Service gefragt

pendeluhr

„Fast-Food-Ketten auf der Suche nach neuen Ideen“ las ich in einer Pressenotiz. Alte Geschäftsmodelle müssten geändert werden, um am Fast-Food-Markt auf Dauer bestehen zu können – so die Begründung. Kirchliche Zukunftsplaner werden das lesen und zur Tagesordnung übergehen.

Andere Geschäftsmodelle sind es nicht, die den Fortbestand von Kirchen garantieren. Aber besagte Schnell-Restaurants konkretisieren ihre Überlegungen mit der Planung, die Filialen u. a. mit Kaffee-Bars auszurüsten, die zum Verweilen einladen. Muss das nicht hellhörig machen?

Wie wäre es, wenn man kirchliche Räume nicht nur zum Gottesdienst „aufsuchen“, sondern in ihnen „verweilen“ könnte? Mehrzweckhallen mit religiösem Design eignen sich dazu nicht.

„Der Service macht den Unterschied“, betont ein modernes Industrie-Unternehmen und fügt hinzu: „Service-Leistungen sichern Wettbewerbsvorteile und steigern den Umsatz.“ Können solche Erkenntnisse nicht auch Ansporn zum Handeln werden für das „Unternehmen Kirche“?

Religion kommt Sozialkompetenz zu. Sie schafft und fördert Gemeinschaft. An einer deutschen Universität wurde ein Raum für „konfessionslose Sakralität“ eingerichtet. An manchen Flughäfen gibt es Gebets- oder Andachtsräume, in die sich Reisende vor bzw. nach Flügen zurückziehen können. „Unsere Flughafen-Kapelle ist ein moderner christlicher Andachtsraum. Hier finden Sie eine Oase der Ruhe in der Hektik des Flughafens. Ihre Anliegen können Sie in das Gäste- und Gebetsbuch eintragen. Für Ihre Andacht liegen eine Bibel und Gebetstexte aus.“ Wäre unsere Gesellschaft religiös völlig indifferent, wäre dieses Airport-Angebot  überflüssig.

Verschlossene Kirchenräume können andererseits einer unzeitgemäßen Kirchenromantik entgegen wirken. Die Kirchen müssen sich von Besitzständen trennen. Sie müssen sich lösen von Aufgaben, für die sie sich einmal zuständig hielten.

Auch Familien kennen das. Wenn Kinder aus dem Haus gehen, stehen die Kinderzimmer leer und bieten Platz, sie anders zu nutzen..

Auch aus dem Haus „Kirche“ sind Kinder ausgezogen. Ich kann das nachvollziehen, da auch ich „umgezogen“ bin.  Wenn ich jedoch auf Kreuzfahrtschiffen Reisende mit meinen Texten konfrontiere, hören sie bald heraus, wer ich bin und woher ich komme. Sie spüren, dass ich immer noch da zu Hause bin, wo ich als Seelsorger gewesen bin. Es öffnen sich Augen und Ohren für Gespräche und Begegnungen, die über das allein Horizontale im Leben hinausgehen.

Müssen wir nicht überdenken, was den Menschen dient, ehe Kirchen abgerissen oder zu Wellness-Oasen umfunktioniert werden? Besteht nicht Anlass, die Kirchen um mehr und andere Formen von Service zu ersuchen?

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