„Liebe Frau vom heilgen Pesch‘chen keinem ihre Hilf‘ verwehrt“ –
Die Wallfahrtskapelle in Mönchengladbach-Hehn / Heiligenpesch

 „250 Kinder aus Mönchengladbacher Kindergärten brachen zur Sternwallfahrt in den Marienwallfahrtsort Hehn auf.“ „35. Betgang von über 600 Schützen und Gästen zum Marienheiligtum in Hehn.“

Religiöses Brauchtum wird in „gutem Glauben“ nicht nur in unserer Gegend gepflegt. „Heut‘, in glaubensarmen Zeiten, prangt Marias Wunderbild schön im traulichen Kapellchen.“ Nicht von gegenwärtigen „glaubensarmen Zeiten“ ist die Rede. Leonard Küppers erwähnt sie im Jahr 1896 in seiner Schrift „Die Gründung des Heiligen Peschs“.

Die offizielle Katholische Kirche tut sich zuweilen schwer mit dem Brauchtum. Sie erlässt „Richtlinien zur Volksfrömmigkeit“ und verlangt, „dass die kulturellen Ausdrucksformen mit den Gesetzen und Formen der Kirche im Einklang und in Übereinstimmung mit der Liturgie stehen müssen.“ Den Pilgern und Pilgerinnen werden solche Erklärungen wahrscheinlich nicht so wichtig erscheinen. Für viele steht fest „Maria hat geholfen“. „Herzlichen Dank für glückliche Heimkehr aus russischer Gefangenschaft“. „Dank der lieben Gottesmutter für Hilfe in schwerer Krankheit“. „Innigen Dank der Gottesmutter für Erhörung“. Die Wände im Innenraum der Kleinen Wallfahrtskapelle sind mit vielen Dank-Tafeln versehen, unabhängig davon, ob eine kirchliche Instanz den Wahrheitsgehalt der Aussagen überprüft hat.

Frömmigkeit lässt sich nicht „verordnen“. Man muss es nicht gut finden oder unterstützen, wenn in Wallfahrtsorten meterweise Marien-, Heiligen-Figuren und gesegnete Rosenkränze  in allen denkbaren und undenkbaren Ausführungen zum Verkauf angeboten werden. Fromme und noch frömmere Christen könnten besorgt sein, wenn eine allzu üppige Marien- und Heiligen-„Verehrung“ in „Anbetung“ umschlägt und den „lieben Gott“ in den Hintergrund drängt. Der müsse „keine anderen verehrungswürdigen Götter“ neben sich dulden. „Maria hat geholfen“ – dafür sei Maria nicht zuständig, kritisieren jene, die sich auskennen mit religiös-kirchlichen Zuständigkeiten.

„Habt keine Angst“ war das Leitwort einer Nachtwallfahrt nach Hehn. Es ging um persönliche Ängste und Sorgen, auch um das Gefühl allgemeiner Verunsicherung durch Terror und weltweite Krisen. Diese Thematik zu gestalten und in Formen zu gießen, die den Pilgern vor Ort etwas bedeuten, braucht keine amtskirchlichen, liturgischen Maßvorgaben.

„Wir haben keine Angst.“ Das sollten alle denken und laut sagen, die von den aktuellen Verlautbarungen der Vatikanischen Behörde hören. Der Vatikan weist die Deutsche Bischofskonferenz in die Schranken. „Trefft keine deutschen Entscheidungen“, fordert er die deutschen  Bischöfe auf. „Der Papst entscheidet“ „Die Kirche ist nicht demokratisch strukturiert.“ Der Kölner Kardinal und mit ihm etliche Helfershelfer möchten dem Reformprozess in der Kirche Einhalt gebieten.

Vielleicht wird demnächst eine neue Dank-Tafel die Kapellen-Wände schmücken: „Dank der Gottesmutter, die uns ermutigte, Bevormundung zu hören und zu überhören.“ „Hier an diesem stillen Orte, wird Jahrhunderte verehrt, Liebe Frau vom heilgen Pesch‘chen keinem ihre Hilf‘ verwehrt.“ Papst Franziskus ermunterte die Bischöfe im Amazonasgebiet, „mutige Vorschläge“ für die Erneuerung der Kirche zu formulieren. Wenn sie schon mit ihren Überlegungen begonnen haben sollten oder bereits welche gemacht haben, gingen sie im Regenwald verloren oder sind in den Fluten des Amazonas abgetaucht. Die kirchlichen Ideen-Schmieden bleiben geschlossen.

„Maria hat geholfen“, auch wenn sie nicht zuständig sein sollte. Bis auf das 16. Jahrhundert lässt sich die Hehner Marienverehrung zurückdatieren. Die Muttergottesstatue und die bunten Glasfenster erzählen Geschichten von frommen und weniger frommen Menschen, die hier beteten oder wortlos der Gottesmutter ihre Anliegen vortrugen. Die Kapelle legt Zeugnis ab von vielen kleinen und großen Wallfahrern, die hier Kraft und Mut geschöpft haben.

Vermutlich werden sie auch heute noch erhört in einer Welt, die unübersichtlich geworden ist und nicht immer Orientierung bietet. Sie dürfen „guten Glaubens“ sein. Auch wenn das denen nicht gefällt, die sich selbst und ihre Ordnungsprinzipien für zuständig halten, weil nur sie angeblich „im wahren Christentum“ sind.

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