Schlossbad Niederrhein

Ich habe Dir lange nicht mehr geschrieben, Heiliger Vater.
Als Du in den Dolomiten warst, hättest Du auch keine Zeit gehabt, Briefe zu lesen, die alle Welt Dir schreibt. Du hättest dich nur geärgert.
Die zweieinhalb Wochen Urlaub, die Du Dir geleistet hast, seien zu teuer gewesen, sündhaft teuer sogar. Ein Mitbruder von Dir – seinen Namen habe ich noch nie gehört, er soll sich angeblich für arme Leute einsetzen – hat sich fürchterlich aufgeregt.
Dich, seinen Chef, hat er mit unserem Allerhöchsten Herrn verglichen, dessen Stellvertreter Du auf Erden bist. Der habe damals keinen Stein gehabt, auf dem er schlafen konnte.
Wir sind uns hoffentlich darin einig, dass dieser Vergleich an den Haaren herbeigezogen ist. Dass Du eine Million Euro ausgeben musstest – Du wirst wissen, wie viel Geld das ist – wird nicht daran liegen, dass Du in einem Himmelbett geschlafen hast. Deine Bescheidenheit und Demut kenne ich. Aber das Sicherheitsgeschwader, das Dich überall hin begleitet, wird die Kosten wieder unverantwortlich in die Höhe getrieben haben. Ich weiß nicht, wie viele Scharfschützen im Garten postiert waren, wenn Du nachts bei offenem Fenster schlafen wolltest. Wenn ich daran denke, dass Du gerne draußen im Liegestuhl ein Buch liest, wird das die Passauf-Armada in höchste Alarmbereitschaft versetzt haben.
Dein Urlaub widerspreche dem Armutsgebot Jesu, hat Dein Kollege geschimpft. Dein Gesicht soll das von Jesus auf Erden sein, hat er gefordert. Aber Du bist doch der Benedikt, der Ratzinger, wenn ich das so sagen darf. Du solltest den kritischen Mitbruder demnächst mitnehmen, wenn Du wieder in Urlaub fährst. Er selbst könne sich keinen Urlaub leisten, soll er gesagt haben. Daher gönne ihm ein paar schöne Tage mit Dir.
Da wir uns aus alter Bonner Studienzeit kennen, empfehle ich Dir das neue Schlossbad Niederrhein.
In Mönchengladbach.
Es ist nur ein Katzensprung von Deiner ehemaligen, vertrauten Universitätsstadt entfernt.
Hier am Niederrhein wird es auch Deinem widerspenstigen Mitbruder gefallen. Kostenfreie Parkplätze stehen Euch direkt vor dem Haupteingang zur Verfügung. Ihr müsst also nicht schon Geld ausgeben, ehe Ihr drinnen seid. Schwimmen, plantschen und jede Menge Spaß könnt Ihr haben. Kraulen und Brustschwimmen, Entspannung suchen in den Sprudelliegen – Ihr werdet es nicht bereuen.
Als Hauptattraktion empfehle ich Euch den achtzig Meter langen Wildwasserkanal. In dem kannst Du mit deinem aufmüpfigen Mitbruder einen wilden Wasser-Ritt wagen.

Die herrliche Liegewiese mit dem idealen Beachvolleyballfeld lädt Euch anschließend zum Ausruhen ein.
Ein Plauderstündchen zu zweit wird den Ärger über die Urlaubsmillion bestimmt aus der Welt schaffen helfen.
Besorgt Euch dazu ein paar Leckereien im Gastronomiebereich. Auch die werdet Ihr bezahlen können. Sündhaft teuer ist das alles nicht.
Schade, dass Ihr als Priester keine Kinder habt. Die haben nämlich unter sechs Jahren freien Eintritt.
Du musst Deinem Mitbruder nicht beweisen, dass Du keine Million ausgeben willst, um Dich zu erholen. Aber Du kannst ihm zeigen, wie Du in Demut und Bescheidenheit Urlaub zu machen verstehst und dennoch auf Deine Kosten kommst.

Kommt zum Schlossbad Niederrhein, Heiliger Vater. Das Sicherheitsgeschwader könnt Ihr zu Hause lassen. Diese Oase wird Balsam sein für Eure Seelen.

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