Fragwürdige Kirchengebote

pendeluhr

Ich stehe nicht mehr in Diensten der Kirche, aber ihren Boden habe ich nicht unter den Füßen verloren. Ich bin zu neuen Ufern aufgebrochen, habe aber nicht meine Heimat aufgegeben. Zusammen mit meiner Frau beteilige ich mich am kirchlichen Leben, ergreife aber nicht ungefragt Initiativen.

Der Priestermangel und das daraus resultierende Zusammenlegen bisher eigenständiger Pfarren zu  Pfarrverbänden könnte die Fragen nach dem laisierten Priester aufkommen lassen. Die Priester-Landschaft ist zum Ort des Verschwindens geworden. Wenige Priester betreuen viele Pfarreien. Eucharistie-Tourismus blüht. Priester werden zu Handlungsreisenden.

Gottesdienst-Besucher, die das auf sich nehmen und sich nicht mit Wortgottesdiensten begnügen, sind als Schnäppchen-Jäger unterwegs – vor allem jene, welche die überlieferten „Kirchengebote“ wörtlich nehmen und ihre „Sonntagspflicht“ mit dem Besuch einer Messfeier erfüllen wollen.

Katholische Christen bleiben laut Kirchengeboten verpflichtet, an der sonntäglichen Eucharistiefeier teilzunehmen. Laut Katholischem Katechismus sind Kirchengebote „Minimalanforderungen“ für ein christliches Leben nach katholischem Verständnis und für Katholiken verpflichtend.

Momentan spricht kaum jemand davon. In begründeten Ausnahmefällen – wenn z. B. aus einer Teilnahme am Gottesdienst schwere persönliche Nachteile oder unzumutbare Belastungen entstehen oder wenn bestimmte Verpflichtungen zur Nächstenliebe dringend geboten sind – konnten Pfarrer von der Verpflichtung entbinden.

Ein Pfarrer, der während des Zweiten Weltkriegs in meinem Heimatort angestellt war, sah sich veranlasst, die Landwirte an ihre Sonntagspflicht zu erinnern. Dispens für „unaufschiebbare Erntearbeiten“ wurde erst erteilt im Anschluss an den Gottesdienst.

Ob das Nichtbeachten von Kirchengeboten immer noch als sündhaftes Vergehen eingestuft wird und gebeichtet werden muss? Vermutlich werden die Kirchengebote schamhaft totgeschwiegen, und man wäre insgeheim froh, es hätte sie nie gegeben.

Interpretationskünstler verstehen sie als „Orientierung, wie der Einzelne und die Gemeinden christlich leben können. Sie seien nicht überholt, nicht beliebig und nicht allein entscheidend, um zum ewigen Heil zu gelangen.“

Lange Zeit hochgehaltene Prinzipien und nicht zu hinterfragende Gebote werden, bedingt durch personelle Notstände, umgedeutet, in den Hintergrund gedrängt oder stillschweigend storniert.

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