BDH fordert mehr Geld für die Pflege – wann wacht Minister Gröhe auf?

Die Zahl der Pflegebedürftigen stieg in Deutschland bis Ende 2015 auf 2,86 Millionen Menschen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wuchs die Zahl seit 2013 damit um 8,9 Prozent. Diese Entwicklung fordere politische Rahmenbedingungen, die die Tragfähigkeit der Pflege in Deutschland nachhaltig stärken, forderte die Vorsitzende des BDH Bundesverband Rehabilitation, Ilse Müller:

„Die dynamische Entwicklung der Zahl Pflegebedürftiger zeigt, dass der demografische Wandel aus dem Nebel abstrakter Debatten in die Realität der Tagespolitik überführt werden muss. Es braucht einen offenen Diskurs und ein klares Bekenntnis dazu, was uns gute Pflege wert ist und wie es möglich ist, die Pflege finanziell besser auszustatten. Vor allem die Pflege daheim muss finanziell besser unterstützt werden. Immerhin werden 1,4 Millionen Menschen von Angehörigen gepflegt. Dieses Leistung muss auch rentenpolitisch besser gewürdigt werden.“

Die Demografie nehme die Pflege von zwei Seiten in die Zange: Auf der einen Seite wachse die Zahl der Pflegebedürftigen dynamisch, auf der anderen Seite fehlten Pflegekräfte, so Müller. Hier müsse die Politik den Worten endlich Taten folgen lassen und bessere Arbeitsbedingungen für die Pflege umsetzen, um Nachwuchskräfte von einer beruflichen Zukunft in der Pflegewirtschaft zu überzeugen: „Höhere Vergütung und verbesserte Personalschlüssel im stationären Bereich zählen neben differenzierten Ausbildungsgängen für den Nachwuchs zu den Handlungsfelder, jungen Menschen den Pflegeberuf als Alternative schmackhaft zu machen und einen Fachkräftemangel zu bewältigen, der spielend sechsstellige Höhen  erreichen dürfte.“ Finanziert werden soll der politische Kurswechsel durch moderat steigende Pflegebeiträge und eine Kehrtwende auf dem Arbeitsmarkt. Um eine forcierte Umwandlung der boomenden atypischen Arbeitsverhältnisse in sozialversicherungspflichtige Jobs werde man nicht herumkommen, wenn die Finanzierungsbasis der Pflegeversicherung  verbreitert werden solle. Hier müsse die Politik der Wirtschaft klare Rahmenbedingungen setzen, den Trend zu Werkverträgen und Scheinselbständigkeit wieder einzudämmen, so Müller.

Der BDH ist die größte deutsche Fachorganisation auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Weiterhin bietet der BDH rechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an. Die stationäre neurologische Rehabilitation nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten. Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken. Dazu kommen das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das Neurologische Therapie- und Beratungszentrum Ortenau in Offenburg.

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