Der Präsident

„Unsere Feinde werden zittern vor Angst.“ Vom größten, teuersten, modernsten Flugzeugträger spricht der Präsident. Eintreten soll das nach  Fertigstellung in drei Jahren. Atemberaubendes Vorhaben.

„Seht, so sehen Sieger aus.“ Andere klein, sich selbst groß machen. Unverletzbare Statue. Der Präsident auf dem Weg in die Ruhmeshalle. Ob er noch Präsident ist, wenn er dort angekommen und dem Schicksal der Eintagsfliege entgangen ist? Weiter als bis zum Mond ist bisher niemand gekommen.

Mit lautem Trommeln wird das Revier markiert und die Hilflosigkeit der Feinde beschworen. Dominanz- Gebaren. Macht-Demonstration. Grenzen überschreiten. Einschüchtern. Drohen..

Ein Präsident im Breitwand-Format.

Ein Präsident, beschäftigt mit dem, was ihm am nächsten ist, mit sich selbst. Mut zur Peinlichkeit. Kritische Journalisten und politische Gegner sind feindliche Elemente, abscheuliche Leute.

Muss man seine von wesentlichen Inhalten bereinigten Reden beachten? Weder Vordenker noch Nachdenker. Denk-Schulen unbekannt. Der Verstand muss sich nicht einmischen. Denkt er, dann über andere. Spricht er, dann über sich. Freie Improvisation. Was er sagt, sagt er sich selbst.

Der Selbst-Inszenierer und Selbst-Optimierer  beliebt zu klappern. „Ich gegen den Rest der Welt.“

Als Bewahrer und Beschützer versteht er sich. Konfrontation suchender Interessen-Vertreter, so sehen ihn andere. Er gewinnt, was andere verlieren. Kontakte und gute Beziehungen  überflüssig.

Ungültig ist, was für gut befunden, vereinbart  wurde. Gestern Gesagtes heute hinfällig. Nichts gilt, was galt. Klima-Abkommen und Werte-Gerüste werden geschreddert. Berechenbare Gedankengänge Fehlanzeige.

„Wir leben nach unseren Gesetzen, nicht nach Gesetzen anderer Länder.“ Seit 1791 geltendes Recht auf Waffen-Besitz bleibt unangetastet; Zusage an die Waffenlobby.

 Wenn Elefanten Liebe machen, zertreten sie Gras. Geistesblitze zwischen Anspruch und Utopie. Feines Porzellan taugt nicht für grobe Hände.

Geschichts-Vergessenheit? Wahrnehmungs-Störungen? Lust am Untergang?

Ein auf Eskalation bedachter Alles-besser-Wisser will nicht Kopie eines anderen sein. Von seiner Unverwundbarkeit überzeugt, verschwendet er keine Zeit für Lektionen seiner Vorgänger.

Er braucht keine Erinnerungskultur. Er ist fokussiert auf das Jetzt. An Folgen seines Handelns verschwendet er keinen Gedanken

 „Wunderbare, saubere Steinkohle.“ „Großartiges Land“, in dem wenige viel und viele wenig haben, in dem wenige auf Kosten vieler leben, in dem Reiche mit ihrem Reichtum hausieren gehen.

 „Großartig. Ich wohne im Weißen Haus.“ „Ich erfülle Träume.“ Selbstgewisser Held, daran gewöhnt, durch pompöse Eingangshallen zu schreiten. Ein Narzisst und Twitter-König auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten.

Nicht jeder ist harmoniefähig. Nicht jeder kennt Gesetze des guten Geschmacks. Nicht jeder beherrscht Regeln des Miteinanders. Nicht jeder installiert Antennen, um für die Botschaft anderer empfänglich zu sein.

Jene, die seine Nähe suchen und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen wie  staubende Teppiche; jene, die sich mit ihm in Szene setzen, um seine Anerkennung und Gunst buhlen, werden mit Gesten bei Laune gehalten.

Gesten können in Mode gewesen sein. Jetzt verstehen sie nicht alle. Zeigen die Finger-Pantomimen, wie bedeutsam der Präsident ist? Verjagen sie Dämonen und Geister?

Sind seine Gesten

– Chiffren für das Nullsummen-Spiel seines politischen Kalküls?

– Chiffren für sein Bedeutsamkeits-Gehabe?

– Chiffren für Schrotschuss-Politik: Viele Kugeln abfeuern, damit eine trifft?

– Chiffren für künftige, herrliche Zeiten?

– Chiffren für Zeiten, die Begehrlichkeiten und Wünsche wecken?

Ein Präsident mit unübertroffener Biegsamkeit, moralfreier Zuverlässigkeit, freischwebender Ziellosigkeit.

Ein Präsident, der sich befreit von lästigen Notwendigkeiten.

Der Showmaster genießt seine Auftritte und Unterschriften. Wenn er schweigt, sollte man zuhören und ihn öfter schweigen lassen. Man versteht ihn umso besser, je weniger er sagt.

Wenn er nichts zu sagen hat, entdeckt er sein Mitteilungsbedürfnis und teilt mit, was man weiß: „Seht her, ich mache alles neu.“ „Wenn ihr nicht auf mich hört, höre ich nicht auf euch.“

Muss man ihn gewähren lassen? Muss man den wankelmütigen Umgang mit Vergangenheit und Gegenwart, sein geschmeidiges Verhältnis zur Wahrheit, seinen Wechsel von Überzeugungen und Mitarbeitern hinnehmen wie verregnete Sommer, zu warme Winter, vorübergehendes Unwetter?

„Unser Land produzierte besondere Helden.“ Mit Großtaten aus vergangener Zeit und ehemaligen Helden kennt er sich aus. Weiß er, dass Sieger von gestern Besiegte von morgen waren?

Haben Heldenpreisungen ihren Ursprung  im schlechten Gewissen des Preisenden?

Zum Nachbarn im Süden eine Mauer in Planung. Schutzwall nicht am Existenz-Minimum lebender Viel-Verdiener gegen rechtlose Nichts-Verdiener. Dreitausend Kilometer langer, teurer Zaun.

Empörung im Blätterwald? Globale Aufregung? Aufruf zur Mäßigung?

Man macht sich Gedanken. Diffuses Raunen. Schweigen, wie üblich. Viel mehr sagt man nicht.

Sind Stimmen erstorben? Sind Worte nicht vorrätig? Stockt Sprachmächtigkeit, weil genug geredet wurde? Empörungsmüdigkeit? War nicht bekannt, worauf man sich mit ihm einließ?

Gedämpfter Widerspruch deutet sich an.

Stimmt Salvador Dalis Behauptung, wer andere interessieren will, ist um keine Provokation verlegen? Also verordnet er Stillstand. Shutdown. Die Welt wird so bearbeitet, dass sie zu seinen Vorstellungen passt.

Nicht jeder ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Entpartnerung. Man trifft sich und begegnet sich nicht. Man kommt sich abhanden wie imaginäre Freunde. Was man verhindern will, wird schlimmer.

Es gibt Zeiten, die vergehen, als wären sie nie gewesen. Wie es dazu kam? Rhetorische Frage. Nicht zu pfeifen ist genug gelobt.

2 Kommentare zu "Der Präsident"

  1. Peter Josef Dickers | 7. Juni 2019 um 14:40 | Antworten

    Ein „anderer Präsident“ verbleibt vorerst in der Schublade.

  2. Gerda Laumen | 7. Juni 2019 um 11:29 | Antworten

    Wieso drängt sich mir beim Lesen des Textes eigentlich das Bild eines Gorilla Männchens auf, das sich brüllend mit beiden Fäusten gegen die Brust schlägt.
    Und so ganz im Vertrauen, präsidiale Typen gibt es reichlich. Danke für einen Text mit Geist und Biss.

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