Gegen den Status quo

pendeluhr

Ich muss nicht den Zwiespalt ertragen zwischen persönlichen Vorstellungen hinsichtlich der Gestaltung von Liturgie und Seelsorge sowie organisatorischen, administrativen Zwängen, mit denen Priester und Gemeinden konfrontiert werden.

Nach wie vor stößt man auf verschiedene Strömungen zwischen Wandel und Bewahrung: Für die Nostalgie-Vertreter muss alles bleiben, wie es ist. Sie klammern sich an ein „Es war immer so“, auch wenn Traditionen zerbröselt sind.

Für andere, die den Zeitgeist testen, geht es nicht schnell genug mit tief greifenden Veränderungen; zumindest drängen sie auf eine Versöhnung von Tradition und Moderne. Wieder andere lavieren zwischen dem, was verordnet wird, und dem, was sie für änderungsbedürftig halten.

Ich muss nicht zu jenen gehören, die schweigen, weil ihr Reden jemandem nicht genehm ist, und sie deswegen resignieren.

Ich muss nicht wie Don Quijote, „Ritter von der traurigen Gestalt“, aussichtslos gegen Windmühlen ankämpfen.

Ich muss mich nicht Weisungsbefugnissen unterordnen; nicht Amtsträgern zustimmen, die nicht unterscheiden zwischen Tradition und Traditionen oder bestimmte Traditionen – wie den priesterlichen Zölibat – als unantastbare Wahrheiten festlegen.

Verdrängt ein fatalistischer Geist den Geist des Mutes und der Offenheit? Drängen Autoritäten nach vorn, die keine sind, es aber sein wollen?

Mich beeindrucken begeisterungsfähige, junge Pilger, die zu Weltjugendtagen aufbrechen. Ich bewundere ihre Innovationskunst,ihre Entdeckungsfreude. Sie zeigen, dass Gottes Geist nicht ausgelöscht ist, wie es der Jesuit Karl Rahner einmal prophezeit hat.

„Wir sind über fünfhundert Jahre alt und erfinden ständig Neues.“ Warum schreibt nicht auch die Kirche diesen Werbeslogan eines Unternehmens auf ihre Fahnen?  „Unser Verein ist ein Aushängeschild, eine Vision.“ Der ehemalige Präsident eines Fußball-Clubs begründete so die Erfolgsbilanz seines Vereins. Er wusste jedoch, dass nicht Steinzeitromantiker für diesen Erfolg verantwortlich sind.

Die Katholische Kirche befindet sich wie auch andere gesellschaftliche Gruppierungen in einer strukturellen und personellen Krise. Sie erlebt Umbrüche. Das ist ihr bewusst, aber sie tut sich schwer damit, Konsequenzen zu ziehen.

Die Kirche kann nicht ihren „status quo“ verteidigen d. h.  vornehmlich um die Wahrung ihres Ist-Zustands besorgt sein. Sie wird Dauerbaustelle bleiben. Ihre Bauarbeiter müssen damit rechnen, dass ihre Baupläne Entwürfen gleichen, die am nächsten Tag Makulatur sind. Wahrheiten, die als unumstößlich galten, sind davon nicht verschont.

Der Papst wird daraus Konsequenzen ziehen.

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