Laura Dekker, jüngste Solo-Weltumseglerin mit 14 Jahren

Laura Dekker in der Kaiser Friedrich-Halle in Mönchengladbach

Wie man die Welt erobert, obwohl niemand an einen glaubt.

Laura Dekker war gerade 14 Jahre alt, als sie zu einem Abenteuer aufbrach, das sich kaum ein Erwachsener zutraut: die Weit zu umsegeln.
Ganz allein. 50.000 Kilometer auf einem Boot. Über den Atlantik, den Pazifischen und den Indischen Ozean. Mehr als ein Jahr lang. Ähnlich viel Kraft wie auf See hatte die Niederländerin allerdings vorher wohl an Land gebraucht, um die Erwachsenen-Weit von ihrem Abenteuer zu überzeugen.

Auf Einladung des Initiativkreises Mönchengladbach erzählte Laura Dekker ihre Geschicht eindrucksvoll gestern Abend in der Kaiser Friedrich Halle.
Die war natürlich fast ausverkauft.

Richter verboten ihr, schon mit 13 loszusegeln, entzogen ihren Eitern zeitweilig das Sorgerecht. Aus Sorge in einem Heim zu landen, türmte die 13-Jährige in die Karibik und wurde von der Polizei zurück in die Niederlande begleitet.
Laura Dekker hat die Aufregung um sie nicht verstanden: “ Mir ist nie der Gedanke gekommen, dass die Idee einer Weltumsegelung ungewöhnlich wäre“, sagt sie.

Das ist sie bei ihrer Lebensgeschichte vielleicht auch nicht.
Geboren wurde sie auf einem Boot in Neuseeland; ihre Eitern waren auf ausgedehnter Weltreise. Ihr Vater ist Bootsbauer, Laura ist praktisch auf dem Wasser groß geworden. Ihr Spitzname als Kind war „Guppy“, weil sie praktisch nie aus dem Wasser herauskam.
Mit 6 war Laura Teilnehmerin bei den ersten Regatten. Mit 11 segelte sie alleine in den Niederlanden, oder genau genommen fast allein, denn damals nahm sie stets ihren Hund mit Schwimmweste mit an Bord.
Das forderte ihr Vater von ihr.

Inzwischen ist Laura Dekker 24 und hat nur ein einziges ihrer Lebensjahre in einem Haus an Land verbracht . .. Für ein normales Leben bin ich nicht gemacht. ln einem Haus fühle ich mich auf Dauer wie in einem Gefängnis“, sagt sie. Mit ihrem Freund und ihrem Baby lebt sie auf einem Boot in den Niederlanden.

Laura Dekker wörtlich und im Interview:
Auf die Frage, ob sie ihrer Tochter, sobald sie 14 Jahre alt ist, eine Weltumsegelung erlauben würde: “ Ich hasse diese Frage- vor allem. weil sie so berechtigt ist.

Viele Leute denken immer noch, ich sei damals einfach ohne Plan losgesegelt, was natürlich Quatsch ist. Ich habe mich lange auf mein Abenteuer vorbereitet.
Ich war immer schon ein Mensch. der einen Plan für sein Leben hatte und seine Ziele lieber jetzt als gleich verwirklichen will.
Meine Reise hat mich noch hungriger gemacht, die Weit kennenzulernen.

Nach zwei Wochen hat sich die Zeit aufgelöst. und das Leben auf dem Boot wurde simpel, aber nie leicht.
Es ist wunderbar wenn ich auf dem Meer mich und die Natur spüre. Es gibt nichts Besseres.
Ich möchte Kinder und Teenagern zeigen, wie sie ihren eigenen Weg gehen und sich ihre Träume erfüllen können. Sie sollen lernen, Hindernisse zu überwinden und sich Herausforderungen zu stellen, statt stets den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen.

Gefehlt habe ihr bei ihrer Weltumsegelung nichts . „Ein kaltes Getränk, ein gutes Essen, eine warme Dusche, das vermisst man eine Woche lang, dann gewöhnt man sich daran .“ Auch an die gefährlichen Situationen.

Schwere Stürme setzen dem Boot immer wieder zu. Doch egal ob ein zerstörtes Steuerrad oder ein kaputter Windfang: Dekker hat alles selbst repariert und jede Minute genossen . „Das Wetter, die Wellen, alles ist so superinteressant. Ich liebe diese Weite, den Sternenhimmel und das Gefühl von Freiheit. Dort fühle ich mich sicher und bin ganz dicht bei mir“, sagt sie.

Ihre Reise war keine Rekordjagd. Laura Dekker machte ausgedehnte Stopps auf verschiedenen Kontinenten, verbrachte fast fünf Monate an Land. Ein bisschen, um online ihre Hausaufgaben zu erledigen – das war eine Bedingung der niederländischen Behörden gewesen. Aber noch mehr, um Land und Leute kennenzulernen. Und um ihre Familie zu treffen. Ihre Route führte sie von den Kanarischen Inseln in die Karibik, durch den Panamakanal, zu den Galapagos-lnseln, nach Bora Bora, Tonga und Vanuatu, Australien und Südafrika. “ Ich wollte nie berühmt werden. Ich wollte immer nur segeln“, sagt sie.
Die 1,64 Meter große Niederländerin ist keine Lautsprecherin. sondern eher leise und nachdenklich.
Ihre Abenteuerlust hat die Weltumseglung nicht gestillt. sondern weiter entfacht. Ihr Ratschlag: „Wenn man einen Traum hat: Nichts wie ran!“

Ein Seehund übernachtete auf dem Boot

Sie hat gerade wieder einen: ln spätestens drei Jahren will sie die Weit ein weiteres Mal umsegeln. Diesmal nicht allein. sondern mit einer Gruppe von Jugendlichen. Teamwork, Respekt, Selbstvertrauen, Konfliktfähigkeit und ein Bewusstsein für die Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel will sie den Jugendlichen vermitteln. “ Ich will ihnen nicht beibringen, wie man segelt, sondern wie man ein Abenteuer erlebt. Gemeinsam wollen wir lernen. worauf es im Leben ankommt.“
Dafür will sie eine 24 Meter lange Yacht bauen lassen, die Platz für 12 Jugendliche zwischen 9und 17 Jahren bietet.
Gerade sammelt sie Geld für ihr Projekt – und diesmal bezweifelt wohl kaum jemand, dass der 24-Jährigen das gelingen wird .

Jeden Tag hat sie ein Videotagebuch gemacht. Hat auf den Reisen viele Leute kennengelernt.
Sie hat für die Schule gelernt, im Fernunterricht, im Selbststudium. Den Abschluss hat sie dann in den Niederlanden gemacht.
Auch ihr Kapitänspatent hat sie natürlich, mit 13 Jahren hat sie es gemacht, das Dokument erhielt sie jedoch erst mit 18 Jahren per Post zugestellt.

Sie benötigt ca. 300.000 Euro für ihr neues Projekt, um das Boot bauen zu können. Hofft in 2020 anfangen zu können. Sie baut es nicht alleine, sondern im Team, mit Studenten der Fachrichtung Bootsbau. Es wird 24 Meter lang. Seit 2 Jahren beschäftigt sie sich bereits mit diesem Projekt.

9-17 jährige sollen lernen zu segeln, sich selbst zu entdecken, im Team zu arbeiten, Schule wird per Fernuntericht und Internet unterstützt gewährleistet.
Die Kosten werden für ein halbes Jahr etwa 11.000 Euro pro Person betragen. Ihr Sohn kommt selbstverständlich mit.

Niemand zweifelt mehr am Gelingen ihres neuen Projektes.

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