Eine Stadt für Pianisten

Pianisten der Welt zu Gast in unserer Stadt – nicht, weil die Stadt einen besonderen Ruf bei Pianisten hat. Die Stadt ergreift Initiativen für sie, bietet ihnen Bühne und interessierte, dankbare  Zuhörer. Der junge Pianist war zum ersten Mal hier zu Gast. Es gibt größere, noch bedeutendere Städte, in denen er sein jugendliches Können unter Beweis stellen konnte. In Wien und Rio de Janeiro, in Tel Aviv und Paris, in Peking – überall bewunderte man ihn. „Freuen Sie sich auf einen ungewöhnlichen Pianisten“, kündigte ihn Dr. Viefers als Schirmherr für den Initiativkreis Mönchengladbach an.

Joseph Moog – ein Pianist ohne theatralische Gesten. Nicht er sieht sich im Vordergrund, sondern Haydn, Chopin, Reger, Liszt, aus deren Werken er spielt. Das spricht für ihn, lässt sich aber auch nachteilig interpretieren. Mancher Zuhörer wirkte leicht überfordert. Die eine oder andere Anleitung zu den Werken hätte ihnen gutgetan. Haydns Fantasie in C-Dur, Chopins Sonate Nr. 3, Max Regers Träume am Kamin kämen noch besser beim Publikum zur Geltung, wenn auch die Emotionen des Pianisten deutlicher spürbar wären. So blieb es manchmal beim wunderbaren, leichthändig gespielten Vortrag.

Höflich reagierte der junge Künstler auf den Zwischen-Applaus nicht immer fachkundiger Zuhörer, denen entging, dass die vier Sätze von Chopins Sonate ein Ganzes bilden. Moog stand auf, bedankte sich freundlich und spielte weiter.

Die Ungarische Rhapsodie Nr. 12 versöhnte. Das Feuer, das sich vorher noch in den „Träumen am Kamin“ versteckt hatte, loderte hell auf. Der Pianist lebte mit auf. Mit ihm erwachten die „ungarischen Zigeunerklänge“ zu neuem Leben.

Ein großer, junger Künstler spielte in unserer Stadt. Den Ruf, der ihm vorauseilt, verleiht auch unserer Stadt Glanz. Er unterstreicht ihre Bedeutung, indem sie außergewöhnliche Talente fördert. Sie widerlegt die Behauptung, sie sei nicht gut genug für derartige Ereignisse. Dankbar dürfen wir  teilnehmen. Dieser junge Pianist kam uns gerade recht. Weitere mögen folgen.

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