Die Trägheit der Institutionen

pendeluhr

Es überrascht nicht, dass das Thema „Priesterweihe der Frau“ nach wie vor tabu ist. Papst Benedikt beklagte den „Aufruf zum Ungehorsam“ einer Gruppe von Priestern „in einem europäischen Land“, gemeint war Österreich, die sich hinwegsetzten über „endgültige Entscheidungen des kirchlichen Lehramts“, u. a. in der Frage der Frauen-Priesterweihe. Der Papst vermied eine Verurteilung. Kein Scheiterhaufen. Keine Verdammung.

Ihr Christsein wurde nicht in Zweifel gezogen. Der Papst würdigte ihre Sorge um die Kirche und verstand ihre Absicht, die Trägheit der Institutionen im kirchlichen Bereich notfalls mit drastischen Mitteln bekämpfen zu wollen. Er arrangierte sich nicht mit ihnen, fragte aber – behutsam, wie es seine Art war – ob Ungehorsam ein Weg zur Erneuerung der Kirche sein könne. Seine Antwort war eindeutig, aber sie ließ Nachdenken zu.

Vor einigen Jahren suchten Dominikaner in den Niederlanden einen anderen Weg aus der Misere des Priestermangels. Sie schlugen vor, den Gemeinden zu gestatten, durch Handauflegung Gemeindeleiter aus ihrer Mitte zu bestimmen.

Fähige Frauen und Männer sollten für die Feier von Brot und Wein gewählt werden. Jeder könne Brot und Wein verwandeln, nicht nur ein Priester, erklärten die Dominikaner. Der Mangel an zölibatären Priestern schaffe eine Notsituation, die zu kreativem Handeln zwinge.

Die Dominikaner beriefen sich auf das Zweite Vatikanische Konzil, das die Bedürfnisse der Menschen höher wertete als die Hierarchie der Diözesanbischöfe.

Die Niederländische Bischofskonferenz legte ihr Veto ein gegen den versuchten Geniestreich, gegen den Innovationsschub dominikanischer Theologen. Deren Vorstoß blieb Wunschtraum.

Dreißig Jahre vorher hatte Adolf Boll mit seinem Buch „Jesus in schlechter Gesellschaft“ Konflikte mit der Katholischen Kirche provoziert, weil er bestritt, dass der historische Jesus eine Priesterkirche gründen wollte. Er verlor seine Lehrberechtigung. Der Wiener Erzbischof suspendierte ihn vom Priesteramt.

Das in der Schweiz geltende Staatskirchenrecht erlaubt wegen der Priesterknappheit Laientheologen, Männern und Frauen, Pfarreien leiten zu können.

Muss es noch bedeutend weniger Priesteramt-Kandidaten geben, muss völlige priesterliche Grabesruhe eintreten, ehe man einsieht, was die Stunde geschlagen hat?

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