Allerheiligen

Die Stadt Soest feiert Allerheiligen-Kirmes. Die dortige, seit der Reformation evangelische St. Petri-Kirche wurde an einem Allerheiligentag geweiht – Anlass damals, ein Fest zu feiern, „das den einfachen Leuten die Gelegenheit zur Abwechslung gab und den Betuchten die Möglichkeit, ein gutes Geschäft zu machen.“ Nachzulesen in der Brauchtums-Geschichte.

Mehr als sechstausend Personen hat die Katholische Kirche bisher heiliggesprochen. So viele Tage hat das Jahr nicht. Daher schuf man einen Feiertag, um sie gemeinsam zu würdigen.

Wie wird man „heilig“? Ursprünglich, indem man sein Leben für die Botschaft des Christentums opferte. Außer solchen „Märtyrern“ konnten ab dem 8. Jahrhundert „heiliggesprochen“, „zur Ehre der Altäre erhoben werden“, Menschen „die ihren Glauben still gelebt und ihr Christsein konsequent verwirklicht hatten“. An ihnen sollte man sich orientieren können, durch sie Impulse für die eigene Lebensgestaltung erhalten.

Man muss nichts „Besonderes“, nichts „Ungewöhnliches“ leisten, um in die Schar derer aufgenommen zu werden, die  „verehrungswürdig“ sind. Wir alle haben die Chance, „heiligmäßig zu leben“, auch wenn wir in aufregender Weise ein scheinbar ereignisloses Leben führen.

Kamillus von Lellis war so einer. Sohn eines Offiziers im 16. Jahrhundert. Leidenschaftlicher Spieler und schnell bettelarm. Er wurde in einem Krankenhaus für unheilbar Kranke in Rom als Hilfskraft angestellt, wegen seiner Streit- und Spielsucht bald gekündigt. Dann engagierte er sich beim Bau eines Kapuzinerklosters. Man nahm ihn als Laienbruder auf, entließ ihn wieder wegen einer damals nicht behandelbaren Wunde.

Kamillus ging zurück nach Rom und wurde Krankenpfleger. Wegen seiner Zuverlässigkeit und Geduld ernannte man ihn schließlich zum Hospitalmeister. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete er 1582 die „Regular-Kleriker der Diener der Kranken“, die „Kamillianer“. Sie versprachen, auch unter Lebensgefahr Kranke zu pflegen, selbst die Pestkranken.

Allerheiligen. Gedenktag nicht nur der Märtyrer, sondern vieler Alltagsheiliger. Papst Franziskus sprach kürzlich die Freiburger Schneiderin und Bäuerin Marguerite Bays „heilig“. Auch unsere Chancen stehen nicht schlecht, wenn wir die alltägliche Verantwortungs-Bereitschaft ernstnehmen und verwirklichen – vielleicht sogar so, dass Mitmenschen sich an uns orientieren.

Sich des Lebens zu erfreuen, hin und wieder „gute Geschäfte zu machen“ oder in Soest die Allerheiligen-Kirmes zu feiern, stehen dazu nicht im Widerspruch.

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