26 Jahre Tschernobyl: Zwischen Gedenken und Groteske

Am Donnerstag bot sich den Bürger/innen auf dem Marienplatz ein ungewohntes Bild. Was aus der Ferne wie ein lustiges, aber reichlich verspätetes Treffen eines gelb-schwarzen Karnevals- Vereins wirkte, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als eine ernste und informative Aktion des Anti-AKW-Bündnisses Strahlenzug.
Anlass war der 26. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl.

Das Bündnis Strahlenzug sparte nicht an Aufwand und verwandelte die Hälfte des Marienplatz in eine Open Air Ausstellung mit Live Performance.
So wurden auf mehreren Stellwänden Bilder aus Tschernobyl gezeigt, diese waren aufgeteilt in „Zerstörung“ und „Leiden“.
Für viele jüngere Menschen waren diese Bilder völlig neu und unter diesem Eindruck nahmen sich viele die Zeit zum „3 Minuten Gedenken“ wie vom Strahlenzug vorgeschlagen:

1 Minute „Gedenken an die Toten und Verletzen von Tschernobyl.“

1 Minute „für die Toten und Verletzten von Fukushima.“

1 Minute „für den Wunsch, dass alle Menschen wohlbehalten in ihrer Heimat leben und gesund alt werden können.“

Im völligen Kontrast zu diesem ruhigen Teil führten die Mitglieder des Strahlenzugs eine groteske Performance auf. In weiße Strahlenschutzanzüge gehüllt, wurde Atommüll in kleine Castoren gefüllt und auf Spielzeug LKWs verladen, um dann am Ende an die Anwesenden verteilt zu werden. Bei dieser weltweit ersten „Atommüll Verfüllung“ handelte es sich zur Freude der Kinder nicht um radioaktives Material, sondern um Bonbons mit der Anti-AKW-Sonne.

„Mit dieser Aktion verharmlosen wir nicht die Gefahr der Atomkraft, sondern wir zeigen auf, wie absurd die Politik mit der Gefahr umgeht“, erklärt das Bündnis, „Es gibt noch kein Endlager, aber es wird weiter radioaktiver Müll produziert. Und dieser Müll wird in Castoren gefüllt, quer durch das Land gefahren, in nahezu baugleichen Hallen wie die am Entstehungsort abgestellt, um dann in ein paar Jahren erneut die Reise anzutreten. Solange es kein Endlager gibt, ist jeder Castortransport ein unnötiges Risiko.“

Doch neben diesen Aktionen fürs Auge gab es auch reichlich Lesestoff. So wurde ein eigens für diesen Tag entworfener Flyer „26 Jahre nach Tschernobyl … wieder ein Jahr verloren“ verteilt, der sich mit dem „Gedenken der Opfer“ beschäftigte und die Frage „Warum noch eine Anti-AKW-Bewegung?“ beantwortete. Weiter warnt der Flyer vor den Castortransporten durch NRW, die auch am Stadtgebiet von Mönchengladbach vorbeirollen werden. Weiteres Informationsmaterial rund um die Themen Stromanbieterwechsel, Radioaktivität und Unterstützung für Fukushima wurden dankend entgegengenommen.

Kommentar hinterlassen zu "26 Jahre Tschernobyl: Zwischen Gedenken und Groteske"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*