Statement der GEW: „Gemeinsames Lernen“ ist noch lange keine Inklusion!

Seit Jahren wird auch in Mönchengladbach versucht, der Umsetzung der EU-Behindertenrechtskonvention Rechnung zu tragen. So erfolgte in den letzten Jahren die massive Ausweitung des Gemeinsamen Lernens für Schüler*innen mit und ohne Behinderung.

Mittlerweile ist das Angebot an Schulen, die auch die sonderpädagogische Unterstützung anbieten nahezu flächendeckend. Das bestehende Angebot zum Schulbesuch an Förderschulen wurde zeitgleich teils durch Schließung, teils durch Zusammenfassung zu zwei Förderzentren in der Stadt stark reduziert. Anstoß für den Umbau der Schullandschaft gab auch in Mönchengladbach der politische Wille der  letzten Landesregierung, die den  Ausbau von Angeboten des sogenannten „Gemeinsamen Lernens“ an Regelschulen (Grund- und weiterführenden Schulen) vorantreiben wollte.

Das Schulgesetz sieht für die Eltern eine Wahlmöglichkeit des Förderortes vor – Regelschule oder Förderschule! Gibt es in Mönchengladbach wirklich noch eine echte Wahlmöglichkeit?

Die GEW Mönchengladbach sagt, die Wahlmöglichkeiten sind für Mönchengladbacher Schüler*innen stark eingeschränkt.

Insbesondere für Kinder mit Schwierigkeiten in den Entwicklungsbereichen „Lernen“, „Emotionale und soziale Entwicklung“  und „Sprache“ gibt es kaum noch Gelegenheit der Beschulung an einer Förderschule mit entsprechend sonderpädagogisch qualifiziertem Personal. Die Verteilung der Sonderpädagogen an die Schulen des Gemeinsamen Lernens erfolgt in den wenigsten Fällen entsprechend ihres Förderschwerpunktes – dem Expertenwissen, welches sie im Studium und auch in der Arbeit an ihrer alten Schule erworben haben. Viele Sonderpädagog*innen haben nun ihre Einsatzorte vorwiegend in einer oder auch mehreren Regelschulen und können dort deutlich weniger effizient fördern, da die Schüler in verschiedenen Klassen und Jahrgangsstufen verteilt sind und auch den diversesten Förderschwerpunkten angehören. Aufgrund des Mangels an Sonderpädagogen müssen manche Lehrer an mehreren Schulen tätig sein. Das macht eine kontinuierliche Förderung schwierig und trägt sicher auch nicht zu einer höheren Arbeitszufriedenheit bei. Eine notwendige Erhöhung des Personalanteils an Sonderschullehrer*innen ist nicht in ausreichendem Maß vorgesehen und kann auch nicht erfolgen, da viel zu wenig Sonderpädagog*innen ausgebildet wurden und damit auch nicht zur Verfügung stehen.

Die Qualität der schulischen Bildung insbeondere im Bereich sonderpädagogischer Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sinkt rapide. Dem entsprechend muss der weitere Ausbau von Angeboten des Gemeinsamen Lernens an Regelschulen bei allem grundsätzlichen Willen zur Inklusion stark hinterfragt werden. Der ambitionierte Ausbau des Gemeinsamen Lernens in Mönchengladbach geht zu Lasten der Qualität sonderpädagogischer Förderung für alle Kinder mit Unterstützungsbedarf. Auch an den Förderchulen gibt es eine immer schlechtere Personalausstattung.

Die designierte Landesregierung hat vor als auch kurz nach der Wahl erklärt, dieser Entwicklung entgegentreten zu wollen und weitere Schließungen von Förderschulen zu verhindern, um die Qualität der sonderpädagogischer Förderung zu erhalten.

Dem entgegen löst die aktuelle Beratungsvorlage zum des Schul- und Bildungsausschusses der Stadt bei vielen Lehrer*innen, Eltern und der GEW Mönchengladbach dorch Verwunderung aus: dort sollen dem Rat der Stadt die Enrichtung des „gemeinsamen Lernen“ an drei weitere Grundschulen in Mönchengladbach empfohlen werden.

Der GEW Stadtverband fragt, ob nicht gerade zum Zeitpunkt der politischen Neuorientierung auf Landesebene und einer klaren Befürwortung der designierten Regierungskoalition zu den Förderschulen ein weiterer quantitativer Ausbau von GL-Angeboten unterlassen werden sollte. Vielmehr muss es – wie die GEW auch in früheren Stellungnahmen immer wieder betont hat – vorrangig um eine adäquate und fachlich versierte sonderpädagogische Förderung gehen.

Die gesellschaftliche und damit auch schulische Inklusion von Menschen mit Behinderungen muss zur Verbesserung der Lebensumstände behinderter Menschen beitragen, schulisch zu einer verbesserten  Förderung und letztlich zu besseren Lern- und Entwicklungschancen für alle Schüler*innen. Die in den letzten Jahren im Eiltempo geschaffenen Angebote zum „Gemeinamen Lernen“ tragen nicht dazu bei. Die Umsetzung kann auch in Mönchengladbach nur gelingen, wenn ausreichend Personal, Expertenwissen und Zeit zur Verfügung stehen..

Viele Schulen und Pädagogen haben sich in den letzten Jahren der Herausforderung der Inklusion engagiert gestellt. Allmählich kippt die Stimmung in den Schulen, weil Schüler*innen, Eltern und Lehrer jeden Tag deutlich spüren, so kann Inklusion nicht gelingen!
Wenn keine ausreichende und qualifizierte sonderpädagogische Förderung mehr erfolgen kann, stimmt das System nicht!
Daher fordert die GEW Mönchengladbach: Kein weiterer Ausbau der Inklusion!
Solange wie die personellen Ressourcen unzureichend sind, sollte man diese an Standorten bündeln, um sie effektiver einzusetzen.

„Gemeinsames Lernen“  ist noch lange keine Inklusion!

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