Glasscherben

Strahlende Pixel-Landschaft aus farbigen Glasquadraten überflutet mich. Sie blendet mich. Schade um das einhundertdreizehn Quadratmeter große funkelnde Glasfenster. Meine Meinung haben sie ignoriert. Dringend habe ich abgeraten, Glasscherben zu verewigen. Personen hätte man im neuen Fenster zum Leuchten bringen sollen. Heilige. Die hätten den Dom erstrahlen lassen. Ich habe Namen genannt. Meinen Namen nicht.

Ein Dom ist kein Museum. Der Verherrlichung Gottes dient er. Wer ruft dazu auf? Ich. Es werde Licht, soll einer gerufen haben, als die hundert Quadratmeter Glas eingeweiht wurden. Eine Symphonie des Lichtes sei es. Der Dom sei Kathedrale des Lichtes. Blendwerk, antworte ich. Kathedrale war der Dom immer. Immer stand er im Licht. Hundert Quadratmeter Ratlosigkeit haben sie hinzugefügt.

Die vibrierende Farbdichte zwinge keine Deutung auf, soll man gesagt haben. Richtig. Ein Glasscherben-Torso muss man nicht deuten. Vollendete Utopie. Abstrakt, nicht sakral. Wie Brauhaus-Fenster. Entartet. Gottlos. Ich bin nicht hingegangen. Ich wollte keine Glasquadrate segnen.

Aber fragen werde ich. Wer darf Kirchen ausstatten? Glasscherbenspieler? Gottlose?  Ein Atheist soll eine bekannte Wallfahrtskapelle gebaut haben.  Gottesleugner sollten keine Kirchen bauen. Wer kann darin beten?

Hundert Quadratmeter Glasscherben werde ich ignorieren. Ich will beten können. Schließlich bin ich der Kardinal.

 

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