Rat Sucher

Kolumne von P. J. Dickers

„Mein rechter Platz ist frei.“ Die in der Mitte Sitzenden stimmen scheinbar ohne Arglist ihren  Gruppen-Song an. Das kommt nicht bei allen gut an. Rechts von denen? Die wollen  provozieren. In der Mitte liegt das Glück, sagen die Mitten-drin-Sitzenden und könnten sich berufen auf den schwedischen Weg zum guten, richtigen Leben. Der liegt in der Mitte. Und zwar immer, wird behauptet.

In der Mitte? Langeweile. Es kracht nicht. Es blitzt nicht. Kein Theaterdonner. Rechts neben denen? Nein, danke. Ein Irrtum, erwidern die aus der Mitte. Sie seien immer mitten im Geschehen, wenn etwas passiere.

Links. Rechts. Oben. Unten. Mittendrin. Wo ist es richtig? Alle sind auf der Suche nach Orientierung. Wer nie unten war, weiß nicht, wie oben ist; auf dem Weg nach oben solle man unten anfangen, empfehlen sie. Rechts blinken und links abbiegen – geht das? Keine Antwort. Links oder rechts? Von wo aus? Vom Präsidenten aus gesehen wie in der französischen Abgeordnetenkammer von 1814? Was die eine Seite gewinnen will, gibt die andere nicht her. Alle wären froh, etwas zu bekommen, statt alles zu verpassen. Die Furcht vor dem Furchtbaren lähmt sie alle. Die Furcht, das Wesentliche könne woanders stattfinden. Versteckte-Kamera-Aktivitäten. Ein Sackbahnhof, aus dem es kein Vor- und Zurück gibt.

Hilft ein Schwenk in die Farbenlehre? Die grünen, schwarzen und gelben Farben in der Flagge jenes Staates einer ganz anderen Zeitzone beflügeln die Phantasie und wecken unverhofft Zuversicht. Die Kultur jener ehemaligen britischen Kolonie ist es nicht, welche die Phantasie anregt, dortige soziale und wirtschaftliche Probleme erst recht nicht. Doch welche Farben passen zusammen? Wie passt Grün zu Gelb, wie verhält sich Schwarz neben Grün? Kann man Farben mischen? Mit welchem Ergebnis?

Es sind Harmonien und Kontraste in den Farben verborgen, die von selbst zusammenwirken.Vincent van Gogh weckt farbige Zuversicht. „Auch Farben kommen ins Alter; bunter werden sie nicht.“ Jemand gibt das zu bedenken, ohne sich weitere Gedanken zu machen. Oder denkt er an Durchgangsbahnhöfe, in denen Züge nur einen kurzen Aufenthalt einplanen?

Ist auf die Farbenlehre Verlass? Hatte die Mitte-Links-Gruppierung nicht ihr Gutes? Warum mit Farben spielen, wenn geklärt ist, wer oben und unten, wer rechts oder links, wer vorn oder hinten sitzt, und vor allem, wer die Mitte beansprucht?

Die alten Griechen befragten das Orakel in Delphi. Wer kann hierzulande Rat geben?

 

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