Essen, was fliegt

In Südchina werde gegessen, was fliegt, außer Flugzeugen, wird erzählt. Alles, was im Wasser schwimmt, außer Booten. Alles, was sich an Land bewegt, außer Fahrrädern. In Kanton wurde mir glaubhaft versichert, Hunde- oder Katzenfleisch sei eine zu teure Spezialität, als dass sie zum normalen touristischen Speiseangebot zähle. Ihr Fleisch werde vorzugsweise im Winter verzehrt. Wie Hammelfleisch habe es einen warmen Charakter. Es sei wirksam gegen Bluthochdruck. Es helfe, Auskühlungen des Körpers zu vermeiden. Es sei gut für Nieren und Milz. Es schmecke köstlich wie gekochtes Rindfleisch. Wollte mich der Reiseführer auf den Geschmack bringen?

In Hongkong dürfen Katzen und Hunde angeblich nicht auf die Straße. Sie kennen die Verkehrsregeln nicht, steht im Reiseführer. Die Meldung wirkte beruhigend auf meine westlich geprägten Essgewohnheiten. Auf die Delikatesse Hundefleisch, auf Hunde-Rippchen, Hundefleisch in scharfer Soße verzichtete ich. Dass die chinesischen Kaiser Hundefleisch aßen, ermutigte mich nicht, es ihnen gleich zu tun.

Auch bei gebratenen Tintenfischeiern und geschmorten Haifischflossen übte ich  Zurückhaltung. Das geröstete Hühnerfleisch in Soße, die Hühnerwürfel in Bohnenpaste, der Mandarinfisch mit süßsaurer Soße und die Rindfleischgerichte waren mir eine Versuchung wert. Ich probierte chinesisches Bier und trank grünen Tee. Den süßlich schmeckenden Konkubinen-Tee, der mit Litschisaft versetzt sein soll, mied ich. Eine kaiserliche Konkubine, welche die Früchte des Litschibaums schätzte, soll ihn kreiert haben.

Man muss nicht in ein vom Reiseführer empfohlenes, steriles Restaurant gehen. Straßenrestaurants um die Ecke bieten gute Kost. Außerdem lässt sich dort kostenlos das bunte Leben und Treiben beobachten. An Geschmacksrichtungen von scharf bis süß-scharf und sauer-scharf gewöhnte ich mich nach und nach. Chinesische Köche kochen Köstliches, man muss es ihnen nur zutrauen. Ich habe versucht, mit Stäbchen zu essen, gebe aber zu, dass es noch vieler Chinareisen bedarf, um nicht Messer und Gabel vorzuziehen.

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