Ökonomie im Gesundheits- und Pflegesystem – Patienten stehen nicht mehr im Mittelpunkt

Ein Statement von Werner Schell
Werner SchellDie BRD hat sich bereits in ihren Anfängen zur Marktwirtschaft bekannt. Im Gefolge dieser marktwirtschaftlichen Ausrichtung ist auch das Gesundheits- und Pflegesystem ökonomisch ausgerichtet worden. Diese ökonomische Ausrichtung ist wohl grundsätzlich richtig, darf aber nicht zum Selbstzweck werden. Vielfältige soziale Aspekte müssen Berücksichtigung finden (-> Art. 1, 2 und 20 Grundgesetz).

Leider sind aber die einschlägigen Lobbyisten seit vielen Jahren dabei, allein der ökonomischen Ausrichtung des Gesundheits- und Pflegesystems stets mehr Raum zu geben.

 

Die Interessen der Patienten und pflegebedürftigen Menschen kommen dabei immer weniger zur Geltung.
Es gelingt z.B. seit Jahren nicht einmal, die „Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Personen“ in subjektiv-öffentliche Rechte umzuwandeln und damit einen verbindlichen Rahmen zu geben.

So hat sich auch in den Krankenhäusern das Prinzip breit gemacht, dass Umsätze mittels Fallpauschalen (DRG) höchste Priorität haben (siehe z.B. die große Zahl unnötiger Operationen).
Folglich bleiben auch die Interessen der Pflegekräfte auf der Strecke nach dem Motto: „Ärzte bringen Geld, Pflegekräfte kosten Geld.“
Das ist eine Entwicklung, hier nur in Kürze skizziert, der in einer Gesundheits- und Pflegereform entschieden entgegen getreten werden muss.

Und dazu der Klartext für den Pflegebereich:
Pflegenotstand der BRD in Zahlen … Auf 100 zu pflegende Personen ….
… über 80 Jahre kommen nach OECD-Berechnungen in der Langzeitpflege
in Schweden 33,2 Vollzeitstellen,
in Norwegen 22,
in den Niederlanden 19,
in der Schweiz 16,5 und
in Deutschland lediglich 11,2.
Quelle: Zeitschrift „change“, Das Magazin der Bertelsmann Stiftung, 3/2013 (Seite 46). Titel der Ausgabe „Pflege – Ganz nah bei den Menschen – Große Herausforderungen und neue Wege in der Pflege“.

Damit ist eindrucksvoll bestätigt, warum wir in Deutschland von einem Pflegenotstand sprechen müssen.
Wir haben einen Mangel dergestalt, dass für die stationären Pflegeeinrichtungen keine auskömmlichen Stellenschlüssel vorgesehen sind.
Folglich fehlt für die gehörige Zuwendung Personal vorne und hinten.
Würde man die dadurch eintretende Arbeitsverdichtungen u.a. durch bessere Stellenschlüssel auflösen und ergänzend angemessene Vergütungen vereinbaren, könnten wir uns auch mit Blick auf die Zukunft Diskussionen um einen Fachkräftemangel in der Pflege sparen (zumindest vorerst).

Das Thema Pflegenotstand wird am 13.05.2014 Gegenstand eines großen Pflegetreffs in Neuss-Erfttal sein. Siehe dazu die ersten Hinweise unter:
http://www.wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?t=19125

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