Die Heiligtumsfahrt 2021 wirft ihre Schatten voraus

Foto: Andreas Jütten

Zur Einstimmung zelebriert der Aachener Dompropst Rolf-Peter Cremer am Sonntag, 23. August die Gemeindemesse um 11 Uhr in der Münster-Basilika Sankt Vitus. Zum Gottesdienst sind alle Interessierten eingeladen.
Die Wallfahrt zum Abendmahlstuch hat eine über 500-jährige Tradition. Sie wird in Gladbach im Sieben-Jahres-Turnus gefeiert und zieht jedes Mal Tausende von Christen an, sich auf den Weg zu Gott zu machen.
Dieses Mal wird unter dem Motto „Verwoben“ die Verbindung aller Christen betont. Dabei spielt ein zweites Tischtuch eine große Rolle: Bei der letzten Heiligtumsfahrt 2014 haben die evangelischen Christen in Mönchengladbach den Katholiken ein ökumenisches Altartuch geschenkt. Als Zeichen der Ökumene wird dieses Tuch am 23. August dann bei einer Vesper um 15.30 Uhr auf die Reise durch die städtischen Gemeinden geschickt.

Pfarrer Till Hüttenberger, Vorsitzender des Stadtverbandes der evangelischen Kirchen, nimmt das ökumenische Altartuch in Empfang. Danach geht es bis zur Heiligtumsfahrt im wöchentlichen Wechsel durch die evangelischen und katholischen Gemeinden. Eine der ersten Stationen wird die Evangelische Hauptkirche in Rheydt sein. „Das Mönchengladbacher Altartuch ist Ausdruck einer sehr fortschrittlichen ökumenischen Zusammenarbeit“, sagt Propst Blättler.

Zur Heiligtumsfahrt vom 3. bis 13. Juni 2021 öffnet das Gladbacher Münster den Abendmahlschrein und zeigt zehn Tage lang sein wichtigstes Heiligtum: ein 90 mal 20 Zentimeter großes Leinentuch aus dem ersten Jahrhundert. Es wird als Abendmahlstuch verehrt und bringt seit Jahrhunderten Menschen im Namen Jesu zusammen.
Als Zeuge der Stadtgesellschaft nimmt der Oberbürgermeister von Mönchengladbach teil. Begleitet wird die Wallfahrt von Gottesdiensten, Vorträgen, Konzerten, Aktionen und Momenten der Ruhe.
Die Publizistin Christiane Florin, Professorin Dr. Agnes Wuckelt und der Musiker Helge Burggrabe haben ihr Kommen bereits zugesagt.

Zur Heiligtumsfahrt 2014 pilgerten Menschen aus dem gesamten Bistum nach Mönchengladbach. „Da wir aber nicht wissen, wie sich die Situation mit Corona weiterentwickelt, werden wir das Programm flexibel planen“, sagt der Gladbacher Propst Peter Blättler.

Bischof Helmut Dieser wird das Abendmahlstuch am 13. Juni 2021 wieder für sieben Jahre im Schrein verschließen. Ob ähnlich wie bei der Heiligtumsfahrt 2014 über 4000 Menschen gemeinsam den Abschluss der Wallfahrt feiern können, ist unklar.
„Das Leitungsteam denkt auch intensiv über Online-Formate nach.“
Als Gero die Abtei Gladbach im Jahr 974 nach seiner politischen Mission nach Byzanz gründete, brachte er einen großen Reliquienschatz mit. Es ist davon auszugehen, dass er dem Münster auch die biblischen Heiligtümer schenkte. Dokumentiert werden sie aber erst um 1275. Auf dem Tuch steht auf Latein: „Zum Tisch Jesu gehörig“. Aufzeichnungen über die Heiligtumsfahrten in Mönchengladbach gibt es seit dem Jahr 1456.
Das Motto „Verwoben“ steht aber nicht nur für den ökumenischen Weg in Mönchengladbach. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie eng ökologische, wirtschaftliche und soziale Systeme miteinander verbunden sind. Daher geht es auch um das Verbunden-Sein in der Gesellschaft.

Die Heiligtumsfahrt fragt auch: Wie können sich Bürger über alle Konfessions- und Glaubensgrenzen hinaus in und mit dieser Stadt verweben?
Webfehler wie sexueller Missbrauch und Geschlechter-Ungleichheit in der katholischen Kirche sollen ebenfalls nicht verschwiegen werden. „Wir wollen uns nicht groß selbst darstellen und auch keine Nabelschau“, so Charlotte Lorenz, Geschäftsführerin der Heiligtumsfahrt. „Unser zentrales Anliegen ist es, auf die Menschen zuzugehen, Fragen zu stellen, zuzuhören.“

Weil Mönchengladbach eng mit der Aachener Heiligtumsfahrt vom 18. bis 28. Juni 2021 kooperiert, wird im August das Aachener „Entdeckermobil“ auf dem Alten Markt stehen.
Von 12 bis 18 Uhr lädt dort ein umgebauter E-Scooter zu der Wallfahrt in Aachen unter dem Motto „Entdecke mich“ ein. An Bord sein werden unter anderem ein Nachbau des Aachener Marienschreins und ein virtueller Rundflug durch den Aachener Dom.