Entsorgungsnöte – Ab morgen geht´s los…

Sperrmülltage werden kaum noch in meiner Stadt angeboten. Eher gibt es bestellte Einzelaktionen, bei denen ich an den Straßenrand stellen kann, was ich loswerden möchte. Kann das weg oder brauche ich das noch? Ich hätte mich längst von dem ehemals guten Stück trennen sollen, dennoch landete es in irgendeiner Ecke, in der ich es für den Fall des Falles – „ich kann nie wissen“ – aufgehoben habe.

Was ist mit etwas zu Entsorgendem, das ich loswerden will ohne Rücksicht darauf, wo es bleibt? Was ist, wenn die Not des Loswerdens so groß ist, dass ich suchenden Blickes jede Gelegenheit und Örtlichkeit nutzen möchte, sich aber keine bietet? Einfach torpedieren kann ich mein Vorhaben nicht. Die Realität lässt sich nicht verdrängen.

Meine Stadt kennt das Problem und macht sich Gedanken. Die Notdurft des Loswerdens schreit bzw. duftet gelegentlich zum Himmel. Stehenden Fußes wird das Problem in der Regel gelöst. Manchmal dort, wo Entsorgung nicht vorgesehen ist. Manchmal so, dass andere unfreiwillig Augenzeuge des Loslassens werden. Angenehm ist das nicht, der Sache dienlich auch nicht.

Auch das ist der Stadt bewusst. Viele Herausforderungen hat sie gemeistert. Sie kann wenig versprechen, soll aber viel liefern.

Sie denkt an zweckgebundene Lösungen. „Praktisch und formschön, ästhetisch und funktionell“ – ein Hersteller von Keramik-Artikeln bietet Hilfen in der Not an. Dabei denkt er allerdings mehr an die Ausstattung von Badezimmern. Formschöne Modelle mit reduziertem Wasserverbrauch stellt er vor. Spitzenmodelle kommen ohne Wasser aus. Sie gelten als umweltschonend und sind absolut hygienisch.

Für die Stadt und in der Stadt kommen diese Angebote trotz ihres Designs aus hochwertiger Keramik nicht in Betracht. Ungleiches muss ungleich behandelt werden.

Welche Gestaltungsmöglichkeiten und Varianten gibt es sonst?

Die Stadt hat zusätzlich Platzsorgen. Was sich für das Bad eignet, muss nicht vor dem Kirchenportal oder Rathaus angemessen Platz finden. Pflegeleicht und robust muss eine Lösung außerdem sein, aber wenn möglich, so unscheinbar, dass der Benutzer nicht jeder öffentlichen, wenn auch unfreiwilligen Anteilnahme ausgesetzt ist. Dass obendrein über geschlechtsspezifische Einrichtungen nachzudenken ist, verringert das Problem nicht.

Zukunftsweisende Lösungen müssen gefunden werden, die sich auf das Wesentliche konzentrieren und ein positives Gesamtbild garantieren. Es geht nicht nur um ein Entleeren, Erleichtern, Entwässern oder Abladen. Es geht um Abläufe. Es geht um den Ruf der Stadt, in der etwas verschwinden soll, ohne dass jemand es bemerkt. An den Straßenrand kann man sich nicht stellen.

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