1 Kommentar zu "Dreikönigstag"

  1. Peter Josef Dickers | 7. Januar 2017 um 19:07 | Antworten

    Eines der Dromedare, mit denen die Weisen unterwegs waren, plauderte ein wenig:

    Das Gastgeschenk, das mein Herr für den neugeborenen König mitnimmt, ist nicht sperrig. Er macht gute Geschäfte mit dem Harz, das von den Beeren eines Strauchs gewonnen wird. Es soll desinfizierend wirken und Schleim lösen. Das Zahnfleisch soll es stärken und Parodontose verhindern. Weinfässer sollen damit ausgeräuchert werden, um den Wein haltbar zu machen.

    Ich brauche so etwas nicht. Mein Herr weiß jedoch, wie begehrt es bei Frauen ist. Sie sollen die Myrrhe, so nennen sie das Harz, gegen unreine Haut benutzen. Sie beräuchern sich damit, wenn sie erkältet sind. Was der erst wenige Tage alte König mit dem Harz anfangen soll, weiß ich nicht. Wenn ich auch nichts sagen darf – merkwürdig finde ich es schon, das einem jungen König zu geben.

    Als ich mich am Abend vor unserer Abreise im Sand schlafen legte, habe ich etwas Wüstensand zusammenscharrt und ihn in einer Kokosschale versteckt. Den schenke ich dem Kind. „Aus einer Gegend mit diesem Sand komme ich“, werde ich ihm sagen. „In dem Sand lebe ich. Mehr brauche ich nicht zum Leben.“ Das Kind soll wissen, wie wenig man benötigt, um glücklich zu sein.

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