Demenz-Kranke : Eine Krisensituation bewältigen helfen

In den frühen Morgenstunden kommt eine Bewohnerin verschlafen und mit nackten Füssen aus ihrem Zimmer. Sie hinterlässt eine nasse Spur.  Das Malheur ist offensichtlich. „Gucken sie mal wie das regnet.“ Das ist ihre Aussage. Diese Art Unglück ist bisher nicht passiert.  Die Bewohnerin hat manchmal noch klare Augenblicke. Versucht sie auf diese Weise ihr Defizit zu verbergen, oder regnet es in ihrer Welt tatsächlich? Ich werde es nie erfahren. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten. Der Bewohnerin sagen, dass sie sich gerade einnässt? Ihr damit vielleicht den letzten Rest ihrer Würde nehmen und sie der vollen Peinlichkeit der Situation aussetzen? Weil es sich immer wieder als gut erweist, das anzunehmen was aus der „anderen Welt“ kommt, gehe ich dorthin. Die alte Dame an die Hand nehmen: „Das ist aber auch ein richtiges Sauwetter. Kommen sie. Schnell trockene Sachen anziehen, sonst gibt es noch einen Schnupfen.“

Kleidungswechsel, Bett neu herrichten, ein Glas Wasser eingießen, den Kontakt mit einer Umarmung und einem freundlichen Wort beenden, das Licht löschen. Es folgten noch zwei ruhige Stunden bis zum Wecken.

Eine andere Bewohnerin hatte in der gleichen Situation eine Nachbarin, die ihr Wasser in ihr Bett schüttete (Die Dame lebt in einem Einzelzimmer).

“ Du liebe Zeit, solche Nachbarn braucht niemand. Die lassen wir einfach links liegen.“

Krise oder Ruhe, das ist so häufig das Ergebnis einer Entscheidung aus unserer Welt, resultierend aus unseren Gedanken.

Genau hinhören und hinsehen, fast immer sagt oder zeigt der Betroffene uns, wo und was er ist. Diesen Faden  aufzunehmen ist erlernbar, und das Lernen und erfahren geschieht jeden Tag im Umgang miteinander von Neuem. Wissen festigt sich.

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