Unterwegs auf der Donau. Die Freundschaftsbrücke

Foto: PJD

Die „Brücke der Freundschaft“ zwischen Rousse, der bulgarischen Donaustadt auf der einen Seite, und der rumänischen Stadt Giurgiu auf der anderen passierte unser Schiff bei einer Donau-Flusskreuzfahrt zum Schwarzen Meer. An der rumänisch-bulgarischen Donau-Grenze verlaufen auf zwei Ebenen der Straßen- und Eisenbahn-Verkehr hin und her.

Freundschafts-Brücken gibt es auch anderswo. Einige von ihnen blicken auf  eine wechselvolle Geschichte zurück. So die Görlitzer Stadtbrücke über die Neiße. Zur „Brücke der Freundschaft“ zwischen der DDR und Polen wurde sie1950. Es war eine Freundschaft unter Verschluss. Die Brück war offizieller Grenzübergang war. Man durfte nach Polen aber nur einreisen, wenn eine Einladung bzw. ein Visum vorgezeigt werden konnten.

Katja Ebstein, in Schlesien geborene Sängerin und Schauspielerin, blieb der Übergang verwehrt. „Nur der Wind kennt meine Träume“, nannte sie eines ihrer Musik-Alben. Ob die Brücke in ihren Träumen vorkam?

„Brücken bauen, wo  kein Wasser ist“, lautet ein Zitat, das sich skeptisch zu der Möglichkeit äußert, dass Menschen und Länder einander näherkommen. Nicht alles lässt sich über-brücken. Es gibt Brücken, die ihren Zweck verfehlen.

Seit der politischen „Wende“ dient die Neiße Brücke ohne Grenzkontrollen der Begegnung zwischen Menschen in Polen und Deutschland. Beide Länder sind Mitglied der Europäischen Union. Symbolisch unterstützt wird der zur Versöhnung beitragende Charakter der Brücke durch den Beinamen „Papst-Johannes-Paul II.-Brücke“, den sie 2006 erhielt. Der aus Polen stammende Papst Karol Woytila trug zum Versöhnungsprozess bei. „Freunde im Rücken sind stärkste Brücken“, sagte Johann Nepomuk Vogl, österreichischer Schriftsteller und Publizist.

Was ist mit der Brücke zwischen Ruse und Giurgiu? Zwei rumänische Bedienstete von der Crew unseres Schiffes reagierten zurückhaltend, als ich die „Freundschaftsbrücke“ ansprach. Einer pflegte zwischen rumänischer und bulgarischer Seite familiäre Beziehungen. Der Andere hatte im bulgarischen Giurgiu eine Freundin.

Die ehemaligen „sozialistischen Bruder-Staaten“ seien bautechnisch durch die Brücke verbunden. Durch geschichtlich begründete Ressentiments zwischen den Ländern Bulgarien und Rumänien würde die Freundschaftsbrücke jedoch zu einer Brücke „verordneter Freundschaft“, bedauerten die Crew-Angehörigen. Alte Macht-Positionen hätten sich erhalten, in ihrer Folge mangelnde Gesprächs-Bereitschaft. Gegenseitig setze man sich matt.

Bulgaren und Rumänen lebten zwei verschiedene Leben: Das eine Leben in der Gegenwart, das andere in der Vergangenheit. Es sei zu hoffen, dass sich beide Staaten von ihrer Vergangenheit lösen könnten. Die Freundschaft zwischen den beiden Ländern sei eine erzwungene, initiiert und gelenkt durch die Interessen Moskaus bzw. der ehemaligen Sowjetunion. Missliche Vorkommnisse nehme man zum Anlass, Erneuerungen zu vermeiden.

Ihre Familien und Freunde würden nicht von der „Freundschaftsbrücke“ sprechen, sondern von der  „Donaubrücke“, wenn ein Treffen geplant sei, für das die Brücke passiert werden müsse. Das koste Geld. Wolle die rumänische Freundin die bulgarische Seite erreichen, müsse sie sechs Euro für die PKW-Anreise zahlen. Viel Geld für sie. Die Gebühren für Busse und Lastwagen lägen weit darüber. Für Bulgarien sei das ein Geschäft.  Rumänen würden die Brücke als Passage nutzen für einen Einkauf im preiswerteren Bulgarien. Im bulgarischen Ruse gebe es Filialen großer Supermarkt-Ketten, die vom Ansturm rumänischer Käufer profitieren würden.

Inzwischen ist eine zweite Donau-Brücke zwischen Vidin auf bulgarischer Seite und dem rumänischen Calafat für den Verkehr freigegeben worden. „Neues Europa“ heißt sie. Der wirtschaftliche Boom, den man erhoffte, bleibt nach Aussage des Crew-Mitglieds mit der rumänischen Freundin aus. Weder auf der bulgarischen noch auf der rumänischen Seite seien Geschäfte, Hotels oder Industrie-Anlagen in Brücken-Nähe geplant. Neuerungen würden hinausgeschoben, bis sie überflüssig geworden seien. Mit den Millionen, die man in den Bau der Brücke investierte, hätte man links und rechts der Donau die Lebensqualität verbessern können.

Den Kreuzfahrt-Teilnehmern blieben die Probleme verborgen. Die Crew-Mitglieder hatten sich um das Wohl  der Passagiere zu kümmern. Streitigkeiten zwischen den Ländern zu beiden Seiten des Stroms zu benennen, was zwei von ihnen taten, war nicht ihre Aufgabe. Daher wurde darüber auch nicht diskutiert. Die Reederei hätte die Mitteilungs-Bereitschaft als Verletzung von Dienstgeheimnissen gesehen und nicht als freundschaftlichen Akt eingestuft.  

Fremdwahrnehmung entspricht nicht automatisch der Selbstwahrnehmung. Das sahen wir ein. In heiteren Frühlingstagen durfte sich die locker-heitere Stimmung an Bord nicht in eine frostige verkehren.

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