Rat beschließt Organisationseinheit strategisches Wachstumscontrolling

Darstellung: Stadt Mönchengladbach

Kolumne

Bereits in 2016 beantragten CDU/SPD gemeinsam die Bildung dieser Einheit. Begründet wurde dieser Antrag mit nachfolgender, wahrlich komplexen Ausführung:

Die Stadtentwicklungs-Strategie „mg+ Wachsende Stadt“ ist das Fundament sowie die entscheidende und sachlogische Voraussetzung, dass Mönchengladbach die im Stärkungspaktzeitraum verfolgten grundsätzlichen Ziele wie Haushaltsausgleich, Schuldenabbau sowie wirtschaftliches Handeln im Konzern Stadt auch aus eigener Kraft in den kommenden Jahren weiterverfolgen kann. Ziel von CDU und SPD ist es, mit Hilfe dieser Wachstums-Strategie den Haushaltsausgleich auch ohne Stärkungspakthilfen ab dem Jahr 2021 zu verstetigen.

Das kann nur gelingen, wenn die Ressourcen im Konzern Stadt effizient und verbindlich vernetzt und systematisch anhand qualitativer Wachstumsparameter evaluiert und ausgerichtet werden.
Das Wachstumscontrolling soll insofern parallel zur weiteren Operationalisierung von „mg+“ aufgebaut und in allen Dezernaten und städtischen Töchtern konzernübergreifend implementiert werden. Hierfür müssen quantitative, qualitative und finanzielle Zielmarken kontinuierlich in messbare Kontrolldaten übersetzt, geeignete Projektmaßnahmen mit dem Ziel positiver Haushaltseffekte entworfen und Prozessschritte kennzahlenorientiert und fachbezogen umgesetzt werden. Bereits vorliegende Untersuchungen der einzelnen Dezernate, Ergebnisse aus politischen Workshops und Gremienberatungen sind im Sinne des strategischen Ansatzes aufzubereiten und zu konkretisieren. Insbesondere sind Wanderungsbewegungen sowie die wirtschaftliche und demografische Entwicklung prospektiv und fortlaufend aktualisierend in die NKF-Steuerung zu integrieren. Die Unterzeichner empfehlen hierfür den Einsatz einer am anerkannten betriebswirtschaftlichen Instrument der „Balanced Scorecard“ (BSC) orientierten Konzernsteuerung. Eine entsprechende softwaregestützte Controlling-Berichterstattung an das Lenkungsgremium Wachsende Stadt und die politischen Gremien ist gemeinsam mit der ITK Rheinland zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus soll eine Begleitung durch die GPA NRW angestrebt und zur weiteren Zielerreichung der Stärkungspakt-Vorgaben gewährleistet werden. Mit der Einführung des beantragten Wachstumscontrollings betritt Mönchengladbach unter den nordrheinwestfälischen Kommunen Neuland und bleibt so Vorreiter bzw. Modellkommune einer nachhaltigen, soliden und wachstumsorientieren Haushaltsführung und Stadtentwicklung. Die Mittel für den Aufbau der neuen Organisationseinheit sind dem Haushaltsansatz „Moderne Verwaltung und Demografie Stadt MG“ (1275/IX) zu entnehmen.

Nun darf sich jeder zufrieden zurücklehnen, der dies alles verstanden hat, der weiß, was die GroKo meint.
Den Gesichtern unserer Politiker in den Ausschüssen und abschließend in der Ratssitzung am 20.12.2017 war unschwer anzusehen, sie hatten Probleme mit diesem Papier.
Ob dieser Antrag in den parteiinternen Seminaren ausgiebig, ausreichend und fachlich korrekt erklärt wurde, ist leider nicht überliefert. In unserer ach so wissenden Wissensgesellschaft gibt sich niemand gerne die Blöße und sagt offen heraus: „Ich habe es nicht kapiert.“
Einfacher ist ein kurzes Kopfnicken und die zustimmende Handhebung.
Jedenfalls zeigten sich die Fraktionsführer der GroKo im Hauptausschuss am 13.12.2017 nicht bereit (oder in der Lage ?) offene Fragen der Opposition zu erklären.
Fest steht jedoch, erst in Zukunft will die GroKo Erkenntnis darüber bekommen, über welche Kennzahlen gesprochen werden wird. Diese werden also erst noch zu erarbeiten sein. Wie dann damit umzugehen sein wird und wie sie zu interpretieren sind, das alles ist Zukunftsmusik nach den Ausführungen der Antragsteller Heinrichs/Schlegelmilch.

Auch die Frage, in welchem Umfang, wenn überhaupt, die städtischen Mitarbeiter in dieses betriebswirtschaftliche Instrument der „Balanced Scorecard“ (BSC) eingeführt und geschult werden, wurde mit keinem Wort beantwortet. Dies ist jedoch eine der wichtigsten Voraussetzungen der BSC.
Dem interessierten Bürger drängt sich der Verdacht auf, es geht um ein Vehikel, mit dem man selbstbestimmte, nicht nachprüfbare Kennzahlen als statistische Argumentationen erarbeiten möchte um Vergleiche anderer, externer Statistiken mit diesen eigenen Daten beantworten zu können.
Interessant wird deshalb sein, wie unser neugewählter Kämmerer diese herausragende Aufgabe angehen wird und welche Berichte der Öffentlichkeit darüber zugänglich sein werden.

Oberbürgermeister H.W. Reiners sagte lediglich die Information der Politik zu. Hatte er die Öffentlichkeit nur versehentlich übersehen?

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar hinterlassen zu "Rat beschließt Organisationseinheit strategisches Wachstumscontrolling"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*