Besorgnisse

Foto: PJD

Sogenannte Fans von Borussia Mönchengladbach beleidigen auf Plakaten den Trainer eines bekannten deutschen Fußball-Clubs. Anti-Sprechchöre sind in der Bundesliga alltäglich. Torhüter werden bei Abstößen bepöbelt. Lieder verunglimpfen gegnerische Klubs.  Schiedsrichter und Ordnungskräfte werden angefeindet.

Sanitäter und Retter im Straßenverkehr müssen sich ebenfalls üble Beleidigungen anhören. Tätliche Übergriffe nehmen zu. In Berlin wurden Rettungssanitäter mit einer Schusswaffe und Reizgas angegriffen. Oft sind die Täter betrunken. Strafverfahren werden eingestellt. Die Hemmschwelle sinkt. Dass jemand helfen will, wird nicht akzeptiert.

In unseren Tagen wird über das Klima debattiert. Welches Klima wollen wir steuern und beeinflussen? Die Art und Weise, wie wir leben, wird nicht durch klimatische Veränderungen hoch über uns in der Atmosphäre entschieden, sondern sehr irdisch im zwischenmenschlichen Bereich.

Eine Klima-Aktivistin segelt an Bord einer Hightech-Yacht nach Amerika. Monatelang habe sie überlegt, wie sie reisen könne, ohne Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe zu benutzen. Es blieb das Segelboot übrig. Sie gönnt sich eine achtzehn Meter lange, mit Solarpaneelen und Unterwasser-Turbinen ausgestattete Yacht. Ein optimierter Renner. Die selbstverständlich uneigennützig handelnde junge Frau lässt sich hoch herrschaftlich begleiten. Dazu sind der Vater und ein Filmproduzent an Bord. Ein Familien-Unternehmen. The show must go on.

So rettet man die Welt? Oder macht man die Welt und sich selbst lächerlich? Wer profitiert von dem Spektakel? Das Klima? Welches Klima? Bestimmte Gruppierungen unserer Gesellschaft? Jene, die das inszenieren?

Andere Gefährdungen bzw. solche, die dafür gehalten werden, sind derweil dem Vergessen anheimgefallen. Die Tihange-Aus-Säule am Mönchengladbacher St. Vith, die zum Protest gegen Atomkraftwerke in Belgien aufrufen soll, wundert sich, dass ihre knallrote Farbe kaum noch Eindruck erweckt. „Die Kraftwerke müssen abgeschaltet werden, weil sie ein Sicherheitsrisiko für 25 Millionen Menschen in der Region darstellen“, hatte ein Zahntechnikermeister erklärt.

Sie können nicht mit dem Klima und dem steten Wechsel des Katastrophenszenarios konkurrieren. Der Zahntechniker muss sich wieder den Zähnen zuwenden. Ob der evangelische Pfarrer, der aus Sorge um die Zukunft seiner Kinder wegen Tihange einen „Denkanstoß“ veröffentlichte, jetzt eher um das „Klima“ bangt, ist nicht bekannt.

Ob uns irgendwann bewusst wird, dass nicht in erster Linie Besorgnisse von außen unser Leben bedrohen, sondern Brüche und Anfeindungen von innen? Unsere zerrissene Welt hat mit uns zerrissenen Menschen zu tun. „Es werde Licht“, lautet ein berühmter Satz der jüdischen und christlichen Bibel. Ob das Licht unsere Einsichtsfähigkeit wieder zum Leuchten bringen wird?

2 Kommentare zu "Besorgnisse"

  1. Peter Josef Dickers | 5. August 2019 um 21:39 | Antworten

    Wenn man zustimmt, Herr Baldes, wird alles vermarktet. So wird ein lukratives Geschäft daraus.

  2. Carsten Baldes | 5. August 2019 um 20:28 | Antworten

    Ziemlich zappenduster finde ich schon, was überall auf der Welt passiert, und ich kann und will nicht mehr alles Geschehen mit Frust auf die Politik zu verstehen suchen. Ratlos bin ich und fassungslos. Was ist mit den Menschen passiert. Das Tier in uns ist erwacht?
    Was Aktivistin Greta angeht, konnte und kann ich bei Fridays for future zu jeder Zeit hinter den Schülern stehen. Was das junge Mädel jetzt macht, geht mir entschieden zu weit. In meinen Augen dient sie ihrer Sache damit in keiner Weise, im Gegenteil. Die Akton ist wohl eher kontraproduktiv

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