„Deutschland hat ihm viel zu verdanken“

Reservisten vom Niederrhein trauern um General a.D. Ulrich Wegener

Die Kreisgruppe Niederrhein im Reservistenverband trauert um General a.D. Ulrich Wegener. Der am 28. Dezember 2017 verstorbene Gründer der legendären Bundesgrenzschutz-Antiterrortruppe GSG 9 war den Reservisten der Region über viele Jahre eng verbunden.

„Wir sind stolz darauf, ihn etliche Male als Gast oder Referent in Mönchengladbach bei uns begrüßt zu haben, zuletzt 2013 bei unserem Jahresempfang im Restaurant Heidehaus“, sagt der Ehrenvorsitzende Oberst d.R. Helmut Michelis. „Wegener war ein gradliniger Offizier, ein echter Gentleman, bescheiden auftretend und mit beeindruckendem Sachverstand.“ Bis zuletzt, ganz am Ende an den Rollstuhl gefesselt, sei er geistig topfit gewesen, erinnert sich Michelis, dessen letzte Weihnachtsgrüße an Wegener erstmals unbeantwortet blieben.

Nicht nur für den Ehrenvorsitzenden ist Ulrich Wegener ein echtes Vorbild gewesen. Umso beeindruckender seien die Gespräche mit ihm verlaufen: „Die Geschichte des Deutschen Herbstes vermittelte er als Zeitzeuge der ersten Linie für uns hautnah und im doppelten Sinne zum Anfassen – ich war stolz, ihm die Hand gegeben zu haben“, sagt der Kreisorganisationsleiter des Verbandes, Oberleutnant d.R. Stefan Thies. „Deutschland hat ihm viel zu verdanken.“

An der Spitze der GSG 9 hatte Ulrich Wegener am 16. Oktober 1977 in Mogadischu (Somalia) die von Palästinensern entführte Lufthansa-Boeing „Landshut“ gestürmt und die als Geiseln genommenen Passagiere befreit. Er verhinderte damit die Freipressung von elf in Deutschland inhaftierten Terroristen der „Rote-Armee-Fraktion“ (RAF) – die Entwicklung der Bundesrepublik wäre sonst möglicherweise ganz anders verlaufen.

Den Terrorexperten Rolf Tophoven, Autor des ersten Buches über die Antiterroreinheit und ebenfalls unserer Kreisgruppe eng verbunden, verband mit Wegener bis zuletzt eine Freundschaft. Tophoven erinnert sich in „Focus online“ an einen Herrenabend in Bonn, bei dem auch der damalige Berater des US-Präsidenten für Terrorismusbekämpfung zugegen war.

„Ulrich Wegener ist seit dem Zweiten Weltkrieg der einzige deutsche Held“, habe dieser gesagt. Die Geiselbefreiung in Mogadischu habe Wegener zuvor „akribisch“ an Flugzeugen geübt, erinnert sich der Terrorexperte. Das sei typisch für ihn gewesen, ebenso wie seine genaue Beschäftigung mit unkonventionellen Methoden, zum Beispiel mit Guerilla-Taktiken. „Er hat gesagt: Wenn die Terroristen so arbeiten und denken, müssen wir uns auch damit beschäftigen“, wird Tophoven im „Focus“ zitiert.

„Mir nach“ sei stets sein Motto gewesen, berichtete Wegener den Reservisten beim letzten Treffen in Mönchengladbach. „Von einem Kommandeur muss ich erwarten können, dass er diese Worte auch als Vorbild lebt.“ „Es hat uns geehrt, dass Ulrich Wegener nach eigener Aussage immer gern an den Niederrhein gekommen ist“, sagt Thies und verweist auf ein gern gehörtes Zitat Wegeners: „Hier finde ich Kameraden.“

Text und Fotos: Robert Neber

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