Das könnte ein spannender Abend werden

"Gnadenbild Montserrat", Foto: P.J. Dickers

Zum Start der neuen Veranstaltungsreihe „Edmund-Erlemann-Forum“ kommt am Donnerstag, dem 7. Dezember um 19 Uhr, die „rebellische Nonne“, die Benediktinerin Dr. Teresa Forcades i Vila, als Referentin in die Citykirche am Alten Markt. MG-heute berichtete.

Die 1966 in Barcelona gebürtige katalanische Ärztin, Theologin und Benediktiner-Schwester gilt u. a. als feministische Theologin.  Feministische Theologie, die aus der kirchlichen Frauenbewegung entstand, betont die besonderen Erfahrungen von Frauen in ihren verschiedenen Lebensbereichen.  Frauenbefreiende Theologie will darlegen, wie sich die Beziehung der Geschlechter auswirkt auf Glaube, Kirche und Gesellschaft.

Schwester Teresa studierte zunächst Medizin und begann anschließend ein Theologie-Studium an der Harvard University, der amerikanischen Elite-Uni. Nach ihrer Rückkehr trat sie in die Benediktinerabtei des Klosters Montserrat nordwestlich von Barcelona ein und erwarb den Doktorhut in Gesundheitswissenschaften. Da sie an der Havard an einer protestantischen Fakultät studiert und sich mit feministischer Theologie beschäftigt hatte, wurde ihr Harvard-Studium nicht anerkannt. Daher wurde sie 2005 am katalonischen am Institut für Fundamentaltheologie ein weiteres Mal promoviert.

Zeitweise agierte sie als Vizepräsidentin und Schatzmeisterin der ESWTR, der Europäischen  Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen. Was immer sie tut, geschehe, wie sie betont, aus ihrem christlichen Glauben heraus und aus der Hingabe zu den Menschen. So will sie auch ein Programm verstanden wissen, das u. a. gerechtere Löhne und Renten, menschenwürdige Wohnungen, kürzere Arbeitszeiten und Zahlungen an Eltern fordert, die ihrer Kinder wegen zu Hause bleiben. Parteipolitisch links orientierte Intellektuelle berufen sich auf sie, wenn sie antikapitalistische Initiativen propagieren und die Verstaatlichung von Energieunternehmen und Banken verlangen. Wenn Kapitalismus von „Freiheit“ rede, so Schwester Teresa, sei das die Freiheit von Wenigen, die sie als ihr Privileg betrachten würden.

Schwester Teresa Forcades geht der Ruf einer radikalen Ordensschwester voraus. Ihrer männlich dominierten, patriarchalisch auftretenden römisch-katholischen Kirche tritt sie kritisch gegenüber und mahnt Reformen an. Die gesamte Struktur müsse rückgängig gemacht werden, weil sie auf der Grundlage des Klerikalismus basiere. Die Kirchen würden sich zwar sozial engagieren und Gutes bewirken; aber sie seien immer noch zu sehr an ihren eigenen Privilegien interessiert. Sie müssten ihren Gerechtigkeitsauftrag erfüllen. Sie glaube nicht, dass Veränderung in der Kirche von oben komme. Sie schätze Papst Franziskus; er müsse aber Raum schaffen für das, was von unten komme.

Dass sie sich für das Frauenpriestertum einsetzt und ein offenes Verhältnis der Amtskirche zu homosexuellen Menschen verlangt, verwundert nicht. Sie gesteht jedem Menschen das Verfügungsrecht auf den eigenen Körper sowie einer Frau das Recht auf Abtreibung zu. Sie stellt infrage, dass menschliche Sexualität unbedingt mit Fortpflanzung assoziiert wird. Indem sie auf die Praxis der evangelisch-lutherischen Kirche in Schweden verweist, die homosexuelle Ehen akzeptiert, wendet sie sich gegen die katholische Ehe-Lehre, eine christlich geschlossene Ehe als Sakrament schließe den Willen auf Nachkommenschaft ein.

Teresa argumentiert dagegen, eine christlich geschlossene Ehe sei ein Zeugnis der Gottesliebe, unabhängig vom Wunsch auf ein Kind. Sie  sei dafür, dass die homosexuelle Ehe in der Kirche gefeiert und gesegnet werde wie die heterosexuelle, weil sie helfen könne, die Gottesliebe besser zu verstehen. Die Menschen könne man nicht in zwei differenzierte Geschlechter klassifizieren, Die Benediktinerin will damit den Weg ebnen für eine feministische Zukunft der Kirche. Sie macht deutlich, an welchen Kirchenportalen sie ungestüm rüttelt.

Die Sprengkraft ihrer Ideen und ihre radikalen Forderungen missfallen auch  manchen Politikern. Sie bewundert Mahatma Gandhi, den ehemaligen indischen Widerstandskämpfer, Revolutionär, Publizist, Morallehrer, Asket und Pazifist. Sie bewundert den verstorbenen Staatspräsident Venezuelas, Hugo Chavez, eine Gallionsfigur des Sozialismus in Südamerika. Sie bewundert den bolivianischen Präsident Evo Morales, den Führer der sozialistischen bolivianischen Partei „Movimiento al Socialismo“  und der Bewegung für die Rechte der Coca-Bauern. Nicht bei allen, die das hören, kommt das gut an.

Da sie eine Doktorarbeit im Gesundheitswesen verfasst hat, ist auch die Privatisierung des Gesundheitswesens eines ihrer Anliegen. Die Betreuung einer erkrankten Person habe sich in ein Geschäft verwandelt, beklagt sie. In ihrem Buch „Die Verbrechen der großen Pharmafirmen“ prangert sie den Missbrauch der großen Pharma-Unternehmen an, die ihre wirtschaftliche Macht benutzen würden, um ihre Interessen über die der öffentlichen Gesundheitspflege zu stellen. Das könne nicht hingenommen werden.

Die „rebellische Nonne“ wird ungewohnte Töne anklingen lassen – für das Erlemann-Forum vielleicht der richtige Einstieg.

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