Zum Stadtschützenfest in Mönchengladbach – Musikunterricht für Kirmespferde

Foto: Theo Esser

General hoch zu Ross, Rittmeister gut zu Fuß und König auf dem Treppchen

Was im Supermarkt alltäglich ist, gehört zu den Festtags-Vorfreuden der Kirmespferde: Musikberieselung über Lautsprecher.

Damit General Lothar Erbers und seine Reiterkollegen zum Mönchengladbacher Stadtschützenfest am Sonntag, 3. September, trommelwirbelfeste Rösser haben, wird den Pferden schon jetzt der Marsch geblasen. Vom Tonband kommen Pauken und Trompeten, erschallt „Der alte Dessauer“ ebenso wie „Regimentsgruß“ und „Laridah“. Das ist kein Larifari, sondern ernstes Festtraining für Paradepferde, was leider nicht bei jedem Festzug üblich ist.

Denn heutzutage kennen sich Reitpferde zwar mit Autohupe und Düsenknall aus, aber nicht mit dem Locksignal zum Großen Zapfenstreich. Das macht dem General Probleme, weil er beim Stadtschützenfest hoch zu Ross einen sattelfesten Eindruck machen will. Drum reitet er selbst regelmäßig, schickt auch Oberst und Adjutant zum Training und lässt die Pferde aufs Fest einstimmen.

Das ist bei den „alten Hasen“ unter den Kirmespferden nicht so nötig, vierbeinige Grünschnäbel aber bekommen vierzehn Tage lang „Grüße aus dem Egerland“, denn dazu singen die Schützen ohne Unterlass: „Seid bereit, die nächste Kirmes ist nicht mehr weit.“

Und das stimmen sie sogar an, wenn das große Fest da ist: Am 2. und 3. September erklingt in der Gladbacher Oberstadt der Schützen-Ohrwurm, der zum festen Musikprogramm der großen Stadtschützen-Parade gehört, zu der sich am Festsonntag, 3. September, um 16.15 Uhr 2500 Schützen und Musikanten am Alten Markt versammeln.

Dort reitet dann auch General Lothar Erbers vor, streichelt sein Pferd, hebt die Rechte an den Zweispitz und fragt den Oberbürgermeister, ob er paradieren lassen darf. Mönchengladbachs brauchtumsfreundlicher OB Hans-Wilhelm Reiners gibt – so wissen die Schützen und ihr General – das Ja-Wort zur Parade, die von Zugoffizier Heinz-Josef Katz kommandiert wird. Der hat sich den Titel Rittmeister (=Hauptmann) erdient, ist gut zu Fuß und trägt einen Degen aus Kaiser-Wilhelms-Zeiten (1905).

Paradiert wird zur Musik von zwölf Musikkapellen und Tambourkorps und zu Ehren des neuen Bezirkskönigs. Wer die Parade am Alten Markt königlich grüßend abnehmen darf, entscheidet sich am Vortag (2. September, 15 Uhr) auf dem Kapuzinerplatz. Dort ist Vogelschuss, versuchen bis zu 38 Königskandidaten den Fichtenholzvogel mit einem gezielten Schuss von der Stange zu holen.

Wer das schafft, tanzt abends als Thronfolger in der Kaiser-Friedrich-Halle und löst am Festsonntag, 3. September, 13.45 Uhr, bei der Krönungsmesse im Münster den amtierenden Bezirkskönig Marc Gülzow aus Lürrip ab. Der scheidende König bekommt nach einem Jahr Amtszeit den Zusatz „Ex“ und darf zu Füßen seines Nachfolgers (der steht auf der Stefanskanzel) die Parade sehen (16.15 Uhr, Alter Markt) oder an der Spitze des Zuges marschieren.

Nach Festzug und Parade geht’s ab zum Kapuzinerplatz, wo die Schützen an beiden Festtagen (11 bis 22 Uhr) Folklore live bieten und viele Gäste haben:

Gut und gern 50.000 Besucher erwartet Schützenchef Horst Thoren zu Festzug, Parade und Treffpunkt Kapuzinerplatz. Er verspricht: „Wir bieten Unterhaltung zum Nulltarif.“ So am Festsamstag (ab 18 Uhr) „Schwoof“ mit „Area 41“, so am Festsonntag schon mittags (ab 12 Uhr) Tamtam, dann Tanzmädchen und Jazz-Spektakel, später (ab 18.30 Uhr) Frohsingsang und kölsche Tön: „Wenn et Trömmelche jeht“ und zum Abschluss richtig nett Abtanzen. Doch das Nachtprogramm kriegen die Kirmespferde nicht mehr mit, die stehen dann längst im heimischen Stall und lauschen dem Gute-Nacht-Marsch: „Abendpolka“.

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