“Die Häuser sind schön, aber die Rahmenbedingungen in der Pflege stimmen nicht“

Beim Pflegetreff in Neuss wurde kein Blatt vor den Mund genommen – es fehlt am Geld – Bund ist gefordert

Die Schlussrednerin brachte es hervorragend auf den Punkt:
„Die Hütte brennt jetzt schon“, meinte sie „wir können das Feuer schon gar nicht mehr löschen sondern nur noch eindämmen“.
Und weiter: „Wir könnten vor den Augen der Welt dastehen wie ein Entwicklungsland, die Häuser der Pflegeheime sind schön, die Ausstattung in der stationären Pflege ist besser geworden aber die Pflegerahmenbedingungen sind definitiv schlechter geworden.“

Woran dies liegen könnte und wie es geändert und verbessert werden könnte, darüber diskutierten nach einem Grußwort von Dr. Gerling folgende Fachleute:

Regina Schmidt-Zadel, Mitglied des Bundestages (SPD) a.D., stellvertretende Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft NRW

Hilde Mattheis, Mitglied des Bundestages (MdB) und stv. Sprecherin der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD- Bundestagsfraktion sowie Berichterstatterin für die Bereiche Pflege, Psychiatrie, Armut und Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion.

Willi Zylajew, Mitglied des Bundestages (MdB) und pflegepolitischer Sprecher der Union im Deutschen Bundestag

Manfred Steiner, Ltd. Dipl. Sozialpädagoge von BEKO Demenz- Beratung und Koordination.

Tenor der sehr angeregten, bisweilen sogar hitzigen Diskussion war eine deutliche Fokussierung auf die häusliche Pflege. Für die zu Pflegenden, auch für die an Demenz erkrankten Menschen, die im häuslichen Umfeld von Angehörigen gepflegt werde, will jeder mehr als bisher tun und erreichen.

Auch der Fakt, dass insgesamt zu wenig Geld für alle notwendigen Vorhaben zur Verfügung steht wurde von allen Teilnehmern bestätigt.
Nicht genannt oder erklärt wurde, wann wer den Menschen in Deutschland sagen will, welche Mehrbelastung die Gemeinschaft zu tragen haben wird, damit eine spürbare Verbesserung in der Pflege zu verzeichnen sein wird.

Willi Zylajew glaubt, nach seinen Erfahrungen würde niemand einer Erhöhung der Pflegekassenbeiträge zustimmen.

Auch er sagte nicht, wann er wo schon einmal konkret gefragt hat. Er ist als Bundestagsabgeordneter in der Lage dies zu tun. In seiner Bundestagsfraktion glaubt er keine Mehrheit für eine von ihm vertretene und angestoßene Erhöhung finden zu können.

„ Die Rente und die Anrechnung der Pflegezeit auf die Rente ist ein wichtiger Baustein, er ist im Unterschied zur Kindererziehungszeit und die Anrechnung dort auf die Rente minimalst das werden die Pflegenden in der Familie nicht aufholen,“ thematisiert Hilde Mattheis ein weiteres finanzielles Problem in der häuslichen Pflege. Sie weist darauf hin, dass Pflege in aller Regel Frauensache ist.

Deshalb sind die Erwerbsbiographien vieler Frauen aus Sicht der späteren Rente einfach katastrophal, sie erwirtschaften kaum Rentenansprüche.

Wenigstens eine Gleichstellung mit den Kindererziehungszeiten strebt die SPD an, so Hilde Mattheis.

Auch die stationäre Pflege wurde besprochen. Einigkeit herrschte bei der Beurteilung, es müssten gravierende Verbesserungen her.

Wann diese erreicht sein könnte, blieb leider von allen unbeantwortet.
Zu groß scheint der Lobbyismus gegen eine Beitragserhöhung zu sein. Nur durch mehr Geld im Pflegesystem sei eine wirksame Verbesserung möglich.

Am Rande dazu bemerkt:
In den 12:00 Uhr  Nachrichten wurde soeben „verkündet“, das Bundesparlament einschließlich Staatssekretäre erhalten eine Einkommenserhöhung von 5,7%.
Verdientermaßen.
Es ist also Geld da, man muß nur wollen!

In den Sozialkassen gibt es einen milliardenschweren Überhang, was passiert damit?
Wer wird sich daran bedienen dürfen?
Dies nur als Hinweis zu nicht durchsetzbaren Beitragserhöhungen in der Pflegekasse.

Augenscheinlich vermeiden die örtlichen Medien eine Berichterstattung über den Neusser Pflegetreff.
Allen voran wohl die zur Rheinischen Post gehörende Neuss-Grevenbroicher-Zeitung.

Wohl aus wirtschaftlichen Erwägungen ist dieser Zeitung nicht daran gelegen über Themen wie Demenz und Alter zu informieren, dabei sollte es mehr als selbstverständlich sein.
Teilhabe ist ein Thema, das nicht nur für Behinderte gilt, dazu gehören sowohl Alte als auch demenziell erkrankte Menschen.

Der nächste Pflegetreff wird am 14. September 2012 sein.

Lesen sie dazu den Artikel mit Dr. Günter Krings, MdB, aus Mönchengladbach hier:

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