„Erschütternde Nachricht“.
Unwürdiges Verhalten einer katholischen Behörde

Kreuzwegstation Kloster Knechtsteden

Meinung von Peter Josef Dickers.

Der Kölner Kardinal Woelki beurlaubte den Düsseldorfer Stadtdechanten bis auf Weiteres von allen Ämtern. Das Vergehen, das dem Priester zur Last gelegt wird, sei „eine erschütternde und belastende Nachricht“, schrieb der Leiter der Abteilung Seelsorge-Personal. Das Kölner Erzbistum leitete den Hinweis auf eine Tat, die angeblich auf das Jahr 2012 zurückgeht, an die Staatsanwaltschaft weiter. Gleichzeitig eröffnete man ein innerkirchliches Verfahren. Man dulde keinerlei Form von sexualisierten Übergriffen und gehe entsprechenden Hinweisen und Verdachtsfällen konsequent nach, erklärte Woelki.

Öffentlich gemachte kirchliche Selbstjustiz an einem angesehenen Seelsorger, der die zur Last gelegte Tat zumindest bestreitet. „Bis auf Weiteres beurlaubt“ ist gleichbedeutend mit: Er kann sich in seiner Gemeinde, in seiner Stadt nicht mehr sehen lassen, selbst wenn sich die Vorwürfe gegen ihn als haltlos erweisen sollten.

In einem Brief an die Pfarrgemeinden des Erzbistums warnt derselbe Bischof „vor einer Vorverurteilung“ des Beschuldigten. Als was soll man dann die sofortige Beurlaubung des Stadtdechanten ansehen? Als „liebevollen Rippenstoß“? Als „Pass auf, Junge, wir haben da ein kleines  Problem“?

Selbst wenn „an der Sache was dran sein sollte“, ist Kardinal Woelkis Vorgehen aus meiner Sicht unwürdig und beschämend. In Sachen Sexualität läuten in der Katholischen Kirche plötzlich die Alarmglocken. Jahrhunderte lang haben Papst, Bischöfe und Priester Kinder gezeugt, trotz Verpflichtung zum Zölibat. Erst jetzt gesteht die Amtskirche ein, dass es „Priesterkinder“ gibt. Geht man nun „entsprechenden Hinweisen und Verdachtsfällen konsequent nach“?

Derweil dürfen Herr Woelki und einige Mitbrüder Pläne aushecken, die ein Kölner Weihbischof nach einem Bericht im Kölner Stadtanzeiger als „katholischen Imperialismus“ bezeichnet und als Versuch, „katholisches  Eucharistie-Verständnis hinten herum anderen aufzudrängen“. Er will sagen: Die katholische Kirche ist nicht bereit, den positiven Stellenwert des protestantischen Abendmahls zur Kenntnis zu nehmen und fordert die Annahme ihres Eucharistie-Verständnisses. Das ist selbstverständlich keine „belastende Nachricht“.

Der Geist des Miteinanders im Erzbistum habe sich verflüchtigt, klagt die langjährige Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum. Es herrsche große Ratlosigkeit. Keine „erschütternde und belastende Nachricht“?

Woelkis Verfügung, alle Kölner Innenstadt-Pfarren zusammenzulegen, geschah dem Vernehmen nach ohne Rücksprache mit den betroffenen Gemeinden. Statt Laien einzubinden in die Leitung von Gemeinden, bleibt nach Woelkis Anordnung alles eine Aufgabe der wenigen Priester. Keine „erschütternde und belastende Nachricht“?

In einem Brief wandten sich Woelki und sechs weitere Bischöfe an den Vatikan. Sie protestierten gegen den Beschluss der deutschen Bischofkonferenz, der sie selbst angehören, auch evangelische Ehepartner zur Kommunion zuzulassen. Keine „erschütternde und belastende Nachricht“?

Kardinal Woelki boykottierte als einziger Bischof in Nordrhein-Westfalen ein evangelisch-katholisches Kooperationsmodell beim schulischen Religionsunterricht. Keine „erschütternde und belastende Nachricht“?

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis vergleicht man leere Kirchen mit Windrädern, die still stehen, weil man ihren Strom nicht benötigt. Ich ergänze: Wir haben leere Kirchen vielleicht auch deswegen, weil man gewisser Ober-Hirten überdrüssig ist.

Ich bevorzuge in der Regel leise Töne, um ein Problem in Worte zu fassen. In diesem Fall kann ich mein Unverständnis über amtskirchliches Selbstverständnis, das seine Unfehlbarkeit von der Allmacht Gottes abzuleiten scheint, nicht laut genug artikulieren. Mögen kirchliche Kontrollettis“ von mir aus das dem Aachener Bischof übermitteln, der für mich zuständig ist.

1 Kommentar zu "„Erschütternde Nachricht“.
Unwürdiges Verhalten einer katholischen Behörde"

  1. Peter Josef Dickers | 27. März 2019 um 20:03 | Antworten

    Schade, dass Betroffene in der Regel zur Tagesordnung übergehen oder nur mit den Achseln zucken. Daher können Amtsträger so handeln, wie sie es praktizieren.

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