Rathausneubau: Grüne lehnen Siegerentwurf ab

Karl Sasserath, Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Mönchengladbach erklärt:

„Wer den Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs für den Rathausneubau als neuen Verwaltungsstandort in Rheydt favorisiert, muss sich zunächst einmal fragen lassen, was denn dieser Entwurf an Verbesserungen für Rheydt bringt. Ist ein geschlossener gläserner Verwaltungsriegel mit einer Länge von zweihundert Metern, der sich von der Limitenstraße bis zur Harmoniestr. zieht, architektonisch, städtebaulich und wirtschaftlich ein Gewinn für Rheydt?
Ein Entwurf für einen Rathausneubau, der 160 Millionen Euro kosten soll, als Siegerentwurf zu küren, der sich in den funktionalen Bedürfnissen der Stadtverwaltung erschöpft, halte ich nicht für akzeptabel. Kann ein Entwurf, der für die städtebaulichen Erfordernisse in Rheydt keine nachhaltige Qualitätsverbesserung bringt, meine Unterstützung als Ratsmitglied oder die der grünen Fraktion finden? Um es vorab zu sagen: Nein, das kann er nicht!

Hier die Gründe für die Ablehnung und wesentliche Kritikpunkte am Entwurf:

1.) Bisher existieren mit der Straße am Neumarkt und der Marktstraße zwei Straßenräume, die in einem akzeptablen stadträumlichen Abstand eine barrierefreie Durchlässigkeit von der Stresemannstraße zum Marktplatz und zur Marktstraße sicherstellen. Sollte der Siegerentwurf in der jetzigen Form verwirklicht werden, tritt an die Stelle der heutigen Durchlässigkeit ein geschlossener Verwaltungsriegel mit einer Länge von zweihundert Metern, der sich von der Stresemannstr. bis zur Marktstraße undurchlässig hinzieht. Wenn heute in Rheydt noch etwas stimmt, dann sind es die gegebenen Bewegungsflüsse im innerstädtischen Raum. Bewegungsfreiheit und Barrierefreiheit sind zwei wesentliche Qualitäten im heutigen Stadtraum, die der Siegerentwurf zerstört.

2.) Mit großem politischen Einsatz konnten das Karstadt-Warenhaus am Rheydter Marktplatz und die Arbeitsplätze bei Karstadt Rheydt mit Hilfe der Stadt und der Stadttochter EWMG gerettet werden. Zwischen Karstadt und der städtischen Immobiliengesellschaft EWMG als Eigentümerin besteht ein langfristiger Mietvertrag. Dieser Mietvertrag garantiert der Firma Karstadt den Betrieb des Warenhauses in dem Kaufhaus mit seinen Abmessungen und allen gegebenen Funktionalitäten.

Der jetzige Siegerentwurf greift massiv in die räumlichen Zuschnitte des heutigen Karstadt-Warenhauses ein. So wird ein großer Teil der heutigen Geschäftsfläche benötigt, die sich in der Parterre bzw. im ersten Obergeschoss des Karstadt-Warenhauses entlang der Front am Marktplatz Rheydt befindet, um den Neubau des Verwaltungsrathauses zu verwirklichen.

Der Wegfall dieser heutigen Verkaufsflächen bei Karstadt Rheydt für den Verwaltungsneubau soll kompensiert werden durch den Wegfall der Straße Am Neumarkt bzw. deren Überbauung bzw. der kompletten Schließung der heutigen Durchgangsfläche für Fußgänger*innen, Radfahrer*innen usw.. Gleiches gilt auch für die Schließung des Teilstückes der Marktstraße zwischen Limitenstraße und Marktplatz Rheydt. Die Schließung dieses Teilstückes greift zudem massiv in die heutige Anlieferungsstruktur von Waren für Karstadt durch Lieferanten über die heutige Markstraße ein.

3.) Der Siegerentwurf erschöpft sich autistisch in den funktionalen Bedürfnissen einer Verwaltung. Bekanntlich sind die Nutzungszeiten einer Verwaltung auf die Geschäftszeiten tagsüber von montags bis freitagsmittags beschränkt. Sollte der Verwaltungskörper von einer Länge mit zweihundert Meter, wie es der jetzige Siegerentwurf vorsieht, verwirklicht werden, steht ein riesiger Verwaltungskörper über große Zeitstrecken und an den Wochenenden im Zentrum der Rheydter Innenstadt unbelebt und funktionslos herum.

Was die Innenstadt Rheydt braucht, ist aber eine starke städtebauliche und kulturelle Belebung. Diese zwingenden Erfordernisse bleibt der jetzige Siegerentwurf auf ganzer Strecke schuldig. Weder versucht der gekürte Siegerentwurf über die Integration von Flächen noch durch die Verbindung von kulturell/künstlerischen, sozialen, gastronomischen, sportlichen und ökologischen Nutzungen oder Wohnzwecken dienend, einen Beitrag zur nachhaltigen städtebaulichen und dringend nötigen Belebung der Rheydter Innenstadt zu leisten. Selbstverständlich wird die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Mönchengladbach sich immer konstruktiv für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten der Stadtverwaltung einsetzen. Nur ist aber ein Siegerentwurf, der anstelle von Qualität auf Maße setzt, alles andere als ein Gewinn für Rheydt und damit für die Gesamtstadt. Ein Entwurf, der sich für 160 Millionen Euro in der zeitweiligen zentralen Konzentration von 1.400 Verwaltungsmitarbeiter*innen erschöpft, kann von unserer Fraktion nicht unterstützt werden. Wir Grüne setzen uns vielmehr für ein politisches Verfahren ein, das der Öffentlichkeit alle Entwürfe präsentiert, das die Bürger*innen der Stadt in der nötigen Breite informiert und deren Bedürfnisse bei Planung und Umsetzung angemessen berücksichtigt.“

2 Kommentare zu "Rathausneubau: Grüne lehnen Siegerentwurf ab"

  1. Heinrich Schmitz | 24. November 2019 um 21:50 | Antworten

    Dieses Rathaus wird mehr Kosten als 160.000.000 € es ist total überdimensioniert.
    In einem Artikel der RP wurde geschrieben das bei einem Neubaupreis von 163.000.000 €
    ein Neubau billiger wäre als eine Sanierung.
    Bei einer Werbeveranstaltung (Rheydter Gespräche mit Herr Offermann) in der Bücherei in Rheydt zum Thema Rathaus Rheydt wurde schon von Baukosten 220.000.000 € gesprochen.
    Das sind die Preisgelder für die Entwürfe und den Siegerentwurf noch nich enthalte !
    Wir haben wichtigere Projekte in Mönchengladbach: Kaputte Brücken, Straßen, Schulen, Kindergärten und die Feuerwache in Rheydt braucht ein neues Gerätehaus der Bahnhof in Rheydt muss erneuert werden. Es wäre sinnvoll einen Teil der Rathaus Verwaltung in den HBF Rheydt unterzubringen und die Polizei und Bundespolizei.
    Durch die Digitalisierungen werden weniger Arbeitsplätze gebraucht. Das Rathaus wird die Stadt nicht voran bringen im Gegenteil er wird der Untergang der Stadt sein die Abrisse und Neubauten werden Jahre lang dauern und den Einzelhandel vernichten. Weil keiner mehr in die Stadt fahren wird. Die Stadt hat 1.000.000.000 € Schulden Wir haben in Rheydt Armut Zuwanderung das belastet den Haushalt im Jahr 2019 39 % mit steigender Tendenz.
    Mönchengladbach ist eine Provinzstadt nicht Berlin oder Hamburg. Herr Dr. Bonin war schon in Düsseldorf tätig warum musste er gehen ? Er möchte noch viele Projekte verwirklichen einige sind schon Erfolglos umgesetzt worden Roermonder Höfe !
    Das ehemaliges Gelände des Maria Hilf.
    Er möchte mehr Einwohner nach Mönchengladbach locken. Ja es kommen viele neue Bürger die unser Sozialsystem belasten.
    Die Bürgern werden belogen es ist schon beschlossene Sache das Rathaus wird kommen
    die Stadtsparkasse Rheydt ist schon für 7.000.000 € an die Stadt MG verkauft worden. Und der Abriss wird auch nochmal Millionen € Kosten. Für das Geld könnte man das Rathaus sanieren.
    Es ist unnötig die gesamte Verwaltung Zentral in Rheydt Unterzubringen. Das führt zum Verkehrschaos und zu erhöhter Umweltbelastung. Wo sollen die Mitarbeiter Parken. Die Wunschträume das die Städtischen Mitarbeiter mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit kommen wird nicht eintreten.

    • mehr sachlichkeit | 29. November 2019 um 15:10 | Antworten

      ich halte den beitrag für polemisch und und einzuordnen in die kategorie meinungsmache.
      eine stadt braucht ankerbauten und eine zeitgemäße identität die sich aus historischen wie zeitgemäßemn bauten speist und nicht nur reparaturen der nachkriegsbauten. ich halte das neue rathaus für eine gute sache, der entwurf ist top und der aspekt von nachhaltigkeit und cradle to cradle wird hier bestimmt gut umgesetzt. schon jetzt erzeugt dieses konzept eine positive ausstrahlung weit über nrw hinaus.

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