Närrisches Großes Feldlager der 1. Mönchengladbacher Stadtgarde.
Der Veilchendienstag naht

Wenn in Mönchengladbach Karneval gefeiert wird, geschieht das nicht in allerweltsüblicher Weise. „D`r Zoch kütt – Der Zug kommt, stellt euch an die Straße.“ Damit kündigt die 1. Mönchengladbacher Stadtgarde mit ihrem Garde-Lied den Karnevals-Jecken am Veilchendienstag den Umzug an:

d`r Zoch kütt, d`r zoch kütt, stellt öch an de stroß
strüßje und kamelle, de komme en de blos
d`r zoch kütt, d`r zoch kütt und jeder steht spalier
für en schockolädche en bützje un en bier

Gemeinsam mit seinem geschäftsführenden Vorstand gilt die Erfahrung des Vorsitzenden Elmar Eßer als Zugleiter als Garantie ein für gutes Gelingen.

So weit ist es noch nicht. Die seit 1998 bestehende Garde eröffnete, begleitet vom Speicker  Fanfarenkorps, „in gewohnt lockerer Atmosphäre“ das „Große Feldlager“ in der Eickener Mehrzweckhalle. In Verbindung mit Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdiensten und THW verwirklichte sie ihre Absicht: „Jeder soll das Feldlager miterleben können“. Angelika Marx und Frank Nießen waren mit ihrer Moderation dabei behilflich. Ein Gala-Abend war nicht geplant. Da sich „Kind und Kegel“ eingefunden hatten und auch ihrem persönlichen Unterhaltungsbedürfnis nachkommen wollten, war die Atmosphäre manchmal „sehr locker“.

Die karnevalistische 1. Garde für den Veilchendienstagszug, darunter ein 92jähriger Veteran, ist mit Ideen und Tatkraft jung geblieben. Die Stadtgarde 1998 ist zudem eine von sechzehn Garden mit ca. tausend Garde-Angehörigen der „Föderation Euroregionaler Garden“. Freundschaftliche Kontakte  und Erfahrungsaustausch sind im Deutsch-Niederländisch-Belgischen Grenzgebiet entstanden. So verwunderte es nicht, dass diePrinselikke Stadts-Garde Faubourg St. Jacques aus Roermond“, Mitglied der Föderation, mit ihrem Bierkasten-Tanz die gute Stimmung in der Halle unterstützte.

Dass „der Alte Fritz“ etwas mit der Stadtgarde zu tun hat, vermutet man nicht. An Friedrich den Großen, König von Preußen, erinnert in humoristischer Persiflage die Friderizianer-Uniform, die allerdings nur Präsident und Mariechen im Zug tragen. Sie passt sich den Stadtfarben rot, gelb und blau an. Farben spielen im Karneval eine große Rolle. Unser Prinzenpaar trägt Blau und Weiß, auch die Kinderprinzengarde. Der Orden der Stadtgarde ist der friderizianische Gardestern mit dem Stadtwappen, dazu ein Traktor als Zeichen der Zugleitung.

Karneval will nicht alte Begehrlichkeiten wecken. Geschichtlichen Begebenheiten verschafft er eine neue Bedeutung. Geschichte ist nicht folgenlos. Zum Markenzeichen der Stadtgarde gehören auch die „Schwellköpfe“. Eine Fußgruppe im Kostüm des Stadtgarde-Clowns wird sie beim Veilchendienstagszug wieder vorführen.

Beide Prinzengarden traten an: Die Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach als Begleitung und Leibgarde des Prinzenpaars eskortiert Prinz Dirk und Prinzessin Niersia Martina aus Spaß an d’r Freud bei ihren diversen Veranstaltungen. Auch an diesem Abend. Deren Kondition, die eine lange Karnevalszeit hindurch halten muss, ist bewundernswert.

Prinz Dirk „steigt herab zu seinen Untertanen“ und mischt sich unter sein närrisches Volk. Prinzessin Martina stimmt ein, wenn „Kleine Mädchen müssen früher schlafen gehen; kleine Mädchen haben das nie eingesehn“, intoniert wird. Wann sie in diesen Wochen schlafen gehen kann, verrät sie niemandem. Keine schlaflosen Nächte bereitet ihr die Juniorengarde. Man setzt auf die Jugend. Mit ihr hat Karneval Zukunft.

Gleichrangig neben den „Gladbachern“ das Gardekorps der Großen Rheydter Prinzengarde mit ihrer vorgetragenen Pflichtübung „Wir sind die Garde in Schwarz-Weiß, ertönt’s mit Jubelschall. Auf uns’res Prinzenpaar Geheiß marschier’n wir durch jeden Saal.“. Die „Rheer Knöppkes“ hatten sie mitgebracht, ihre Mädchen-Showtanzgruppe. Mögen alle im Saal mitbekommen  haben, welch hartes Training hinter den akrobatischen Übungen steckt. Monika Ferfers und Petra Beckers sei es gedankt.

Die Showtanzgruppe „Surprise & Fantasy“  der Hardterbroicher Karnevalsgesellschaft „Alles onger ene Hoot“ setzte fort, was den Abend prägte: Tanzen. Selbst die FunkenartillerieLöschzugKempen“ bestätigte diesen Trend und wurde mit „Gut Schlauch“ herzlich verabschiedet. Der unbekümmerte Auftritt des sechsjährigen Tanzmariechens der 1. Mönchengladbach-Speicker Garde beeindruckte in besonderer Weise. Wenn die kleine Shamia behutsam gefördert wird, dürfte sie einmal zu den ganz Großen zählen.

Zur Stelle waren Prinz Lukas II. und Prinzessin Lara I., tanzend-singendes Kinderprinzenpaar der Stadt Mönchengladbach mit ihrer Kinderprinzengarde. Seitdem Hans Pitz, ehemals Präsident der „Roten Funken Rheydt“, eine Kindergarde als Garde des Kinderprinzenpaars ins Leben rief, gehört sie zum Karneval. 1977 wurde die „Rheydter Kindergarde“ zur „Kinderprinzengarde Mönchengladbach“. In Schulen und Kindergärten, Senioren- und Behinderten-Einrichtungen ist sie sehr willkommen; zu Recht, wie sie demonstrierte.

Die Gründung der „Ersten-Venner Karnevalsgesellschaft“ galt 2001 zunächst als Scherz. Frank Weber und Roswitha Joch als Vorsitzende bewiesen in der Zwischenzeit, wie aus Kleinem Großes entstehen kann. Sie empfahlen sich nachhaltig für den Veilchendienstag.

Für die „Gelb-Blauen Funken der Stadt Mönchengladbach“, Garde des Oberbürgermeisters, ist das selbstverständlich. Sie kamen, traten auf und überzeugten. Mit „Wer dont all möt“ 1932 gegründet, blicken sie auf eine nicht immer störungsfrei verlaufene Geschichte zurück. Dass der von August Deden komponierte Funkenmarsch „Wir sind die Funken Gelb und Blau“ noch aktuell ist, erfüllt sie mit Stolz. Sie „begleiten“ nicht nur den Oberbürgermeister, sondern „verteidigen“ am Rosenmontag das Rheydter Rathaus. Dass es trotzdem gestürmt wird, liegt auch in ihrem Interesse. Die Regimentstöchter der Jugendtanzgarde mit der jetzigen Trainerin Sandra Päffgen werden die Funken „In alter Frische“ am Leben halten.

Die 1935 gegründete „kleine“ Eickener Karnevals- und Traditionsgesellschaft „Schöpp op“ unterstrich nachhaltig ihre Zugehörigkeit. Traditionellen, innovativen Karneval feiert sie. „Schöpp op“ tanzt – bei der Funkengarde und bei der Mariechentanzgarde. Solo-Mariechen und Trainerin Jennifer Müller ist als vierfache Stadtmeisterin im Mariechen-Solotanz eine Ausnahme-Erscheinung. In der rot-weißen „Schöpp op“- Uniform eroberte sie Herzen und Sinne der Feldlager-Gemeinde. Auch mit den Fanfaren-Trompetern können die Eickener den Verlust ehemaliger Borussia-Geister verschmerzen. Verehrtes Prinzenpaar! Als die niederländische Partyband „De Badmötze“ das Feldlager-Ende einläutete, war allen klar: Die Veilchendienstagszug-Planungen lassen Gutes erwarten. Euer Prinzenwagen ist sicher startbereit.

1 Kommentar zu "Närrisches Großes Feldlager der 1. Mönchengladbacher Stadtgarde.
Der Veilchendienstag naht"

  1. Erwin Bortsch | 1. März 2019 um 08:36 | Antworten

    Sehr schön, endlich denkt die Karnevalswelt auch mal an die Helfer. Ohne Sie gäbe es den Veilchendienstagszug wohl nicht.
    Bei so vielen Beschützern (Garden) bangt es mitnichten um den Fortbestand des Zuges.

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