Lisa Kempin = erfolgreiche Boxerin aus Mönchengladbach

Bericht einer Deutschen Meisterin im Olympischen Boxen:

Die Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft 2016 war so hart wie keine Vorbereitung zuvor. Das lag vor allem an der Vielfachbelastung die durch intensives Training neben Studium, Haushalt, (Trainer-) Jobs und schlicht das Muttersein entstanden ist.

In den Jahren 2006-2009 & 2011 (in denen ich ebenfalls an der DM teilgenommen habe), lag mein Fokus auf dem Training, dieses Mal war das so nicht möglich und ich musste organisatorische Höchstleistungen vollbringen, um alles unter einen Hut zu bekommen. Freunde, Familie und vor allem mein Mann Karan haben mich dabei tatkräftig unterstützt und so habe ich es tatsächlich geschafft, auf den Punkt genau topfit in das Turnier zu starten.

Seit der Geburt meines Sohnes Rasmus, hatte ich meinen Trainingsschwerpunkt in Köln und Brühl (logistisch war das nicht anders möglich) und war grösstenteils mein eigener Trainer, was nur durch die exzellente Grundausbildung bei Waldemar Altergott und Oleg Ginkel, meinem Vater Jochen Kempin und generell den Faustkämpfern Mönchengladbach möglich war.

Gestartet bin ich übrigens auch in diesem Jahr für meinen Heimatverein Faustkämpfer MG und natürlich für den Niederrheinischen Amateur-Box-Verband und im Bezirk Rhein-Ruhr-Wupper, Team NRW. Die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft war relativ kurzfristig entschieden worden, war es doch, nachdem ich Mutter wurde, eigentlich nur mein Ziel „nochmal einen Kampf zu machen, um zu schauen, ob ich es noch kann“.

Aber eins kam zum Anderen und nach zwei Einzelkämpfen (in Belgien endete das Duell gegen die vierfache belgische Meisterin unentschieden und in Speyer schlug ich die mehrfache deutsche Meisterin Diana Loichinger durch TKO in der zweiten Runde), gewann ich in zwei weiteren Kämpfen im Juni 2016 die Hochschulmeisterschaft in Marburg.

Eine DM-Teilnahme erschien mir auch zu diesem Zeitpunkt noch „zu stressig“ und organisatorisch und belastungstechnisch schwer durchführbar. Letztendlich hatte ich aber nach den vier Kämpfen in der ersten Jahreshälfte genau 48 Kämpfe in meinem Boxpass eingetragen und so kam mein Mann auf die Idee „die 50 voll zu machen“, wofür sich eine Meisterschaft anbietet.

Ziel war demnach anfangs nicht eine Medaille zu holen, sondern einfach nur mindestens zwei Kämpfe zu bestreiten, um mit 50+ Wettkämpfen abtreten zu können (daß ich es noch kann hatte ich mir längst bewiesen). Trotzdem habe ich sehr hart trainiert und mich optimal auf die Meisterschaft vorbereitet.

Mit ein bisschen Losglück, wurde ich tatsächlich im 50sten Kampf meiner Boxkarriere Deutsche Meisterin im Bantamgewicht. Hierfür schlug ich im Halbfinale die ebenfalls sehr erfahrene Natalia Bauer aus Niedersachsen deutlich und besiegte letztendlich Sarah Müller vom SV Bad Langensalza durch TKO Anfang der dritten Runde. Diese stürmte nach vorne und zwang mich im Rückwärtsgang zu boxen, was mir fast überraschend gut gelang und ich, soweit ich mich erinnere, das erste Mal überhaupt in einem Boxkampf tat – in der Regel bin ich es, die Druck macht und nach vorne geht. (Beide Kämpfe kann man auf Youtube anschauen)

Mein 2 jähriger Sohn Rasmus (sowie mein Mann, mein Vater und Nadine Peters (Boxerin bei den „Faustkämpfer“) als Babysitterin) ist übrigens mit zur DM nach Wismar gereist und hat mich laut angefeuert.

Auch wenn ein Boxkampf niemals „einfach“ ist, waren beide Duelle Nichts im Vergleich zu der knallharten Vorbereitung in den Wochen und Monaten davor, an der ich ohne die Unterstützung durch meinen Mann und den Rest meiner Familie und Freunde, die sich z.B. um meinen Sohn gekümmert haben (Nadine ist bei beiden Meisterschaften mit ihrem Wohnmobil mitgereist und hat meinem Sohn ermöglicht, zumindest vor- und nach den Wettkämpfen, bei Mama zu sein), während ich im Kellergym am Sandsack stand, vielleicht gescheitert wäre.

Wie geplant, habe ich nach dem erfolgreichen 50sten Kampf meine aktive Boxkarriere beendet, was für mich eine Riesenerleichterung bedeutet. Das Training (ganz lassen kann ich es nicht), macht ohne den Druck einer Kampfvorbereitung auch Spass und ich kann mich intensiver mit meinen Schützlingen beschäftigen und mich auf deren Wettkämpfe konzentrieren.

Seit Ende 2015 leiten mein Mann Karan und ich nämlich drei Mal die Woche abwechselnd das Training beim Amateur Box Club (ABC) Brühl, wo wir die Wettkampfabteilung wieder aufleben lassen und uns der Jugendarbeit widmen.

Zusätzlich bin ich Disziplinchefin und Trainerin beim Campussport der Uni Köln (auch hier bereite ich Teilnehmer auf Hochschulwettkämpfe vor) und Trainerin in einem zusätzlichen Boxclub (Guts&Glory) in Köln.

Auch zusätzliche Laufeinheiten am Wochenende mit den Konditionsschwachen und Nachhilfe für die Schüler, deren Leistungen zu wünschen übrig lassen, stehen regelmässig auf dem Programm. Ganz raus bin ich also aus dem Sport nicht. Ganz offensichtlich ist es meine Leidenschaft und ich bin froh, in jahrelangem, hartem Training Erlerntes, an junge Sportler weitergeben zu können.

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