Dieselfahrverbot – selber schuld!
Statement des City-Ost Projektleiters

Gast-Kolumne von Klaus Franken

Jetzt haben wir es amtlich – „Wir müssen draußen bleiben!“ heißt es demnächst für viele Autofahrer.
Und wer ist schuld daran? Schnell wird mit dem Finger gezeigt auf schummelnde Autokonzerne, wegschauende Politik – und wir? Was hat die Immobilienbranche damit zu tun? Wenn wir mal ehrlich mit uns sind, recht viel!

Heute werden neue Quartiere und Wohnanlagen noch immer nach dem gleichen Strickmuster geplant und gebaut wie eh und je. Die Frage der Mobilität wird reduziert auf die Anzahl der zu bauenden Stellplätze. Soll das alles sein? Wenn ein Entwickler auf die Frage, wo die Besucher parken sollen, antwortet: „Auf der Straße“, dann haben wir nicht verstanden.

Warum blockieren wir den öffentlichen, ebenerdigen Raum nahezu ausschließlich für Verkehrsflächen und Stellplätze? Dort wäre viel Raum für Fußgänger, Radfahrer, spielende Kinder, Grün- und Begegnungsflächen. Stattdessen steht dort viel Blech herum und alle paar Minuten kommt ein anderer Lieferservice. Von Ruhe, Aufenthaltsqualität oder gar guter Luft kann kaum die Rede sein.

Nein, die autofreie Stadt kann es auch nicht sein. Das Auto ist unverzichtbar und bei einem drohenden Fahrverbot wird uns dies erst so richtig bewusst. Autogerecht und autofrei – ist das wirklich ein Gegensatz? Zumindest bei Neubauten kann der Park- und teilweise sogar der Lieferverkehr in die Tiefgarage verlegt werden. DHL fährt mit seinen Elektro-Scootern unterirdisch bis zum betreffenden Treppenhaus; das haben die uns für unsere Projekte schon zugesagt.

Gerade weil Immobilien nicht mobil sind, benötigen wir dringend Mobilitätskonzepte für neue Projekte. Denn wenn die erstmal in Beton gegossen sind, lassen sich Chancen später nicht mehr heben, aber die Nachteile sind für Jahrzehnte festgeschrieben. Bereits heute können Autos selbstständig einparken, weshalb die Stellplatzbreiten künftig eher wieder kleiner ausfallen dürfen, denn man steigt ja vorher aus. Wo heute fünf Autos stehen, passen künftig sechs rein – sofern wir nicht dazwischen eine Stütze betoniert haben…

Was gehört in ein Mobilitätskonzept? Natürlich ausreichende standort- und projektbezogene PKW-Stellplatzanzahlen, aber auch Fahrradstellplätze. Letzteres fordern die Städte in zunehmendem Maße, allerdings ist der Nachweis oft eher „für die Galerie“. Was die Menschen nachfragen sind abschließbare Boxen für die teuren E-Bikes; die kettet doch keiner an die Laterne. Car-Sharing-Stationen sind wertbildende Faktoren für Quartiere, weil die Familie zumindest das teure Zweitauto abschaffen und die Haushaltskasse entlasten kann.

Bei der Standortauswahl wird der Grundstein für ein langfristig funktionierendes Quartier gelegt. Die BauNVO (Baunutzungsverordnung )kennt leider keine Relation zwischen Mobilitätszentren und Verdichtung. Wenn der Zuzug in die Städte qualitativ organisiert werden soll, müssen an den Verkehrs-HUBs hoch verdichtete Quartiere diesen Mobilitätsvorteil ausspielen.

Die Dieselfahrverbote sind das „Aufreger-Thema“ dieser Tage. Aber das ist doch nur ein kleiner Ausschnitt des eigentlichen Problems. Auch Benzin-Autos geben viel Feinstaub ab. Straßenlärm und optische Verunstaltungen sind allgegenwärtig, aber nicht von Gott gegeben. Bei Planung und Realisierung kann die Immobilienbranche selbst einen Beitrag leisten, Räume besser zu nutzen, zusätzliche Mobilitätsangebote zu schaffen und das Leben für die Menschen besser zu organisieren.

Warum geschieht dies bislang nicht? Vermietet und verkauft werden bislang Quadratmeter Mietfläche – die Nutzer fragen aber nach Lösungen, wie Leben attraktiver gestaltet werden kann. Wer über die Mietfläche hinaus Vorteile in Bezug auf Mobilität bieten kann, wird sich nicht nur heute sondern auch morgen über stabile Mieterträge freuen können.

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