Zwei Stolpersteine in Wickrath verlegt

Text: Marlene Katz

Bürgermeister Ulrich Elsen hatte es sich nicht nehmen lassen, an der Verlegung der beiden Stolpersteine durch Gunter Demnig anwesend zu sein. Diese werden zum Gedenken verstorbener jüdischer Mitbürger verlegt und zwar jeweils dort, wo sie gelebt haben. In Mönchengladbach hat Demnig zwischenzeitlich 270 Steine verlegt, insgesamt auf der Welt ca. 63.500. In der ehemaligen Gemeinde Wickrath waren es nun Stein 27 und 28. Elsen ging mit kurzen Worten auf Bernhardine und Dora Simons ein, für die diese Steine verlegt wurden.

In Wickrath an der damaligen Kirchtreppe 2 wohnte bis 1942 ein jüdisches Geschwisterpaar. Wo sich vor dem 2. Weltkrieg das Haus der Geschwister Simons befand, steht heute das Gebäude der Stadtsparkasse Mönchengladbach. Genau vor dem Eingang wurden die Steine verlegt, damit jeder, der die Sparkasse betritt, an diese Personen erinnert wird.

Bernhardine Simons wurde am 20. April 1863 als Tochter von Joseph Simons und Rosetta, geb. Goldstein, geboren. Ihre Schwester Dora Simons am 5. April 1866 ebenfalls in Wickrath.

Ihr Vater, der 1828 in Wickrath geborene Joseph Simons war seit 1858 mit Rosalie (Rosetta) Goldstein (1826-1893) verheiratet. Die Heirat fand in Kleinkempen statt. Zunächst war Simons (Händler) in Wickrath Nr. 47 ansässig, wechselte dann jedoch in den traditionell in seiner Familie ausgeübten Metzgerberuf. Seither wohnte er in dem ihm gehörigen Haus Kirchtreppe 2 nahe der katholischen Kirche.

Die Familie mütterlicherseits, die Goldsteins, lässt sich auf Benjamin Goldstein zurück führen, der 1761 in Hörstgen geboren worden war und sich 1793 in Anrath niedergelassen hatte. Von Beruf war er Handelsmann und Metzger. Dessen Sohn Moses Goldstein (geboren 1795) war von Beruf Gerber und wohnte in Anrath. Verheiratet war er mit Sofia Marchand. Rosetta bzw. Rosalie war das vierte Kind der Eheleute Goldstein.

Das Ehepaar Simons hatte mindestens sechs, zwischen 1858 und 1867, geborene Kinder. Die älteste Tochter Josephine Simons, noch in Anrath geboren, heiratete 1877 in Wickrath Lazarus Stern, der Metzger, Gerber und eine Zeit lang Commis (Kontorist oder kaufmännischer Angestellte) in der Lederfabrik von Zacharias Spier war, bevor er sich als Lederhändler und Schäftefabrikant an der Rheydter Friedrich-Wilhelm-Straße 36 selbständig gemacht hat.

Als Joseph Simons 1910 starb, führte Dora Simons die Metzgerei selbständig weiter. Ihre Schwester Bernhardine war als Verkäuferin tätig. Beide blieben unverheiratet. Bis wann sie die Metzgerei führten, ist nicht gesichert.

Bis in den Krieg hinein scheinen Bernhardine und Dora Simons halbwegs unbehelligt geblieben zu sein. Hinweise auf Übergriffe liegen nicht vor. Dann allerdings wurde die staatliche Repression spürbar. Am 5. März 1942 wurden die jüdischen Geschwister Markus, Clara, Berta und Rosalie in das Simon`sche Haus eingewiesen, das somit als eine Art Judenhaus diente.

Am 25. Juli 1942 schließlich wurden Bernhardine und Dora Simons in das als Altersheim für deutsche Juden getarnte Ghetto Theresienstadt deportiert, wo Bernhardine Simons am 31. Dezember 1942 verstarb. Nach dem Krieg wurde Dora Simons Todesdatum auf den 8. Mai 1945 festgesetzt. Beide hatten vor ihrer Deportation Geldbeträge für die Aufnahme in das angebliche Altersheim zur Verfügung gestellt. Bernhardine Simons 1.500 Reichsmark und Dora Simons 2.000 Reichsmark.

Alle Stolpersteine in der ehemaligen Gemeinde Wickrath

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