bei Gierlings in Wetschewell war es für die Turnerschaft Beckrath sehr gut gelaufen und die Alten fütterten die Jungen mit Brändy. Was war es denen hinterher schlecht.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Kaethi-Herbertz-mit-Uli-Mones-und-Irmgard-Bautz_Foto-KatzAnfang 1946 kamen auch die Vereine wieder auf Tour. Geselligkeit war wieder angesagt. Das Tanzen kam auf. Es gab in den Dörfern verschiedene Säle, wo man diesem Vergnügen nachgehen konnte. Die jungen Männer gingen gerne tanzen, denn durch den Krieg mussten sie viel nachholen. Der Krieg hatte ihnen die Jugend gestohlen.

 

 

Es kam neue Musik auf wie amerikanischer Jazz und neue Töne von Glenn Miller usw. Auch gab es neue Tänze wie z.B. Samba, Rumba und Boogie-Woogie. Aber auch die deutschen Schlager wurden wieder mehr. An Karneval wurde tüchtig gefeiert mit dem Untertitel „Freud jeht för eh nöh Hemb“ (Freude geht vor ein neues Hemd). Auch wurde sich selbst auf den Arm genommen. Das beschrieb 1948 das Lied von Karl Berbuer „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ [◄ Klick]   und alle sagen kräftig mit.

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Gruppe_Foto-KatzDann kam die Inflation. Statt Reichmark gab es jetzt die Deutsche Mark. Jeder erhielt ein Startgeld von 40,- DM. Von heute auf morgen gab es wieder alles zu kaufen, sofern man das Geld dazu hatte. Es war ein gutes Gefühl und man schaute wieder nach vorne. Sein Schlußwort lautete wie folgt: „Es ist wenig geblieben wie es einmal war. Es wird sich weiter alles ändern, aber die Erinnerung bleibt“.

Dieser Vortrag machte zum Teil nachdenklich, war aber auch zwischendurch mit lustigen Anekdoten versehen.

Irmgard Bautz erzählte in ihrem Vortrag „jett van vröher ut die alde Tiet“ (etwas von früher aus der alten Zeit) über das Leben eines Kindes vor -zig Jahren.

Brigitte Schröders erzählte das Märchen „Ruettkäppke’“ (Rotkäppchen) auf Platt, wars die Gäste immer wieder zum Lachen brachte.

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Irmen-Renate_Foto-KatzRenate Irmen erzählte über Opa und „dä Camenbert“. Opa war nicht auf Schuß und erklärte immer wieder man gönne ihm den Käse nicht. Er hatte ihn versteckt und seine Verwandten haben ihn dann gefunden und ihm wieder gegeben. Auch dieser Vortrag wurde mit großem Applaus bedacht.

Außerdem brachte sie noch einen Vortrag über „de Notbrems“. Hier ging es um eine Frau, die zu einer Hochzeit nach Köln mit dem Zug fahren wollte bzw. ist. Was auf dieser Reise im Einzelnen vor sich ging, schilderte sie mit lustigen Worten, über die herzhaft gelacht wurden.

 

 

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Herbertz-Kaethi_Foto-KatzKäthi Herberts sprach in ihrem Vortrag „de tojenälde Dür“ (die zugenagelte Tür) über eine Mutter, die auf die Rückkehr ihrer Söhne aus der Wirtschaft wartete. Als es ihr zu lange dauerte, nahm sie Nägel und Hammer und nagelte die Haustür zu. Die Jungs sollten sehen, wo sie blieben. Ihre Tochter gab ihr die Nägel an, drehte sich aber immer so, daß die Mutter nicht sehen konnte, wie die Jungs sich wieder ins Haus schlichen. Als sie fertig war mit dem Nageln kam aus dem oberen Stockwerk der Zuruf der Jungs: wir haben Kaffee gemacht. Daraufhin war sie sehr glücklich, daß wieder alle zu Hause waren.

 

 

Aus ihrem großen Schatz von Vorträgen erzählte sie dann noch die Weihnachtsgeschichte mit lustigen Episoden, die immer wieder die Lachmuskeln der Zuhörer reizten.

Platt-Abend_HuVV-Wickrath_Renate-Irmen-mit-Irmgard-Bautz_Foto-KatzZum Abschluß sagen Irmgard Bautz, Käthi Herberts und Norbert Degen zusammen mit den Gästen das von Norbert Degen komponiert und getextete Lied „Os Weckre“.

 

 

 

Uli Mones bedankte sich in seinem Schlußwort bei den Interpreten und überreichte ein kleines Gastgeschenk. Er wies auf folgende Termine des Heimatvereins hin:

  • 5. November 2013 = Stammtisch Politiker und Bürger
  • 16. November 2013 = Gedenken zum Volkstrauertag auf dem Ehrenfriedhof
  • 21. und 22. Dezember 2013 = Ausstellung Nassauer Stall mit Adventskaffee
  • 27. April 2014 = Plattdeutsche Lieder im Nassauer Stall
  • 23. Oktober 2014 = Plattdeutscher Abend

Er wünschte allen eine gute Heimreise und bat darum: wer noch nicht Mitglied im Heimatverein ist, könne gerne den Aufnahmeantrag, der im hinteren Bereich des Saales ausliege, ausfüllen und bei dem Kassierer Bruno Post abgeben. Jahresbeitrag nur 10 Euro.

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