Gesundheit der Bürger ist kein Wort wert

“…Schaden von ihm nehmen…“, dieser offensichtlich für kommunale Verwaltungsebenen zur leeren Worthülse verkommene Teil eines Eides war natürlich nicht Thema des gestrigen Ausschusses für Umwelt und Feuerwehr im Rheydter Rathaus.
Zuhörer konnten den Eindruck gewinnen auf einer Lobbyistenversammlung für Pflanzenschutzmittel und Landwirtschafts-Interessen zu sein.

Derart einseitig wurde die Behandlung eines Antrages der Bündnis Grünen behandelt.
Dem anwesenden Umweltdezernenten Dr. Bonin als auch dem Vorsitzenden des Ausschusses Martin Heinen (beide CDU) war sowohl der Antrag als auch die Diskussion darüber nicht genehm.
Heinen versuchte den Antragsteller dahin zu bewegen, nur an einem einzigen Ort das Thema in einer Diskussion zu behandeln. Sein Demokratieverständnis lässt es möglicherweise nicht zu, dass es einen Prozess der Weiterentwicklung, des beidseitigen Lernens aus einer Diskussion gibt. Er möcht, dies der Eindruck aus den Ausführungen, über ein Thema nur einmal sprechen. Anderen, nicht in mehreren Ausschüssen vertretenen Politikern, möchte er dieses Recht auf Diskussion nicht gewähren.

Die Mitglieder des Umweltausschusses und auch des Stadtrates als Entscheidungsgremium haben nicht nur das Recht der Diskussion sondern auch die Aufgabe, sich inhaltlich mit solch wichtigen Themen zu beschäftigen. Der Versuch der Beschränkung durch einen Ausschuss-Vorsitzenden auf ein einziges Gremium ist nicht geeignet, Vertrauen in seine Sitzungsführung zu erhöhen.
Doch auch die Sozialdemokraten outeten sich als Vertreter der Bauernschaft.
Niemand ist gewillt, ein Verbot von Glyphosat auszusprechen auf Flächen, die die Stadt/Verwaltung/Stadttöchter zu verantworten haben.
Kommunale Flächen, die an Landwirte verpachtet sind, lt. Dr. Bonin etwa 100 ha, dürfen durch die Bauern auch weiterhin mit dem Umweltgift behandelt werden.
Er, Bonin habe mit der Landwirtschaftskammer gesprochen und sei zu der Überzeugung gekommen, dass ein Verbot von Glyphosat diesen Bauern die Lebensgrundlage nehmen würde. Die Konkurrenzfähigkeit sei gegenüber anderen Landwirten dann nicht mehr gegeben. Ein Hoch auf die Landwirte zu Lasten der Gesundheit der Mönchengladbacher Bürger.
Weiter meint Dr. Bonin, man könne die Pachtverträge erst dann kündigen und die Weiterverpachtung davon abhängig machen, dass kein Glyphosat mehr verwendet wird. Dazu muß man wissen, Dr. Bonin kennt solche Verträge gut genug, das diese Pachtverträge nicht nur über 10 Jahre abgeschlossen werden. Eine Änderung kann also gut und gerne auch 20, 30 oder 40 Jahre dauern.
Bis dahin, liebe Mönchengladbacher Bürger, dürfen nach der gestrigen GroKo-Lesart die Felder mit dem Gift Glyphosat weiter “behandelt“ werden, es sei denn, der Stadtrat beschließt in seiner nächsten Sitzung nach hoffentlich intensiver Beratung und erleuchtender Diskussion etwas anderes.

9 Kommentare zu "Gesundheit der Bürger ist kein Wort wert"

  1. Bernd Wiedemann | 3. März 2018 um 09:12 | Antworten

    Guten Morgen Herr Heinen,
    um die Sache geht es nicht mehr, wenn Sie „slash“ benutzen. Meinen Sie Herrn Wendler, dann richten Sie Ihr Wort an ihn. Meinten Sie mich, dann hätten Sie mich besser alleine angesprochen. Ich bin kein Doppelpack, sondern ein Bürger, der die Möglichkeit des Kommentierens genutzt hat.
    Ich habe hier vorhin eine Rubrik gefunden, die die Leserzahl des letzten Monates zeigen. Etwas über 120.000. Dieser Anzahl von Lesern haben Sie ein faszinierendes Selbstportrait geliefert. Eine Performance mit: Alle sagen, jeder meint, und das sogar schriftlich. Eine Performance, bei der Sie als Politiker, wenn es der Wahrheitsfindung dient, die Nutzung von Dokumentationsmaterial, als „leicht albern“ bezeichnen. Das steht da, von Ihnen geschrieben. Jetzt machen Sie mal 120.000 Lesern klar, daß Sie das so, weder geschrieben noch gemeint haben. „Jeder“, „Alle“, Doku ist „leicht albern“, das, lieber Herr Heinen, ist Froschgruppe im Kindergarten. Wenn Doku „leicht albern“ ist, dann könnte man doch ganz darauf verzichten und die Zeit sinnvoller verplempern. Ansonsten, nur so nebenbei zur Info, pflege ich meine Wunschkontakte auf andere Weise. Wenn Sie das bitte respektieren in akzeptieren könnten und dieses Forum als das benutzen , was es ist: Presse mit der Möglichkeit zu kommentieren. Für mich ist dieser „leicht alberne“ Kontakt mit Ihnen beendet. Wie sagte gestern ein Lokalpolitiker aus Essen mit herzerfrischender Selbstironie? „Lokalpolitik ist der Kindergarten…“ Trotzdem, Ihnen ein schönes Wochenende.

  2. Martin Heinen | 2. März 2018 um 14:28 | Antworten

    Liebe Herren Wendler/Wiedemann,

    kurzer Zwischenstand: Habe bis auf den Vertreter der FDP von allen Fraktionen nun eine Rückmeldung, wie diese den Verlauf der Sitzung zum Punkt Glyphosat empfunden haben. Bisher haben alle ihr Unverständnis über die Berichterstattung geäußert und den Verlauf genau so wahrgenommen, wie von mir beschrieben. Dies gilt ausdrücklich auch für die Vertreter der Grünen und der Linken, die nicht im Verdacht stehen, aus Gefallen eine derartige Rückmeldung geben zu müssen. Die Rückmeldungen liegen mir auch schriftlich vor, bei einer persönlichen Begegnung lege ich diese gerne vor.

    Biete das gerne an, Herr Wiedemann, da Sie ja keinen Grund sehen, warum der Bürger Politik glauben soll…

    Dass ich das leicht alberne Anhören von Tonbändern davon abhängig mache, wie die Kolleginnen und Kollegen dies parteiübergreifend empfinden, habe ich von Anfang an geschrieben, insofern läuft das was sie über irgendwelche Taktiken, Ostereier oder sonstige Dinge schreiben, leider völlig ins Leere.

    Wünsche den Herren noch ein schönes WE und hoffe, dass wir alsbald wieder zum sachlich-niveauvollen Umgang zurückkehren können, wie wir das sonst auch gewohnt sind – ohne verrutschte Provokationen (die natürlich auch eine Antwort und nicht Schweigen herausfordern).

    VG
    P.S. Sollte vom Kollegen der FDP noch eine abweichende Meinung kommen, setzen wir uns natürlich vors Tonband. Sonst sparen wir uns diese Peinlichkeit.

  3. Bernd Wiedemann | 2. März 2018 um 11:27 | Antworten

    Ostern ist in vier Wochen. Herr Heinen, ein fades Ei haben Sie sich leider schon jetzt ins Nest gelegt, und dazu noch ohne Not. Denn wenn Sie den Standpunkt nicht kommentiert hätten, wäre nichts passiert. „Hätte, hätte“, ich weiß. Als eifriger Beobachter der diversen öffentlichen Zusammenkünfte aller Art, weiß ich, daß mg-heute schreibt, was gesagt und besprochen wurde. Was Presse da veröffentlicht, wenn auch nicht als journalistisch korrekten Artikel, sondern ausgewiesenermaßen als ganz persönliche Meinung, ist absolut richtig. Meinen eigenen Ohren traue ich noch. Ihr Ei Herr Heinen, liegt da, wo Sie erst,anerkennenswerterweise, ein gemeinsames Angehen der von Ihnen unterstellten Falschmeldung anbieten, und wenig später geht es in ganz unglücklicher Weise zurück Marsch, Marsch. Für mich stellt sich das so dar, daß Sie Punkt A erst noch eruieren wollen, für den Fall B aber nicht nur schon wissen, was Sie dann tun, oder auch nicht sondern das auch noch in den süffisanten Ton eines typischen Politikers zu kleiden wissen. Vorschlag, mit dem alle Involvierten zufrieden sein könnten: Rats TV kann sich jeder Bürger der Stadt ansehen. Daraus resultiert, daß das Audioprotokoll auf Stadtseite oder YouTube hochgeladen werden kann. Da hört jeder der möchte, jedes Wort und macht sich sein eigenes Bild. Vorausgesetzt, die Datei wurde nach Ihrer Einlassung hier, nicht verändert, oder gar aus Versehen schon gelöscht. Ruft doch ein Jeder heute nach Transparenz. Die hätten Sie jetzt im Kleinen einmal herstellen und beweisen können. Der Bürger sollte Politik warum glauben? Bedauerlich Herr Heinen. Und es stimmt doch, daß reden Silber und Schweigen Gold ist. Jetzt erst ist die Sache interessant geworden. Ganz blöde Situation. Für Sie, Herr Heinen.

  4. Martin Heinen | 2. März 2018 um 10:36 | Antworten

    Herr Wendler, bitte richtig lesen. Ich schreibe, dass ich zunächst mit den anderen Ausschussmitgliedern spreche, BEVOR wir uns vor ein Tonband setzen und dann hin und her spulen…

    Sollte sich in den Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen Ihre Auffassung wiederfinden, dann garantiere ich Ihnen, dass wir uns das in der Verwaltung anhören. Sollte ich es tatsächlich so gesagt und rübergebracht haben, wie Sie es hier schreiben, hielte ich dies auch selbst für notwendig, weil ich dann im nächsten Ausschuss eine Präzisierung meiner Ausführungen durchführen müsste, um nicht missverstanden zu werden.

    Sollte sich Ihr Eindruck jedoch allseits nicht bestätigen, halte ich es nicht für notwendig, dass wir unsere Zeit anderweitig und sinnvoller nutzen.

    Übrigens: Was gar nicht geht, ist die Behauptung, dass irgendwem die Diskussion nicht genehm gewesen sei. Wir haben offen und sachlich über das Thema debattiert. Nur eben ohne Halbwissen und Emotionalität. Und am Ende haben wir sogar einstimmig eine Empfehlung für Hauptausschuss und Rat ausgesprochen. Wie soll das oben geschriebene also dazu passen?

    Was ich in der Tat nicht leiden kann, ist die Missachtung von Bezirksvertretungen und Fachausschüssen, in dem im Rat so getan wird, als hätten wir über bestimmte Themen nie gesprochen. Dann bitte konsequent sein und die Themen auch ausschließlich im Rat behandeln. Wäre effektiver und respektvoller. Genau das habe ich angemerkt. Hat aber nichts mit dem Thema Glyphosat zu tun, sondern war eine allgemeine Anmerkung.

    Schönes WE!

    • Harald Wendler | 2. März 2018 um 10:48 | Antworten

      Schade Herr Heinen,
      Ihre Verknüpfung ist etwas unglücklich, aber alles ist gut.

      Schönes Wochenende

  5. Martin Heinen | 2. März 2018 um 08:53 | Antworten

    Lieber Herr Wendler,

    das würde ich nur mit Ihnen zusammen machen, dann können Sie mir direkt sagen, an welcher Stelle Sie das verstanden haben, was im obigen Text steht…;-)

    Bevor wir diesen Aufwand betreiben, frage ich aber lieber die Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausschuss, wie diese die Sitzung erlebt haben. Erste Nachfragen haben ergeben: Völlig anders. Deshalb ja auch der einstimmige Beschluss.

    Wo Sie aber Recht haben: Die Biodiversität stand deutlich mehr im Mittelpunkt der Diskussion als das potentielle Krebsrisiko, das von Glyphosat ausgeht. Aus sachlichen Gründen halte ich dies aber auch für richtig, denn wir wissen Sicher, dass das Insektensterben mit Glyphosat im Zusammenhang steht.

    Zum Krebsrisiko gibt es widersprüchliche Studien, so dass die Deutsche Krebsgesellschaft eine Einstufung unter „eventuell Krebserregend“ vornimmt. Wenn man auf dieser Grundlage das sofortige Verbot fordert, heißt das für mich, da ich Doppelmoral nicht mag, dass Stoffe, die sicher (!) Krebserregend sind, natürlich auch sofort verboten gehören. Zwei Beispiele: Alkohol und Östrogen basierte Verhütungsmittel, die haben genau diese Einstufung. Wo bleibt hier die allgemeine Forderung nach einem Verbot?

    Nicht flasch verstehen: Ich bin ein klarer Gegener von Glyphosat. Aber das Argument der Biodiversität ist aus meiner Sicht deutlich konkreter und konsequenter als die gesundheitlichen Sorgen, die man dennoch vor Augen haben muss.

    VG

    • Harald Wendler | 2. März 2018 um 10:09 | Antworten

      Einverstanden, organisieren Sie das für uns beide. Teilen Sie mir bitte mit, wann und wo wir beide das machen können. Ich gehe davon aus, dass eine Genehmigung der Verwaltung notwendig sein wird.
      Freundliche Grüße

  6. Martin Heinen | 1. März 2018 um 22:55 | Antworten

    Sorry, aber das habe ich weder so gesagt und erst recht nicht so gemeimt wie hier dargestellt. Ich habe gesagt, dass Glyphosat schlecht ist und dass es der Artenvielfalt schadet. Wahr ist aber nun mal, dass die Kommune hier in den meisten Punkten schlicht nicht zuständig ist. Wo genau habe ich gesagt dass man über dieses Thema nur ein Mal diskutieren soll??? Was ich gesagt habe: Wir brauchen keine Diskussionen, weil uns längst die Informationen vorliegen, dass Glyphosat Schaden zufügt. Was wir brauchen sind Ergebnisse und die können nur die Vertragspartner erzielen. Wer sich aber vor Augen führt, welche Auswirkungen häufiges Pflügen haben kann, der weiss, dass die Herausforderungen vielfältig sind.
    Aber mit mangeldes Demokratieverständnis vorwerfen? Das finde ich nicht nur sachlich unbegründet, sondern auch unnötig ins Persönliche gehend. Muss das sein, Herr Wendler. Sonst begegnen wir uns doch auf einen deutlich besseren Niveau! Übrigens wurde der formulierte Lösungsvorschlag einstimmig (bei zwei Enthaltungen) verabschiedet. Also müssten dann ja bitteschön alle blöd sein und nicht nur Heinen, Bonin, CDU und SPD…😉 VG

    • Harald Wendler | 1. März 2018 um 23:32 | Antworten

      Lieber Herr Heinen,
      hören Sie einfach mal in die Aufzeichnung der Verwaltung hinein.

      freundliche Grüße

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