Beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue

v.l.: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier; ein eingeladener Vertreter des Handwerks und das Mönchengladbacher Ehepaar Veronika und Peter Josef Dickers

Über Bundespräsident Frank Walter Steinmeier wusste ich etwas aus Berichten über ihn, Reden von ihm, Interviews mit ihm. Politisch-gesellschaftliche Fakten in der Regel: „Der Herr Bundespräsident wünscht.“ „Der Herr Bundespräsident hat angeordnet.“

Gelegentlich drangen auch solche Informationen an mein Ohr:

–  Der Bundespräsident zieht sich für einige Wochen aus der Politik zurück, um seiner Frau Elke Büdenbender eine Niere zu spenden.

–  Als er als Außenminister um Mitternacht von einer Auslandsreise heimkam und anschließend bis zwei Uhr mit seiner Tochter Ikea-Regale aufbaute, äußerte sich seine Frau: „Dieser Mann kann nur ein toller Typ sein.“

–  „Verratet es keinem“, vertraute er Kindern an. „Wenn ich in langen Sitzungen bin, male ich gern kleine Bilder. Mal sind es Menschen und Tiere, mal sind es Pflanzen und Häuser. Am liebsten zeichne ich Elefanten.“

Im Schloss Bellevue, seinem Berliner Amtssitz, erlebte ich ihn und seine Frau Elke Büdenbender persönlich, als sie ihre Gäste begrüßten:

– Vertreter von Institutionen, die sich mit der Aufarbeitung der vergangenen dreißig Jahre Deutsche Geschichte beschäftigen. Viele Zeugen der friedlichen Revolution sind alt oder schon tot. Es ist wichtig, aus der Gegenwart heraus die Neugier auf das Leben davor zu wecken.

– Bürger aus den Partnerstädten Halle und Karlsruhe. Unter­stüt­zt durch den damaligen Minis­ter­prä­si­den­ten Lothar Späth nahm Karlsruhe vor der Wende Kontakt mit Halle auf. Karlsruhe war eine der ersten westdeut­schen Städte, die eine Städte­part­ner­schaft mit einer Stadt im Osten Deutsch­lands einging.  

– Unternehmer und Handwerker.
– Schüler eines Oberstufenzentrums in Berlin-Kreuzberg.  

Bei mir „ergab sich nichts anderes“. Zusätzliche Hinweise enthielt die Einladung: „Es werden Foto- und Filmaufnahmen gemacht, auf denen Sie abgebildet sein können für Öffentlichkeitsarbeiten des Bundespräsidenten.“ „Planen Sie genügend Zeit für die Sicherheitskontrolle ein.“ Als Staatsoberhaupt gilt für den Bundespräsidenten die höchste Gefahrenstufe. Für mich hieß das: Passkontrolle an der Eingangspforte Hauptwache und Sicherheitsschleuse. Wie am Flughafen.

Ein paar „Formalitäten“ waren vorher zu erledigen. „Aus Sicherheitsgründen müssen wir im Vorfeld des Termins Vor- und Zunamen sowie Ihr Geburtsdatum und Ihren Geburtsort erheben und an die mit der Sicherheitskontrolle beauftragten Stellen weiterleiten, die diese im Rahmen ihrer Befugnisse verarbeiten und in der Regel unverzüglich löschen, soweit sich gesetzlich nichts anderes ergibt.“

Gast im Schloss Bellevue zu sein, in dem sich Könige, Staatschefs und Gäste aus aller Welt ein Stelldichein geben, war kein alltägliches Ereignis für mich. Ich fühlte mich geehrt. Auf Wohlstandsdekor, Prunk und Pomp verzichtet das Schloss Bellevue, der frühklassizistische Bau am Berliner Tiergarten. Im Zweiten Weltkrieg brannte es fast völlig aus. Es wurde wieder aufgebaut und später mehrmals restauriert. „Prunk und Pomp“, Titel wie „Hoheit“ oder „Majestät“ würden auch nicht zu diesem Präsidenten-Ehepaar passen.  

Schnell wurde klar, welches Präsidenten-Ehepaar uns erwarten würde. Am Ende der großen Treppe zum Aufgang in die oberen Säle, vorbei am Reitergemälde von Friedrich Wilhelm III., lernten wir einen zwanglosen und unaufgeregten Präsidenten kennen. Seine Gattin, Frau Büdenbender, nahm mit den etwa sechzig Zuhörern im Halbkreis vor dem Rednerpult Platz. Der Vorgang hatte etwas Selbstverständliches an sich und verriet im Nachhinein, warum uns vorher niemand über „Regeln und Fallstricke des Benimms“ belehrt hatte. Man schien davon auszugehen, dass Einladende und Gäste sich gegenseitig respektieren.

Elke Büdenbender,
Ehefrau des Bundespräsidenten

Vielleicht hatte die wohltuende Atmosphäre auch damit zu tun, dass auf Ansehen und Titel bedachte Diplomaten und Salonlöwen, „Durchlaucht“ und „Spektabilitäten“, nicht anwesend waren. Andererseits darf man diesem Bundespräsidenten zutrauen, jemandem, der ein hohes Amt bekleidet, angemessen zu begegnen.

Darauf musste er an diesem Vormittag nicht bedacht sein. Seine kurze Begrüßungsansprache, die Wahl seiner Worte, seine gelassene Souveränität verrieten den Menschen Frank Walter Steinmeier. Der aus kleinbürgerlichem Milieu im ländlichen Kreis Lippe stammende Sohn eines Tischlers und einer heimatvertriebenen Fabrikarbeiterin hat seine persönliche Geschichte mitgenommen in die vielen Stationen, die ihn bis ins Schloss Bellevue geführt haben.

Vergleichbares erlebte ich, als ich beim ausklingenden Empfang im Anschluss an die Veranstaltung Frau Büdenbender auf die Begrüßungsrede ihres Mannes ansprach. Sie bot spontan an, mir die Ansprache per mail zuzuschicken, um sie bei MG-heute verwenden zu können. Als sie meine Überraschung registrierte, mit der ich ihr Angebot aufnahm, bezog sie sich mit ein paar Sätzen auf ihre Lebensgeschichte: Wie ihr Mann stamme sie nicht aus hochherrschaftlichen Verhältnissen. Sie habe gelernt, auf einfache Fragen einfache Antworten zu geben.

Sie sagte es und erkundigte sich nach meinen eigenen Lebensdaten, auf die sie mit Erstaunen reagierte.

Dieser Vormittag im Schloss Bellevue wird in mir nachklingen – auch deshalb, weil ich einen persönlichen Beitrag einbringen durfte. Ich werde darüber berichten.

1 Kommentar zu "Beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue"

  1. Wilhelm und Ursula Pralat | 6. November 2019 um 08:04 | Antworten

    Ich gratuliere Vroni und Peter Josef zu diesem Besuch in Berlin und zu dem Empfang beim Bundespräsidenten und seiner Ehefrau! Ich hoffe, dass ich noch mehr von dem Besuch hören werde. Bis zu unserem nächten Treffen grüßt herzlich
    Ursula Pralat und natürlich auch Willi Pralat

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