Heiliger Vater Franziskus, komm ins Schlossbad Niederrhein

Ein Bad in Budapest

Komm ins Schlossbad Niederrhein, Heiliger Vater. Ich habe den Eindruck, dass dir momentan Entspannung gelegen käme. Seit dem 1. Mai ist der beheizte Außenbereich für Besucher geöffnet. Die Temperaturen sollen ab jetzt konstant bei zwanzig Grad liegen, obwohl ich vermute, dass es bei euch in Rom und auch in deiner argentinischen Heimat noch ein paar Grad wärmer ist.

Da du seit dem Treffen mit der schwedischen Schulschwänzerin für das Klima kämpfst, brauchst du keine Angst vor Erkältung zu haben. Dass du dennoch leicht verschnupft bist, habe ich den Medien entnommen, die dich auf Schritt und Tritt begleiten. Sie berichten, dass du es neuerdings nicht mehr erlaubst, deinen Fischerring zu küssen, angeblich aus Angst vor der Verbreitung von Keimen. In unserer scheinbar rundum verseuchten Welt ist man scheinbar nirgendwo vor Ansteckung sicher.

Im Schlossbad Niederrhein sind solche Sorgen unbegründet. Jedes Jahr finden ein Großreinemachen und ein Austausch der Filteranlagen statt. Das Bad entspricht höchsten hygienischen Standards. Bade-Fans mussten einige Wochen mit ihrer Dusche und Badewanne daheim vorliebnehmen. Ich weiß nicht, ob du dir das vorstellen kannst: Fast hunderttausend Bade-Freudige kosten das Schlossbad-Vergnügen jährlich aus. Wie viele gefüllte Badewannen das sind, wenn die Schlossbad-Tür Wochen lang „vorübergehend geschlossen“ bleibt, ist nicht so leicht auszurechnen.

Heiliger Vater Franziskus, komm ins Schlossbad Niederrhein. Der achtzig Meter lange Wildwasserkanal ist in deinem Alter vielleicht nicht das Richtige für dich. Schade, dass du nicht mit Frau und Kind kommen kannst.  Für Kinder ist die Wasser-Rutsche ein Vergnügen pur. Außerdem zahlen Kinder unter sechs Jahren keinen Eintritt, und es gäbe eine preisermäßigte Familienkarte für euch. Was nicht ist, kann ja noch werden. So, wie ich dich kenne, ist in deiner Kirche und in den Schwimmbädern noch nicht aller Tage Abend.

Komm ins Schlossbad Niederrhein, Heiliger Vater, knapp fünfundzwanzig Kilometer westlich von Düsseldorf. Wenn du willst, hole ich dich am Flughafen oder am Bahnhof ab. Mit Päpsten kenne ich mich ein wenig aus. Deinen Vorgänger, der seit Jahren ein Einsiedler-Leben hinter Vatikan-Mauern verbringt, kenne ich persönlich gut. Als er noch einfacher Professor war, habe ich bei seinen Vorlesungen die Uni-Bänke gedrückt und ihm zugehört. Damals war er noch nicht mit amtlichen Kirchen-Mänteln zugeknöpft. Manchmal habe ich mit ihm im Seminar sogar eine Tasse Kaffee getrunken.

Bring deinen pensionierten Mitbruder mit. Auf der großen Liegewiese am Schlossbad könnt ihr sonnenbaden und euch über Gott und die Welt unterhalten. Da du mit deinen gut achtzig Jahren eine Portion jünger bist als der Ratzinger-Benedikt, gelingt es dir in der herrlich entspannten Schlossbad-Atmosphäre vielleicht, ihm von heute zu erzählen. Beim Weltjugendtag in Panama hast du kürzlich gesagt, man sollte Brücken, statt Mauern bauen. Damit meintest du zwar eine andere Person, die sich gegenwärtig für die bedeutendste Erscheinung auf unserem Planeten hält. Aber auch dem Benedikt könnte es nicht schaden, wenn du ihm eine kleine Brücke baust in die Welt hinaus, weg aus den selbst gewählten vatikanischen Hinterhöfen.

Das Schlossbad Niederrhein ist geöffnet, Heiliger Vater. Macht euch auf den Weg.

2 Kommentare zu "Heiliger Vater Franziskus, komm ins Schlossbad Niederrhein"

  1. Christel Pasch | 4. Mai 2019 um 11:58 | Antworten

    Wenn man die Atmosphäre des Niederrheinbades so einmalig eingebettet hat wie in dieser Geschichte geschehen, dann kann ich mit einer Augenweide aus Budapest hervorragend leben und verstehe das Foto einfach als Synonym für kommende Badefreuden. Wie oft liege ich in unserem Bad, schließe die Augen und träume mich unter Palmen.

  2. Wenn man einen Artikel über das Schlossbad Niederrhein schreibt, warum nimmt man dann kein Bild davon sondern nach Bildunterschrift „Ein Bad in Budapest“ ?

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