Versöhnliche Zeichen

pendeluhr

Der Bischof, in dessen Diözese ich seit der Laisierung wohne, schickte mir und meiner Frau Grüße zum Weihnachtsfest. Wir existierten für ihn, wenn es auch zum persönlichen Dialog zwischen uns nicht kam. Er nahm zur Kenntnis, dass es Priesterfamilien gibt, und missverstand sie nicht als Komplott Unzufriedener. Insofern rüttelte er, wenn auch verhalten, an einem Tabu.

Ein Damenprogramm für Frauen verheirateter Priester wird es aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit nicht geben. Der Bischof befindet sich inzwischen im Ruhestand. Welche Pläne sein Nachfolger hat, ist nicht voraussehbar.

Der Vorgänger des genannten Bischofs lud aus dem Amt geschiedene Priester zum Gespräch untereinander und mit ihm ein. Der Bischof einer anderen Diözese organisierte einen „Ehemaligen-Treff“ für Priester, die ihr Amt aufgegeben hatten. Unverschlüsselte Signale, versöhnliche Zeichen, die zugefügte oder empfundene Verletzungen, Verdächtigungen, Polarisierungen und Konfrontationen, überwinden helfen. Die gemeinsame Landkarte ist nicht zerrissen.

Vorurteile, Unversöhnlichkeit, gepflegte Ratlosigkeit helfen nicht weiter. „Jedes Ding muss Zeit zum Reifen haben“, heißt es bei William Shakespeare. Zeit ist auch hier vonnöten. Wahrscheinlich keine Nachricht, die Schlagzeilen macht. Vielleicht kaum wahrnehmbare Schritte zu einem zukunftsfähigen Bild vom Umgang der Kirche mit ihren Priestern. Aber auch kleine Schritte führen zu gegenseitigem Verstehen.

Oder ist der zaghafte weiße Rauch realitätsferne Vision? Ein persönliches Maß an Demut und Bescheidenheit, Nachsicht und Gelassenheit, Einsicht in eigene Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten können Brücken bauen. Ob in nicht zu ferner Zukunft Wunsch und Wirklichkeit übereinstimmen werden?

Zu einem besonderen Anlass schrieb ein Freund mir ein paar Zeilen und verglich das priesterliche Leben mit dem Leben eines Baumes. „Ein Baum weiß, dass die Narben und Risse an seinem Stamm ihre Geschichte haben, die ihn geduldiger, verständiger, reifer und älter werden ließen.“

Das Bild nehme ich für meine Lebensgeschichte in Anspruch. „Ein Zweig, der sich biegt, bricht nicht“, ergänzt man in Japan.

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