Unser Jupp

Kolumne von Peter Josef Dickers

Ich habe es befürchtet. Sie haben dich aus unseren Archiven geholt – einfach so. Ohne uns zu fragen, ob Borussia dich noch einmal brauchen kann. Jetzt willst du wieder die Lederhose anziehen. Die kann dir unmöglich noch passen nach all den Jahren, in denen sie in weiß-blauen Schränken eingemottet war. Jupp muss Bayern retten, nicht der Horst. Kann ich verstehen nach dem Wahl-Debakel. Aber bist du nicht überfordert, wenn du aus einer drohenden Minderheit wieder eine Mehrheit machen sollst?

Dass die Bayern sich auf Vorrechte berufen, weiß ich. Als Bayern 1870 ein Teil des neuen Deutschen Reichs wurde, behielt es eine eigene Armee, eine eigene Post und eine eigene Eisenbahn.  Jetzt wollen sie, immer noch von sich selbst beeindruckt, dich, unseren Jupp, vereinnahmen, statt sich in Bußfertigkeit zu üben und die eigene Unzulänglichkeit einzugestehen. Offenbar sind sie nicht verzweifelt genug, um einzusehen, was sie selbst falsch gemacht haben. Schändlich nenne ich das.

Sei auf der Hut, Jupp. Nimm keine Verpflichtung an, die du nicht zurücknehmen kannst. Du weißt nicht, was du bekommen wirst, sondern nur das, was du willst, aber vielleicht nicht erreichen wirst. Ehe du deinen gesicherten Platz in hiesigen Andenken-Läden aufgibst und eintauschst gegen glitschige ober- und niederbayerische Alm- und Wiesen-Äcker, bedenke, was du dir und uns antust. Soll aus „unser Jupp“  wirklich „unser Sepp“ werden? Willst du dich dort womöglich als „unser Depp“ in Jahresfrist wieder zurücksehnen in unsere Andenkenläden und Vitrinen?

Unser Jupp, du hast dich um dich und uns verdient gemacht. Neue Karrierestiegen musst du nicht erklimmen. Verdient hast du auch genug. Auf ein paar lumpige Bayern-Taler kannst du nicht angewiesen sein.

Wenn du wirklich gehen solltest, nimm unsere Vitrinen-Schlüssel mit. Es kann sein, dass du bei Nacht und Nebel wieder auftauchst und niemand dich hereinlässt. Oder weck mich. Wir werden das dann regeln.

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