Offener Brief an OB Reiners

Offensichtlich will die Stadt die Mittagsverpflegung an den Mönchengladbacher Schulen vereinheitlichen.
Wohl aus diesem Grund (Annahme der Redaktion) kündigte sie den Nutzungsvertrages der Verkaufsstelle an der Gemeinschaftsschule Espenstraße in Rheydt. Ein Mangel bei der bisherigen Verpflegung ist weder erkennbar noch bekannt.
Einen Grund hat die Stadt im Kündigungsschreiben nicht benannt.

Hinter dieser trockenen Formulierung verbirgt sich ein Projekt, dass überaus erfolgreich ein Schulessen aufgebaut hat, dass seinesgleichen in der Stadt Mönchengladbach sucht. Ein Projekt, dass von engagierten Eltern aufgebaut wurde.
Der offene Brief ist mit der Hoffnung verbunden, dass die Kündigung wieder zurückgenommen wird.
Der Offene Brief:

Sehr geehrter Herr Reiners!

Am 5.12.2019 wurde der Tag des Ehrenamtes gefeiert. Viele gute Beispiele wurden vorgestellt. Die vielfältige Arbeit der Menschen, die sich ehrenamtlich betätigen, wurde entsprechend gewürdigt.

Am 6.12.2019 saß ich mit den Mitgliedern des Cafeteriavereins an der Gesamtschule Espenstraße zum Jahresausklang zusammen.
Seit meine Kinder zur Schule Espenstraße gegangen sind, habe ich mich im
Cafeteriaverein engagiert. Habe Brötchen geschmiert und die Kinder an der Ausgabestelle bedient. Von 2004 bis 2015 war ich Vorsitzender des Vereins.
Ehrenamtlich!

Auf dem Jahresausklang habe ich erfahren, dass die Stadt Mönchengladbach dem Verein den bestehenden Nutzungsvertrag aus 2000 über die Nutzung der Küche und der Mensa für die Erstellung eines Frühstückangebotes und der Mittagsverpflegung zum 30.06.2021 gekündigt hat.
Die Kündigung hat mich empört und ich habe lange überlegt, wie ich damit umgehe.
Ich habe mich dann zu diesem offenen Brief an Sie entschlossen, weil ich das Vorgehen der Stadt in dieser Frage als ein Schlag ins Gesicht des Ehrenamtes empfinde.
Mit Gründung der Gesamtschule Espenstraße hat sich der Verein um die Ernährung der Kinder gekümmert.
Ehrenamtlich!
Zuerst mit einem Frühstücksangebot.
Nachdem über Jahre das Mittagessen über einen Caterer nie über 60 Essen am Schuljahresanfang hinaus kam, am Schuljahresende waren es oft nur noch 10 Portionen bei 1100 Kindern, haben die Eltern im Jahr 2000 auch die
Mittagsverpflegung übernommen und selbständig gekocht.
Ehrenamtlich!

Über den Fachbereich Ökotrophologie der FH Niederrhein ließ sich der Verein im Rahmen eines Projektes von Professor Volker Peinelt beraten. Im Ergebnis stellte der Verein das Essen auf Cook & Freeze um und ließ sich von der Fachhochschule zertifizieren.
Der Verein hat durch seine Tätigkeit Arbeitsplätze in der Schule geschaffen.
Insgesamt fünf Kräfte werden aktuell sozialversicherungspflichtig beschäftigt, eine Person geringfügig beschäftigt.
Im aktuellen Schuljahr gibt der Cafeteriaverein an jedem schulischen Ganztag in der Gesamtschule Espenstraße zwischen 350 und 400 Portionen Mittagessen aus.
Zum Vergleich: Laut Bericht des Fachbereichs „Schule und Sport“ vom 7.8.19 im Schulausschuss vom 11.9.19 werden an 22 Schulen zurzeit durchschnittlich 950 Essen des Lieferanten Sozial Holding (Service GmbH) ausgegeben, der auch demnächst die Gesamtschule Espenstraße beliefern soll.
Anders gesagt: an der Gesamtschule Espenstraße werden jeden Tag mehr als ein Viertel aller Schulessen an Ganztagsschulen in Mönchengladbach ausgegeben.
In den Eingangsjahrgängen 5 und 6 liegt die Quote der regelmäßig essenden Kinder bei knapp 100%!

Diese Quote erreicht keine andere Ganztagsschule in Mönchengladbach.
Auf diese Weise leistet der Verein täglich einen unschätzbaren Beitrag zur
Gesundheitsvorsorge der Schülerinnen und Schüler in Mönchengladbach.
Durch ehrenamtliche Tätigkeit des Vereins wurde eine Mittagsverpflegung auf die Beine gestellt, deren überragende Qualität durch die Hochschule Niederrhein und den TÜV Rheinland zertifiziert ist.
Durch die Tätigkeit des Vereins – durch intensive und zeitaufwendige Kommunikation mit den Eltern und Familien – wurde eine Akzeptanz der schulischen Essensversorgung erzielt, die in Mönchengladbach ansonsten unerreicht ist.

Der Verein hat mehrere dauerhafte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen – in einer Stadt, deren Arbeitslosenquote deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt, keine einfache Leistung!
Die Essensversorgung an der Gesamtschule Espenstraße ist dabei für die Stadt in keiner Weise teurer als die Essensversorgung an anderen Schulen – umgerechnet auf die Kosten pro Essen sogar deutlich preiswerter! Auch die Eltern zahlen an der Gesamtschule pro Essen 0,50 € weniger als an allen Schulen, die von der Stadttochter Service GmbH versorgt werden!
All diese Leistungen hat der Cafeteria-Verein mit Freuden erbracht und würde er gerne auch weiterhin erbringen.
Nun soll dieses erfolgreiche Modell mit einem Federstrich beseitigt werden! Wie Hohn klingt da der letzte Satz unter dem Kündigungsschreiben der Stadtverwaltung:
„Für die gute Zusammenarbeit möchte ich Ihnen hiermit danken.“

Herr Reiners!
Ich möchte Sie inständig bitten alles zu tun, damit diese Kündigung eines durch Ehrenamtlichkeit auf die Beine gestellten erfolgreichen Modells zurückgenommen wird.
Auch und gerade im Sinne der Wertschätzung der Ehrenamtlichkeit.

Mit nettem Gruß
Helmut Schaper

7 Kommentare zu "Offener Brief an OB Reiners"

  1. Was soll diese unsinnige Diskussion hier bringen Leute. Der angebliche KHH will doch nur in Selbstdarstellung versinken.
    Das Thema sollte beendet werden, Danke.

  2. Antwort auf Udo M.

    Nein ich habe kein Verständnis für das Vorgehen der Stadt.
    Ich betrachte das kommunale Verhalten zur Schaffung von (Tochter)Unternehmen, und das nicht nur in MG, mittlerweile als eine Art Notwehr.
    Warum? Die in den letzten Jahren/Jahrzehnten auftretende Gesetzeswut der Landes- und Bundesregierung mit der Verlagerung von Aufgaben auf die kommunale Verwaltung, siehe in jüngerer Zeit die Guten-BlaBlaBla-Gesetze, ohne deren finanziell notwendige Zuschüsse zu tätigen. Im Gegenteil es wurden in den letzten Jahrzehnten öffentliche Mittel gekürzt, gerade auch im Bildungssektor.
    Wie vorher erwähnt darf eine Kommune keine Gewinne erzielen und muss Kostenneutral ihre Dienste anbieten. Allerdings wie soll das bei dem riesigen Aufgabenumfang funktionieren ohne irgendwelche Gelder zu generieren. Hier kommen halt die Tochterunternehmen ins Spiel, die dann Gewinne erzielen dürfen/müssen und diese dann wiederum in den Haushalt einfließen dürfen, das ganze sind dann halt Investitionen deren Ergebnis (egal ob plus oder minus) verbucht wird.

    Kommen wir dann noch zum Thema Ehrenamt. Das ist so lange gewünscht wie es Geld abwirft ohne Kosten zu verursachen, von den Aufwandsentschädigungen einiger mal abgesehen.
    Hier in diesem speziellen Fall hat es kein Geld bei minimalen Kosten eingebracht. Zwar ist es für die Schüler von Vorteil gewesen aber das interessiert keinen wenn jetzt Geld generiert werden kann (wenn es auch nur die besagten Peanuts sind).

    Noch ein weiterer Gedankengang als Bitte zum Überdenken. Wer leitet und steuert die Kommune? Der Stadtrat, eine Ansammlung von Ehrenamtlern die in Ihre Ämter gewählt wurden, der auch die Schaffung von Tochterunternehmen zu verantworten hat.
    Ich ziehe dann mal das Fazit daraus, dass hier Ehrenamtler von Ehrenamtler vom Feld gejagt werden zu Gunsten des schnöden Mammons.

    Dieses Vorgehen gibt es in ganz Deutschland.
    Mal auf NRW bezogen – würden die Kommunen nicht so vorgehen wären ca. 99% von ihnen in der Zwangsverwaltung der Bezirksregierungen.

    • Aha, Sie haben kein Verständnis für das Vorgehen der Stadt.
      Für Sie sind jedoch die armen Ehrenamtler des Rates zu bedauern, die verstehen Sie.
      Für Sie sind die bösen Landes und Bundespolitiker an diesem Ausufern von externen Stadttöchtern schuld.
      Schauen Sie sich mal Ihr Umfeld an, wer ist wirklich ehrenamtlich unterwegs und wer nimmt Geld (Aufwand)?
      Die gleichen Politiker die im Rat sitzen, sitzen oder saßen z.T. auch im Landtag, nehmen oder nahmen Geld. Werden fürstlich bezahlt für diese Leistung. Es sind oftmals die selben Menschen die in der Kommune schimpfen und im Land dafür stimmen.
      Erhalten die Spitzen der Verwaltung kein Gehalt? Auch sie gehören den Parteien an, die die Umsetzung der Stadttöchter fordern und umsetzen und dort in Aufsichtsgremien arbeiten mit den dazugehörenden Entschädigungen.

      In Zwangsverwaltung kommt nur der, der lange Zeit über seine Verhältnisse gelebt hat, wie im wirklichen Leben. Das hat nichts mit Ehrenamt oder Engagement zu tun sondern mehr mit Großmanns-Sucht über lange Zeit.

  3. Antwort an K-HH
    Ihre Argumentation wäre wohl nachvollziehbar, wenn die Stadt auch alle anderen, von ihr selbst an andere gegebenen Aufgaben übernehmen würde. Beispiel alle Kindergärten.
    Hier macht sie etwas kaputt, zerstört bewusst eine Ehrenamtsgemeinschaft. Und KHH findet es in Ordnung dass die Stadt „Umsatz“ machen möchte.
    Das ist Aufgabe einer Kommune?
    Schlafen Sie weiter, süßen Traum.

    An die Ehrenamtler:
    Schaut euch diese Verwaltung genauestens an.

    • Anscheinend haben sie mich missverstanden!
      Ich habe lediglich die Absichten und die Durchführung der Kommune beschrieben. Diese „Sozial Holding“ wurde eigens für solche Zwecke, Geldgenerierung, unter dem Deckmantel der sozialen Tätigkeiten einer Gemeinde gegründet. Als Gemeinde darf aus diesen Tätigkeiten keine Gewinne erzielen!
      Ein städtischer Betrieb und seine Tochterunternehmen, siehe auch mags, NEW usw., jedoch schon und diese (bis auf Rückstellungen) in den städtischen Haushalt einfließen lassen.

      Sie sehen, ich befürworte nicht das vorgehen Seitens der Verantwortlichen nur ziehen hier die Ehrenamtler, zu meinem außerordentlichen Bedauern, den Kürzeren.
      Ihnen bleibt leider nur noch das verzweifelte Betteln um der Erhalt der Arbeitsplätze.

      • Auch diese Antwort zeigt mir‘ Sie haben durchaus Verständnis für die Vorgehensweise der Stadt.
        Deshalb widerspreche ich nochmals.
        Nein, es ist nicht originäre Aufgabe einer Kommune oder seiner Töchter, „Andere“ vom Markt zu verdrängen oder Ehrenamtler im Engagement zu behindern.
        Es ist unsäglich, dass dieser „Service GmbH“ ein Vorrang eingeräumt werden sollte.
        Jahrelang waren alle Beteiligten froh, dass die Ehrenamtler sich des Problems angenommen haben. Die Stadt hatte sich nicht gekümmert, als es ihre Aufgabe gewesen wäre, hat sie die Hände in den Schoß gelegt.
        Nun, da möglicherweise ein paar Euro durch ein gut bestelltes Feld zu erzielen sind, nun jagt man die Ehrenamtler Kraft Gesetz vom Feld?
        Pfui!

  4. Was soll man dazu sagen?
    Sicher das Ehrenamt ist wichtig und an der Schule wurde ein erfolgreiches Konzept verwirklicht und Arbeitsplätze geschaffen!
    Dennoch sehe ich diesen öffentliche Brief als relativ Sinnlos an da die Übernahme der Tätigkeiten durch eine städtische/n Firma/Betrieb übernommen wird. Hier ist sich die Stadt selber am nächsten, die Arbeitsplätze sollen auch erhalten und gefestigt werden und zu Letzt sollen höhere Umsätze und somit mehr Geld für den Haushalt (wenn auch marginal) generiert werden.
    Was ich allerdings jetzt in der Verhandlungsmasse und auch -pflicht des Vorstandes ansehe ist der Erhalt der 5 + 1 Arbeitsplätze und deren Integration in den „neuen“ Caterer.

    Man kann also leider nur für die zurückliegende Ehrenamtliche Tätigkeit danken, für die Zukunft alles gute Wünschen und als letzten Kraftakt den Versuch des Erhalts der sozialversicherungspflichtigen und auch des geringfügigen Arbeitsplatzes einzufordern.

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