Wehrt euch

Das müssen sich katholische Christen nicht gefallen lassen. Autoritäres Amtsgehabe eines Kardinals muss sich niemand gefallen lassen. Dagegen sollte sich jeder auf seine Weise zur Wehr setzen.

Aus dem Aachener Bistum, zu dem wir in Mönchengladbach gehören, vernimmt man lautes Schweigen. Und das, seitdem das Verfahren gegen den Düsseldorfer Stadtdechanten anhängig ist. „Muss man nicht“, wird man dort verkünden; „betrifft uns nicht.“

Betrifft uns sehr wohl. Betraf uns schon, als ein hiesiger Pfarrer ohne Einbeziehung seiner Mitbrüder „von oben herab“ zum Regionalvikar ernannt wurde. „Der Bischof macht das eben anders“, erklärte der neue Amtsinhaber.

Bischöfe und Kardinäle sind also allein verantwortlich für das Wohl und Wehe der ihnen Anvertrauten. Sie handeln nach eigenem Gutdünken „eben anders“. Wie Gottesgnadentum. In welcher Zeit, in welcher Kirche leben wir? Die Welt ist eine andere geworden. Die Kirche ist nicht die Kirche von gestern. Nicht nur das Vertrauen in politische Normen, auch der Glaube an die Institution Kirche steht auf dem Prüfstand.

Ich wiederhole eine von mir gemachte Aussage:

Jahrhunderte hindurch haben Päpste, Bischöfe und Priester Kinder gezeugt, trotz ihrer Verpflichtung zum Zölibat. Als ich meinen Antrag auf Laisierung stellte, lautete die erste Bemerkung: „Wie alt ist Ihr Kind? Wir kommen dafür auf.“ Bis heute sind meine Frau und ich kinderlos. Inzwischen gibt die amtliche Kirche zu, dass es viele Priester-Kinder gibt.

Bei all dem ist aus Sicht der Kirche natürlich „kein Vertrauen zerstört worden“.

Autoritäres Gehabe in Staat, Gesellschaft und Kirche schafft die Zukunft ab, spielt das Schaukelpferd-Spiel, vertieft Gräben, in denen das Vertrauen verschwindet. Das Vertrauen in den vom Amt entbundenen Pfarrer sei „nachhaltig erschüttert“, begründet der Kardinal seinen Schritt. Mit welch seriöser Prüfung und mit welchem Kirchenvolk hat er das festgestellt?

Waren es ähnlich schmallippige Berater wie jene, die das kardinale Ein-Mann-Theater gegen den gemeinsamen Kommunion-Empfang christlicher Eheleute unterstützten?

Die Gemeinde des betroffenen Pfarrers liebt ihren Pastor. Sie schätzt ihn. Sie vertraut ihm. Sie möchte, dass er weiterhin ihr Pfarrer ist. Muss Amtskirchen-Dünkel das nicht zur Kenntnis nehmen?

Ja-Sager werden gesucht. Besenreiner Katholizismus wird propagiert, der vorschreibt, woran sich andere zu halten haben. „Fürsorgliche Belagerung“, nannte es Heinrich Böll.

Entgeht solchen „Hirten“, die ihre Befehlsansprüche geltend machen, dass die „Demut“ ihrer „Schafe“ den „Mut“ einschließt, anders zu handeln, als es die „Hirten“ erwarten?

Ich bin und bleibe Mitglied dieser Kirche, für die ich lange tätig war und für die ich, ohne es an die große Glocke zu hängen, immer noch auf meine Weise tätig bin. Aber ich wehre mich.

Wehrt euch, wer immer ihr seid und wo immer ihr Verantwortung tragt. Wehrt euch in angemessener Weise. Aber wehrt euch.  

5 Kommentare zu "Wehrt euch"

  1. Das Thema beschäftigt mich schon eine ganze Zeit und ich find es gut,es an de Öffentlichkeit zu bringen. Ich habe viel in der Presse darüber gelesen und bin entsetzt wie Kirche mit ihren Priestern umgeht. Danke für den Artikel von Peter Josef Dickers!

  2. Peter Josef Dickers | 20. September 2019 um 10:12 | Antworten

    „Kein Abschied auf der Welt fällt schwerer als der Abschied von der Macht.“ (Charles-Maurice de Talleyrand). Das gilt für jeden von uns; das zeigt sich in Politik und Gesellschaft. Ohn-Macht bringt allerdings auch nicht weiter.

    Daher gefällt mir im positiven Sinn eine Aussage von Francois Mauriac: „Auch ein Einzelner Mann kann eine Großmacht sein.“

    Von solcher Großmacht sollte jeder nach seinen Möglichkeiten Gebrauch machen. Daher sind Sie, Frau Woyber, nicht machtlos. Ihr Beitrag, den Sie öffentlich machen, zeigt das. Eine Gruppe, eine Kirche, einen Verein durch Austritt verlassen, Herr Hauser, nimmt einem die Chance, sich mit deren Anspruchsdenken auseinanderzusetzen. Dem stimme ich zu. Daher wird mich die Kirche nicht los.

    Es ist mühsam, anderen die Stirn zu bieten, aber zumindest ist es ein Signal an die scheinbar Mächtigen: „Eure Lust an der Macht hat ihren Ursprung nicht in eurer Stärke, sondern in eurer Schwäche.“ (Erich Kästner) Das beweist der Kardinal, der es nicht wagt, mit seinen Amtsbrüdern und der kirchlichen Öffentlichkeit in einen fairen, offenen Wettstreit zu treten.

  3. Die Ungeheuerlichkeit offen anprangern. Was könnte der Einzelne tun? Ich fühle mich mindestens so hilflos, wie bei allem Tun der Politik. Nur habe ich da wenigstens die Möglichkeit, bei der Wahl zu zeigen, was mir nicht passt. Austreten aus einem Verein, der sich Kirche nennt, in dem es von Alters her aber auch nur um Macht und Einfluss geht? In diesem Fall ist eine ganz persönliche Fehde offensichtlich. Daß ein Vertreter Gottes auf Erden sich anmaßt, härter zu urteilen als der, den er vertritt, ist skandalös und inakzeptabel. Austreten kann nicht die Lösung sein. Die Machtgier wird nicht aufhören, und letztendlich ist Kirche mehr als geltungssüchtige Mitraträger. Aber die Reihen der Mitglieder werden sich weiter lichten.

  4. Wir wollen dies uns auch nicht gefallen lasse. Doch wie dagegen vorgehen?
    Es ist schon hilfreich, wenn Menschen wie Sie das Thema in die Öffentlichkeit bringen.
    Danke dafür.

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