Weihnachtsträume

„Wählen Sie Ihre Weihnachtsträume.“ Das Angebot kommt überraschend. Beilage in der Tageszeitung.
Ankreuzen, Absender nicht vergessen, Porto zahlt Empfänger, Briefkasten. Träume, die nicht nicht zerplatzen sollen wie Seifenblasen.
Dass erfüllte Träume mein Bankkonto belasten, steht im Kleingedruckten. Weihnachten – frohlockende Zeit.

Nur ein paar Kreuze und schon ist Weihnachten. Warum ist das Leben nicht auch sonst so einfach? Oft schmiede ich Pläne, überlasse nichts dem Zufall. Ich sei mit verantwortlich, wenn es um mein Leben geht, wird gesagt.

Dann schlägt das Leben zurück, beweist mir das Gegenteil. Nicht ich lege fest, wohin die Reise geht, sondern andere. Irdische Mächte, überirdische Mächte und Gewalten erheben Einspruch. Erschütterungen des Lebens machen meine Pläne zunichte.

Wählen Sie Ihre Weihnachtsträume. Nur ein paar Kreuze. Süße Verlockungen, die sich ins Gegenteil verkehren können? Nein, sagt das Angebot. Keine Werbekampagne. Liefergarantie. Erfolg versprechend. Umtauschrecht. Bei Nichtgefallen Geld zurück. Ich kann mich davonträumen.

Warum nur an Weihnachten? Doch nur Träume? Wenn Träume trotz Ankreuzen Träume bleiben, wenn Wohlstands-Verheißungen Verheißungen bleiben, habe ich dann ausgeträumt? Oder bleibt mir dann Zeit für Träume, die mit dem Leben, mit dem Lebens-Notwendigem zu tun haben?
Meine Weihnachtsträume für das kommende Jahr habe ich vorgemerkt. Ich werde über ihre Notwendigkeit nachdenken. Und darüber, was Weihnachtsträume und andere Verheißungen mit Weihnachten zu tun haben.

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