Die Präsidenten. Der andere Präsident

Der Mönchengladbacher Autor, Peter Josef Dickers; Foto: Günter Pfützenreuter

Ein anderer Präsident. Weniger mächtig, jedoch mit persönlicher Allmacht ausgestattet. Sieht sich als Erlöser und glaubt das finstere Verlangen anderer Menschen ans Licht bringen zu müssen.

Es ist nicht leicht, alle zu verstehen, niemandem zu trauen, entstellte oder bestellte Wahrheiten zu verkünden, eindimensional zu denken und zugleich eine Welle der Zustimmung auszulösen. Anspruchsdenken und Wahrheitsanspruch müssen nicht hinterfragt werden.

Mit besorgtem Tonfall und groß angelegten Sätzen die Grenzen des Erträglichen testen. Berechnung? Wahnsinn mit Methode? Ein Präsident im Zustand der Unangreifbarkeit, im mentalen Ausnahmezustand. Ein Präsident, davon überzeugt, von nichts überzeugt sein zu müssen. Schein-Wirklichkeit ist auch Wirklichkeit. Schein-Demokratie ist auch Demokratie. Schein-Harmonie ist auch Harmonie.

Aufbegehren? Den Aufstand proben? Im Kittchen sind noch Zimmer frei. Nicht  mehr viele. Der Präsident weiß, was gut ist für sein Volk und für andere Völker. Es ist verboten, was er für verboten erklärt. Dass man aus dem, was man verbietet, auf die Bedürfnisse der Menschen schließen darf, entgeht dem Präsident. Fremde Völker und Personen – viele Feinde seines Volks.

Differenzieren zwischen realen und  behaupteten Nöten ist nicht jedermanns Stärke. Er ist nicht im Unrecht, sondern umgeben von Feinden. Gegner, wohin er schaut. Sind andere nicht in Sorge um ihn, muss er es selbst sein. Fühlt man sich von Verbündeten  ungenügend repräsentiert, repräsentiert man sich selbst.

Daher schlägt das Gehirn Alarm. Es muss schlimmer kommen, ehe es anders kommt. Also wird es schlimmer.

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