Oberhirtliche Vertröster

pendeluhr

Priester gesucht. Die Katholische Kirche hat ein Problem. Zu dem Problem habe ich beigetragen mit meiner Laisierung. Gestandenen, verheirateten Männern, „viri probati“, soll der Weg zum Priestertum geebnet werden. Die Idee ist nicht neu. Sie wurde neu belebt durch Politiker, die ihrer Kirche ins Gewissen redeten.

Machbares in die Wege zu leiten, forderten die Politiker in ihrem Brief an die deutschen katholischen Bischöfe. Man solle erneut über die Weihe verheirateter Männer zu Priestern nachdenken und den Vatikan zu einer Lockerung der Zölibatspflicht bewegen.

Für den Pflicht-Zölibat gebe es weder zwingend theologische Notwendigkeiten, noch biblische oder praktische Argumente. Bisher beschäftige sich der Vatikan mit dem Problem in einer Weise, die diesem nicht gerecht werde.

Die Orthodoxe Kirche des Ostens hat nie den Pflicht-Zölibat eingeführt. Verheiratete Priester der Anglikanischen Kirche, die zur Römisch-Katholischen Kirche übertreten, bleiben verheiratet und dürfen ihr Priesteramt in der römisch-katholischen Kirche ausüben.

Ein verheirateter Familienvater wurde zum Priester geweiht. Der Neupriester war, bevor er zum katholischen Glauben konvertierte, ordinierter evangelischer Geistlicher und Hochschullehrer für Evangelische Theologie. Papst Benedikt erteilte für seine Weihe zum Priester eine Ausnahmegenehmigung und stellte ihn von der Zölibatspflicht frei – „für die Dauer der bestehenden Ehe“.

In der Kirche der Zukunft werde es neue Formen des Amtes geben, wird Papst Benedikt zitiert, als er noch Professor war. Er argumentierte, in einer Kirche der Zukunft könne er sich bewährte Christen, die im Beruf stehen, als Priester vorstellen.

Warum dann nur den „viri“, den Männern diese Möglichkeit bieten? Hat die Kirche kein weibliches Gesicht?

Papst Franziskus, der Nachfolger Benedikts, stellte in einem Interview fest, die Kirche könne nicht sie selbst sein ohne die Frauen und ihre Rolle. Frauen seien für die Kirche unabdingbar. Weiblicher Genius sei nötig an Stellen, wo wichtige Entscheidungen zu treffen seien.

Franziskus will Fesseln lösen. Ob seine Worte auf fruchtbaren Boden fallen oder am Wegrand verdorren, weil sie gegen Konventionen verstoßen?

Wie reagierte die Deutsche Bischofskonferenz auf den Politiker-Aufruf? Sie mahnte zur Geduld. Sie entdeckte ihr Bremspotential und sah weder Handlungs- noch Diskussionsbedarf. In den kommenden Jahren werde es Gelegenheit zum Nachdenken geben, wiegelten die Bischöfe ab.

Die Bischöfe kennen sich aus mit Ausweich-Strategien und scheinen die Kunst des Nichts-Sagen-Müssens zu beherrschen. Ob sie davon ausgingen, dass sich der Trend ins Gegenteil verkehrt und eine neue Priester-Flut bevorsteht? Mit einer solchen Prophezeiung würden sie in einer nicht von allen wahrnehmbaren Welt leben.

Die Bischöfe sprechen sich für Harmonie aus. Sie halten die reine Lehre hoch und setzen auf ein sich selbst genügendes System Kirche. Sie müssen nicht reagieren auf Bedürfnislisten von draußen und nicht auf unangenehme Forderungen eingehen.

Sie wollen nicht die Uhr zurückdrehen, halten es aber für opportun, den Fuß vom Gas zu nehmen. Behüter und Verhüter, Tröster und Vertröster, die auf die   Allgemeingültigkeit bisher gültiger Zustände setzen. „Alles wird gut für den, der warten kann“, wusste der russische Schriftsteller Tolstoi. Viele Bischöfe und ein Schweigekartell sakrosankter Autoritäten würden ihm wahrscheinlich zustimmen.

 

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