Einladung beim Bundespräsident. Deutsch-türkischer Sternekoch Ali Güngörmüş

„Schau in die Sonne, schau in den Tag“. Die Übersetzung des türkischen Familiennamens „Güngörmüş“ sagt einiges aus über Ali Haydar Güngörmüş, deutsch-türkischer Michelin-Sternekoch, Buchautor, Fernseh-Preisrichter und Fernseh-Koch. Wenn es am 5. November im Schloss Bellevue beim Bundespräsident um „Erfolgsrezepte in Ost und West“ geht, will Journalist Jörg Thadeusz mit ihm und Maria Groß ins Gespräch kommen.

In „Pageou“, ein Dorf in Ostanatolien, sprichwörtliches Hinterland im Osten der Türkei – Armenien und der Iran sind  nicht weit entfernt – verbrachte er seine Kindheit. Großfamilie. Kleiner Bauernhof mit Obstplantage und Vieh. Kein fließendes Wasser. Kein elektrischer Strom. Diese Herkunft hat ihn geprägt. Der Vater arbeitete seit Beginn der 1960er Jahre als Gastarbeiter in München. Die Familie zog 1986 zu ihm. Seitdem ist Ali Güngörmüş dort zuhause. Nicht im Nirgendwo. „Zuhause ist da, wo das Herz ist“, fügt er mit schlichten Worten hinzu.

Die Verbundenheit mit seinem Geburtsland ist Bestandteil seiner Person geblieben. So anspruchslos, wie er aufgewachsen ist, so  selbstverständlich sagt er von sich. „Ich bin kein Star. Ich bin nur ein Koch.“ „Das sagt er nicht nur, er ist so“, wissen jene, die ihn näher kennen. Maskerade sei ihm fremd.

Familien-Zugehörigkeit ist ihm wichtig, „weil sie Halt und Stabilität gibt“. Seine Frau Stefanie Schöner und die beiden Kinder tragen dazu bei. Als eine Mutter ihn einmal fragte, wie ihr Sohn Fernsehkoch werden könne, lautete die lapidare, aus eigener Erfahrung gewonnene Antwort, er solle daheim kochen lernen, das sei ein guter Anfang. „Eigener Herd ist Goldes wert.“

Ali Güngörmüş deutet damit indirekt an, was zu seiner Einladung in die Gesprächsreihe„Erfolgsrezepte in Ost und West“ beigetragen haben könnte: Aus etwas Kleinem kann  Großes werden. Auf dem Weg dahin musste er sich „durchboxen“. Seine positive Lebenseinstellung half ihm dabei. Ehrgeizig, zielstrebig, sozial – so charakterisiert er sich.

„Schau in die Sonne, schau in den Tag“. Aus Ali Güngörmüş ist „Großes“, ein „Großer“ geworden. „Chef saucier“. „Chef de Partie“. Küchenchef in anerkannten Restaurants. Seit 2005 Küchenchef des „Le Canard Nouveau“ in Hamburg – eine Fein­schme­cker-Adres­se, aber kein „Gourmettempel“, der Schwellenangst erzeugt. 2014 Eröffnung des Restaurants „Pageou“ in München, in dem Alis türkischer Geburtsort Pageou gleichsam zu neuem Leben erwacht. Ein Erfolgsrezept „hinten weit in der Türkei“ neu belebt im Westen.

Erinnerungen hat er an die Lammgerichte seiner Mutter und an das auf dem Boden gebackene Brot seiner Großmutter. Kreativ entwickelte der Genuss-Mensch Ali Güngörmüş in seiner Erlebnisküche die alten Rezepte weiter. Er liefert keine Fertig-Bausätze. Manchmal umgibt er sie, wie Feinschmecker behaupten, mit einem „Hauch von 1001 Nacht“. Vielsagend seine Publikation „Meine Türkische Küche“, obwohl er, wie er gesteht, „nie richtig türkisch kochen gelernt habe“. Aber er spricht von „seiner“ türkischen Küche.

Maria Groß und Ali Haydar Güngörmüş – zwei „Erfolgsrezepte in Ost und West“. Es dürfte sich lohnen, ihnen nachzueifern.

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