Das Sterben gehört zum Leben – es muss menschenwürdig gestaltet werden

 „Palliativversorgung – Hospizarbeit – Sterbebegleitung ambulant und stationär“ war Thema des Pflegetreffs  am 19.11.2013 im „Kontakt Erfttal“
pro PflegeAuf dem Podium saßen ausgewiesene Experten und beleuchteten die Versorgungs- und Unterstützungsangebote aus verschiedenen Blickwinkeln, moderiert von Bernd Müller, ehemaliger TV-Moderator bei „Mittwochs live“ und „Wunderschönes NRW“. Über 130 Gäste (vorwiegend Multiplikatoren) wurden dabei geschickt mit Fragen und sonstigen Dis-kussionsbeiträgen eingebunden.
Zum Auftakt der Statements und Diskussionsbeiträge stellte Pfarrer Jochen Koenig u.a. heraus, dass das Sterben kein Störfaktor sei, sondern als Teil des Lebens einer humanen Begleitung bedürfe. In diesem Sinne sollten wir verantwortungsvoll mit Leben und Sterben umgehen, so der Geistliche.

 

Dr. Dr. med. G. Steiner, niedergelassener Arzt und Palliativmediziner aus Neuss, verdeutlichte die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung.
Er stellte im Wesentlichen klar, dass die entsprechenden Strukturen im Rhein-Kreis Neuss gut geknüpft seien und das in Neuss ansässige Palliativnetz „WiN – Wir in Neuss“ für den Rhein-Kreis Neuss gute Arbeit leiste. Niemand müsse befürchten, unversorgt zu bleiben.

Dr. med. F.-J. Esser, Chefarzt am Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss, befasste sich mit den Palliativstationen in den Krankenhäusern und machte u.a. deutlich, dass solche Zentren für diejenigen Menschen zur Verfügung stehen, denen Hilfe mittels personeller und sachlicher Ausstattung eines Krankenhauses (befristet) zuteil werden solle.
Überalterte Planungskonzepte müssten angepasst werden und ein weiterer Ausbau solcher Stationen gefördert werden.
Gerda Graf, Geschäftsführerin einer Pflegeeinrichtung in Niederzier/Düren und Ehren-vorsitzende im Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V, ging u.a. näher auf die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen in den stationären Pflegeeinrichtungen ein. Sie plädierte dafür, dass die stationären Pflegeeinrichtungen für eine palliative Versorgung und Begleitung ihrer BewohnerInnen gerüstet sein müssen.
Geboten sei z.B. die Forderung an die Heime, eine spezielle Palliativ-Fachkraft pro zehn Bewohner vorzusehen.
Dr. med. Udo Kratel, niedergelassener Arzt und Palliativmediziner in Dormagen, ging als 2. Vorsitzender der Hospizbewegung Dormagen e.V. und Vorstandsmitglied im Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V., auf die Hospizarbeit näher ein und erläuterte die kreisweiten Strukturen.
Dabei wurde deutlich, dass die Hospizarbeit von verschiedenen Institutionen institutionell getragen wird, aber wesentlich unterstützt wird durch eine Vielzahl ehrenamtlicher HelferInnen.

P1020599Es ergab sich der Eindruck, dass die palliativen und hospizlichen Hilfe- und Unterstützungstrukturen im Rhein-Kreis Neuss durchaus als nahezu ausreichend bezeichnet werden können. Ungeachtet dessen gibt es sicherlich an der einen oder anderen Stelle noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Bei einer überregionalen Betrachtung der Versorgungsstrukturen scheinen aber durchaus Lücken zu bestehen. Daher muss bei einer Gesamtbetrachtung der bundesdeutschen Versorgungslandschaft davon ausgegangen werden, dass es einen weiteren Ausbau der angesprochenen Unterstützungsleistungen und entsprechende Folgerungen des Gesetzgebers und der Kostenträger geben muss.

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat daher vorgesehen, mit entsprechenden Vorschlägen erneut aktiv zu werden.

Heinz Sahnen, Stadtverordneter in Neuss und zugleich Schirmherr des Erfttaler Pflege-treffs, konnte am Ende der Veranstaltung resümierend feststellen, dass es Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk unter Leitung von Werner Schell wieder einmal gelungen war, eine gut besuchte Veranstaltung zu organisieren und zu gestalten und dabei erneut ein Thema anzusprechen, das viele älter werdende BürgerInnen zunehmend bewegt.

Am Ende der Veranstaltung stand ein kurzer Ausblick auf den Pflegetreff, der am 13.05.2014 in Neuss-Erfttal stattfinden und sich ausschließlich mit dem Pflegenotstand befassen wird.
Die einfache Botschaft lautet nämlich: Mehr Pflegepersonal in den Einrichtungen = bessere Pflege (und das wissen wir doch seit Jahren!).

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