Neue Zentralbibliothek Mönchengladbach: Bürgerbeteiligung par Excellence oder Warten auf Godot?

Die Bürger werden wieder einmal nicht mitgenommen, zugesagte Informationen unterbleiben

Fast drei Monate sind seit dem mehrheitlichen Ratsbeschluss für den Neubau der Zentralbibliothek Mönchengladbach vergangen, in dem die Verwaltung beauftragt wurde, die nötigen Schritte, Konzeption, Standortuntersuchung und Kostenvergleich, auszuarbeiten.
„Über die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungsschritte ist in den Gremien fortlaufend zu berichten“, so der Originaltext des Ratbeschlusses. Bis heute erfolgte jedoch keine offizielle Rückmeldung, kein Hinweis darauf, was konkret gemacht wird und bis wann mögliche Vorarbeiten und Erkenntnisse vorliegen.

 

Während es für jeden Wendehammer in einer Anwohnerstraße eine Bürgeranhörung gibt, scheinen bei Mönchengladbachs meistfrequentierter Kultureinrichtung, der Stadtbibliothek, Öffentlichkeit und Informationsaustausch nicht gefragt zu sein.

„Öffentliche und private Zusammenarbeit par Excellence” bescheinigte Oberbürgermeister Norbert Bude der Masterplan-Initiative MG3.0 zum Auftakt im November 2011, wie auch in seiner Neujahrsansprache, so die WZ am 1. Jan. 2012: „…Er sieht dabei auch einen wachsenden Willen der Menschen, „aktiv an der Gestaltung unserer Stadt mitzuwirken“.Es gebe „immer mehr integrative Handlungskonzepte für einzelne Stadtbereiche“, die zeigten, dass sich die Bürger „verstärkt im positiven Sinne einbringen. Als Beispiele nennt er Altstadtlabor, Dialog Giesenkirchen, Projekt Campuspark, Initiative Schillerplatz und das städtebauliche Masterplan-Projekt des Vereins MG 3.0.“

Für  das Thema Neue Zentralbibliothek, die am 21.03.12 per Ratsbeschluss mit Ampelmehrheit auf den Weg gebracht wurde, scheint dies nicht zuzutreffen. Bereits vor einem Jahr wurde ein Konzept für eine „Bibliothek der Zukunft” ausgearbeitet,
wurden mögliche Standorte untersucht und bewertet. Konzept und Ideen sind bis heute nicht in die Öffentlichkeit gelangt, eine Diskussion gibt es nicht.

Inzwischen geht die Masterplan-Initiative, die sich für die Zukunft unserer Stadt engagiert, in die dritte Runde – offen und mit Bürgerbeteiligung – und mit sicher streitbaren und überraschenden Visionen. Denn an der Zukunft unserer Stadt zu arbeiten, erfordert Ideen, Auseinandersetzung, Abgleich, Detailarbeit.

Wir erlauben uns, den Ereignissen vorzugreifen und stellen bereits heute unsere Idee einer Neuen Zentralbibliothek am Standort Stepgesstraße / Hans-Jonas-Park vor. Insgesamt gibt es 8 weitere mögliche Standorte, die sicher von der Verwaltung geprüft und beurteilt werden. Mögliche Alternativen sind z.B. die Standorte Aachener Straße / gegenüber der Stadtverwaltung oder das Haus Westland.

Der Standort Stepgesstraße / Hans-Jonas-Park bietet ideale Voraussetzungen für ein neues soziokulturelles Markenzeichen mit sich gegenseitig inspirierenden Aktivitäten: Auf der Achse zwischen Abtei, Museum Abteiberg, dem bis in den Hans-Jonas-Park erweiterten Skulpturengarten, Haus Erholung, Volkshochschule und Musikschule, erhielte die Zentralbibliothek einen Platz, der ihrer Bedeutung angemessen ist. Am Anfang aller Kultur steht das Wort und die Sprache, in Schrift und Bild, Information und Medien– als Zugang zu Bildung, Information und Wissen, zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Bücher und Medien erklären die Kunst und die Welt, sind eine unerschöpfliche Quelle für den Verstand und die Phantasie, dienen der Verständigung und dem Verständnis. Dazu zählen auch die wertvollen Schätze der historischen Sammlungen, wie die Volksvereinsbibliothek, denn sie sind auch unsere eigene Geschichte. All das gehört ins Herz unserer Stadt, zugänglich und greifbar für alle Menschen. Hier wird die Bibliothek zu einem zentralen, verbindenden Element für die umliegenden Kultureinrichtungen und für das Stadtzentrum. Und sie ist als Kontrapunkt zum gegenüberliegenden Einkaufszentrum ein sichtbares Bekenntnis zur Kultur – als Wissensspeicher, Orientierungshilfe, Treffpunkt, Veranstaltungsort, Sozialraum und konsumfreier Aufenthaltsort mit niederschwelliger Breitenwirkung.

In einem architektonisch anspruchsvoll gestalteten Gebäude-Ensemble sind die unterschiedlichen Nutzungsarten durch variierende Materialien visuell erlebbar untergebracht: Medienflächen und Ausleihe, Arbeitsplätze und Gruppenräume, die auf die zunehmende Vor-Ort-Nutzung, z.B. für Schulklassen, ausgelegt sind, die Verwaltung, das Sammlungsarchiv und ein Multimedialer Veranstaltungsbereich, der auch von den umliegenden Einrichtungen genutzt werden kann. Ein Café mit Außenanlage im Innenhof zur Parkseite und schließlich das Jugendheim Step, das in den  neuen Gebäudekomplex integriert ist.

Durchgänge, Quer- und Längswege eröffnen eine Erschließung von allen Seiten, wobei der Haupteingang einladend auf den neu entstehenden Sonnenhausplatz ausgerichtet ist – und eine Einfassung bildet. Zur Bergseite, dem Hans-Jonas-Park hin, ist das Gebäude offen, hier bieten sich im Zusammenspiel mit Skulpturen, Objekten und einer Spiel- und Freizeitnutzung für Kinder und Familien viele innovative Möglichkeiten einen zentralen Ort „in Besitz“ zu nehmen.

Anders als Im Gründerzeitviertel, das zukünftig durch das Einkaufszentrum stärker von der Innenstadt abgeschnitten wird, und wo mit zunehmender Verkehrsbelastung zu rechnen ist, bietet der Standort Stepgesstraße / Hans-Jonas-Park gute Parkmöglichkeiten und Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ein Bibliotheksneubau, wie er von der Politik auf den Weg gebracht wurde, ersetzt nicht die Stadtteilversorgung, sondern er macht lediglich die jetzige, räumlich beengte und baulich sanierungsbedürftige Bibliothek an der Blücherstraße an einem neuen Ort für die nächsten 50 Jahre zukunftsfähig. Sie ersetzt oder konkurriert nicht mit den bestehenden Stadtteilbibliotheken. Die hohe Frequenz der Interkulturellen Familienbibliothek in Rheydt zeigt, wie wichtig das Angebot insbesondere für Familien, Menschen mit Migrationshintergrund und finanziell und sozial schwache Personenkreise ist. Sie leistet gleichermaßen Bildungs-, soziale und integrative Arbeit. Für eine strukturschwache Stadt wie Mönchengladbach, mit einer überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeit und einem hohen Anteil von Hartz IV-Empfängern, sind  zentrale und ortsteilbezogene Versorgung gleichermaßen notwendig. Beides muss auch zukünftig gewährleistet sein und darf nicht von der Politik gegeneinander aufgerechnet werden.

„Es ist längst überfällig, die Diskussion über die Zukunft unserer Stadt im Dialog mit ihren Bürgerinnen und Bürgern zu führen. Dabei nehmen wir es gerne in Kauf, Stein des Anstoßes zu sein“, so Anja Schurtzmann von der Initiative „Eine Lobby für Utopia“.
(PM)

1 Kommentar zu "Neue Zentralbibliothek Mönchengladbach: Bürgerbeteiligung par Excellence oder Warten auf Godot?"

  1. hallo
    herr wendler,

    die idee mit dem jonas park …
    und dem abgerissenen step,
    seien sie doch mal so nett …
    von wem soll die bitte stammen???

    fun and sun

    pri and sac

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