Nicht viele Worte

Sie wollten heiraten. Nicht weit vom vierzigsten Lebensjahr entfernt, hielten sie sich für erfahren genug, eine Entscheidung zu treffen und sie mitzuteilen.

Ihre Eltern, solide und  bodenständig, würden das anders sehen. Davon war auszugehen. Neue Partnerschaft im fortgeschrittenen Alter würden sie skeptisch betrachten.

Die Beiden schmiedeten Pläne und entwarfen ein Frage- / Antwort-Puzzle.  Auf welche Bedenken mussten sie sich einstellen? Was konnten sie erwidern? Die Liste zog sich in die Länge. Ihre Absicherung.

Sie wurden zum Nachmittagskaffee eingeladen. Freundlichkeiten und Komplimente wurden ausgetauscht. Sie stärkten sich mit Kaffee und Kuchen. Dann fasste er Mut und teilte dem erhofften und zukünftigen Schwiegervater die getroffene Entscheidung mit: „Wir wollen heiraten.“ Es klang kleinlaut.

Atempause auf der gegenüber liegenden Seite der Kaffetafel. Dann von dort eine Frage: „Wann?“ Atempause auf der anderen Seite. Überrumpelung. Wertlos gewordener  Fragen- und Antwort-Katalog. Fehleinschätzung eines an Jahren und Alltags-Bewältigung überlegenen Paares. „Komm“, wies der Vater seine Tochter an, „wir müssen an die Arbeit.“ Abends saß man zusammen und unterhielt sich über Gott und die Welt, nicht über Heiratspläne.

Etliche Jahre später machte Schwiegervater beiläufig eine für seine Lebenseinstellung charakteristische Bemerkung: „Wichtige Dinge entscheide ich nicht nach endlosen Debatten, sondern umgehend.“

Man muss nicht viele Worte machen, um Weniges mitzuteilen.

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