Predigt zum Goldjubiläum von Johannes van der Vorst

von Dr. Albert Damblon

Lieber Johannes, liebe Mitfeiernde,

Du hast mir zu Recht das rote Messgewand verpasst, lieber Johannes. Die Farbe des Hl. Geistes. Ihn brauche ich jetzt.

Denn es fällt schwer, in einer Festpredigt für Dich alles unter einen Hut zu bekommen. Wo soll ich anfangen, wo kann ich aufhören? Es gibt so viel über Dich zu erzählen. Wenn ich richtig loslege, werde ich stundenlang predigen. Sie alle kämen heute nicht mehr zum Buffet.

Das haben schon viele versucht. Wenn ich die Bilder richtig deute, hat man Dir einen Hut zusammengebaut: einen Schützenhut, einen Jägerhut, eine Narrenkappe mit Borussenraute und langer Feder, eben eine Brauchtumsmitra.

Auf der Hindenburgstraße flaniertest Du zum Stadtschützenfest mit breitem Bischofshut. Aber er passte Dir überhaupt nicht. Wahrscheinlich hast Du kein Hutgesicht. Du lässt auf Deinem Kopf Platz, damit der Hl. Geist aus Geistenbeck dort landen kann. Er behütet Dich nämlich gut!

Nein, Du bist kein Hochwürden mit hochwürdigem Hut. Du bist kein Prälat, kein Pfarrherr, Du bist das, was Du in Deiner Familie immer schon gewesen bist, der ältere Bruder. Du bist der Älteste von vier Brüdern. Deine drei jüngeren Brüder haben oft gelästert, bei Dir hätten die Eltern nur probiert, bei ihnen, den jüngeren, sei dann etwas Richtiges herausgekommen!

Was soll’s. Als Du da warst, war die Freude groß im Haus Deiner Eltern, genauso groß wie im Haus des Zacharias und der Elisabeth, als der andere Johannes geboren worden ist. Deine Eltern haben auch gefragt: was wird aus dem Kind werden? Gärtner, Lokführer? Kaufmann? Berufsschütze? Wahrscheinlich stand Priester nicht auf dem Zettel. Dann haben Deine Eltern schnell dafür gesorgt, dass Du älterer Bruder wurdest.

Bruder sein ist mehr, so lautet das Motto Deiner Bruderschaften. Der ältere Bruder ist Vorbild für die jüngeren Geschwister, und er trägt schon Verantwortung in der Familie. Wenn die Eltern unterwegs sind, muss der ältere Bruder auf die Kleinen aufpassen. Er vermittelt, wenn die Jüngeren sich zanken, und er springt ein, sobald etwas nötig ist. Der ältere Bruder bildet nicht die Strenge des Vaters, sondern die Barmherzigkeit der Mutter ab.

Älterer Bruder, ein Bild für unseren Priesterberuf? Pfarrer Röring hat es in seinem Artikel über Dich gebraucht. Du bist der ältere Bruder in der Gemeinde Geistenbeck, der sofort einspringt, wenn etwas fehlt. Du hältst die Gemeinde zusammen, vermittelst, versöhnst. Du trägst Verantwortung, hier und weit darüber hinaus. Alles, was auf dem Kirchplatz steht, ist mit Deine Initiative. Du kümmerst Dich um die Menschen, Du sorgst Dich um sie. Von daher brauchst Du keine Aktion „heute bei dir“ – „heute bei euch“ hast Du 50 Jahre selbstverständlich gelebt. Die Gemeinde Hl.Geist  und viele andere sind Dir genauso dankbar wie ich es bin, Dich als älteren Bruder zu haben.

Wer nun behauptet, „älterer Bruder“, das habe gar nichts mit dem Priesterbild der katholischen Kirche zu tun, der liegt falsch. Er soll einmal den Titusbrief lesen. In frühester Zeit der Kirche wurden Menschen gesucht, die sich um die neu entstandenen Gemeinden kümmern sollten. Ihre Eigenschaften beschreibt Titus.

Eine Frau wirst Du wahrscheinlich nicht mehr bekommen, lieber Johannes.

Im griechischen Originaltext heißen diese Menschen: presbyter. Daraus ist unser deutsches Wort Priester geworden. Du bist 50 Jahre presbyter, Priester. Presbyter heißt übersetzt: Ältester, genauer: Älterer, älterer Bruder. Eine Gemeinde braucht ältere Brüder. Die Gemeinde Geistenbeck hat in Dir den älteren Bruder gefunden. Du bist sicher einverstanden, Johannes, es können auch ältere Schwestern sein. Gemeinden haben ältere Brüder und ältere Schwestern nötig.

Der ältere Bruder betet für seine jüngeren Geschwister. Das hast Du immer wieder getan. Aber in der letzten Zeit hast Du auch einmal für Dich gebetet. Du hast den Chef – so nennst Du den himmlischen Vater – gefragt: Darf ich noch ein bisschen bleiben? Die Menschen brauchen mich noch ein wenig. Der Chef hat geantwortet: Sei unbesorgt, ich brauche Dich Johannes, so gute ältere Brüder wie Dich habe ich selten. Danke Johannes, sagte der Chef!

Nach dieser Predigt wollte der Applaus bei der Jubiläumsmesse nicht mehr enden. Danke an Albert Damblon, der die Predigt aus dem Gedächtnis nach seinem Stichwortzettel aufgeschrieben hat.

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